Moderne Technologien für Diabetiker

Im Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum des Verbundes Katholischer Kliniken Düsseldorf werden Diabetes-Patienten telemedizinisch betreut. Dank eines neuen Systems können Krankenhäuser die diabetologische Versorgung an separate Betriebsgesellschaften auslagern.

M&K: Das Westdeutsche Diabetes- und Gesundheitszentrum hat ein zentrales Diabetes-Versorgungssystem entwickelt. Wie profitieren Patienten und medizinisches Personal von dem System?

Prof. Dr. Stephan Martin: Alle Patienten im Verbund Katholischer Kliniken Düsseldorf mit der Nebendiagnose eines Diabetes mellitus werden zentral erfasst, untersucht und diabetologisch betreut. Immerhin sind es ein Drittel aller Patienten, die einen Diabetes haben. Dadurch können sich viele Komplikationen ergeben, wenn zum Beispiel der Blutzucker nicht richtig eingestellt ist. Die Patienten stellen sich vor ihrem stationären Aufenthalt bei uns vor, und wir nehmen alle relevanten Daten auf. Dazu gehört auch, dass wir ihre Insulindosis anpassen und andere Medikamente prüfen. So kann es sein, dass manche Tablette eventuell abgesetzt und durch eine andere ersetzt wird. Die Patienten nehmen dies gerne an und fühlen sich gut betreut. Auch die Ärzte schätzen das, denn durch die Therapieempfehlungen von Diabetologen wird der stationäre Aufenthalt optimiert, und es drohen weniger Komplikationen. Durch eine kontinuierliche Weiterbetreuung können die Diabetes-Therapien im Verlauf des stationären Aufenthaltes zudem an die jeweilige Situation des Patienten angepasst werden.

Eine wichtige Rolle spielen die Diabetes-Manager. Wie sehen deren Aufgaben aus?

Prof. Dr. Stephan Martin: Die Diabetes-Manager sind Krankenschwestern, die speziell ausgebildet sind. Derzeit kümmern sich elf Diabetes-Manager um Patienten mit Diabetes. Sie erfassen die diabetologische Krankengeschichte und die Therapie, bestimmen und kontrollieren die Blutzuckerwerte, machen falls notwendig ein Nieren-Screening und kümmern sich um eventuelle Untersuchungen beim Facharzt.

Wird bei einem Patienten ein Diabetes erstmalig festgestellt, wird er während seines stationären Aufenthalts durch das Diabetesteam geschult. Auf den Stationen werden die Blutzuckerwerte schließlich mit Point-of-Care-Messgeräten erfasst und mit automatischer Datenübertragung im Krankenhaus-Informations-System (KIS) abgelegt.

Sie arbeiten seit November 2014 mit der elektronischen Fallakte TeDia, die alle Diabetes-Daten von Patienten erfasst. Welche Vorteile bringt das System für die Krankenhäuser?

Prof. Dr. Stephan Martin: Das System ist in der Lage, die Diabetesdaten unabhängig von dem KIS zu erfassen. Das Diabetes-Informations-System (DIS) ist über eine Standard-Schnittstelle mit dem KIS verbunden, so dass alle Patienten-relevanten Daten aus dem KIS übernommen werden können und das Konsilergebnis inklusive Therapieempfehlung zurück an das KIS übertragen werden kann. Das System hat auch den Vorteil, dass es sowohl für einen Arbeitsplatz-PC als auch für ein Tablet entwickelt wurde. Die Eingabe der Daten kann somit direkt am Patientenbett erfolgen. Mit diesem System ist es für Krankenhäusern möglich, die diabetologische Versorgung an separate Betriebsgesellschaften, ähnlich der Radiologie, auszulagern. Neben der Verbesserung der Patientenversorgung und Behandlungsqualität hilft das Diabetes-Versorgungssystem, die Ausbildung von Ärzten und Pflegekräften zu optimieren.

Sie kümmern sich telemedizinisch auch um den Lebensstil von Diabetikern, die Änderungen meist konsequent umsetzen müssen. Was hat es mit dem Telemedizinischen Lifestyle-Programm (TeLiPro) auf sich?

Prof. Dr. Stephan Martin: Das Programm besteht aus vier Elementen: der telemedizinischen Betreuung, einer strukturierten Blutzuckerselbstkontrolle, dem Einstieg in eine Ernährungsumstellung mittels Formuladiät und einem Motivationscoaching. Zur telemedizinischen Betreuung erhalten die Patienten eine Waage und einen Schrittzähler, die Gewicht und die tägliche Zahl der Schritte automatisch über eine Sim-Karte an ein Internetportal übermitteln. Damit können auch Blutzucker- und Blutdruckwerte mit entsprechenden Geräten übermittelt werden. Zusätzlich werden die Teilnehmer telefonisch von einem Diabetes-Coach betreut, der ebenfalls Zugang zum Datenportal hat und den Patienten Tipps zu Blutzuckerwerten, Ernährung und Fitness gibt.

Der Erfolg zahlt sich anscheinend aus.

Prof. Dr. Stephan Martin: Ja, denn in einer eigenen Studie konnten wir nachweisen, dass die Kombination von Telemedizin und individuellem Coaching nicht nur den Blutzucker reduziert, sondern auch die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Cholesterin oder Blutdruck deutlich senkt.

Das telemedizinische Programm ist ein Pilotprojekt, die Fallakte TeDia mittlerweile in der Regelversorgung. Sind weitere Entwicklungen geplant?

Prof. Dr. Stephan Martin: Das TeDia-System soll auf weitere Krankheiten ausgeweitet werden – geplant ist hier die Niereninsuffizienz, unter der rund ein Drittel unserer Patienten leiden. Was das telemedizinische Programm angeht, so geht es nun darum, die Krankenkassen zu gewinnen. Ich möchte, dass sie erkennen, dass das Programm eine langfristige Wirkung hat, und es als Basistherapie anbieten.

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