Gesundheitsökonomie

10. Apollon Symposium der Gesundheitswirtschaft

Während des 10. Apollon Symposiums der Gesundheitswirtschaft am 16. November 2018 stand die psychische Gesundheit im Fokus.

02.01.2019 -

Die jährlich von der Hochschule der Gesundheitswirtschaft veranstaltete Fachtagung verzeichnete in ihrem Jubiläumsjahr einen Besucherrekord: 280 Fachleute aus Wissenschaft, Verwaltung, Unternehmen und Studierende aus dem deutschsprachigen Raum nahmen im Bremer Swissôtel teil. Unter dem Motto: „Psychische Gesundheit wirksam stärken – aber wie?“ diskutierten sie über wirksame Maßnahmen zur Förderung psychischer Gesundheit in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen.

Ergänzend zu den wissenschaftlichen Vorträgen präsentierten sich Firmen, Verbände, Vereine, Initiativen sowie die Hochschule auf dem Branchenforum.

Apollon Präsidentin Prof. Dr. Johanne Pundt begrüßte die Teilnehmer des Symposiums, das sie inhaltlich gemeinsam mit Prof. Dr. Viviane Scherenberg organisiert hatte und gab einen Einblick in die erfolgreiche Entwicklung der Hochschule: Aktuell seien 60 Mitarbeiter in Bremen und über 200 externe Lehrbeauftragte dort beschäftigt. 2.800 Absolventen erzielten bisher einen Abschluss. Die Zahl der Studierenden sei im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um neun Prozent gestiegen. Besonders stolz äußerte sich Pundt über die aktuellen Auszeichnungen: Erneut sei die Apollon Hochschule „Beliebteste Fernhochschule 2018“ und das Forum DistancE-Learning habe die Absolventen Schwester Josephine Ndirika und Thijs Hendriks als Fernstudierende des Jahres prämiert. Für das kommende Frühjahr kündigte die Präsidentin den Start der „Apollon Akademie“ mit Qualifizierungsangeboten für nichtakademische Gesundheits- und Sozialberufe an.

Gründe und Gegenmaßnahmen für eine gestresste Gesellschaft

„Psychische Erkrankungen sind in Deutschland mittlerweile zur Volkskrankheit geworden und zeigen ein komplexes Bild“, stellte Prof. Pundt in der Einleitung zur Tagung fest. Zwar gingen immer mehr Menschen in Behandlung. „Aber wir leben auch in einer gestressten Gesellschaft“, bemängelte sie. Viele Menschen hätten den Eindruck, den Anforderungen in der schnelllebigen Arbeitswelt nicht mehr zu genügen. Bewegungsmangel, fehlende Ruhepausen, Einsamkeit und die Sorge um den Arbeitsplatz täten ihr Übriges. Junge Erwachsene in Berlin, Bremen, Hamburg oder Mecklenburg-Vorpommern seien verschiedener Krankenkassen-Studien zufolge besonders gefährdet. Die ambulante Behandlung auf dem Gebiet müsse verbessert werden, denn ein Drittel der stationär Behandelten befänden sich zwei Jahre später wieder im Krankenhaus. Das Symposium wolle die Ursachen dafür benennen, aber insbesondere Wege und Maßnahmen zur Vorbeugung aufzeigen.

Leichter Leben in der Leistungsgesellschaft

Mit der Wahl des Themas habe das Organisationsteam der Tagung den Nerv der Zeit getroffen, sagte Stephanie Dehne, Sprecherin für Gesundheit und Verbraucherschutz der SPD-Fraktion und Mitglied der Bremischen Bürgerschaft, in ihren Grußworten. Obwohl viele Menschen von psychischen Erkrankungen wie Depressionen betroffen seien, wollten sie nicht darüber sprechen. „Das ist immer noch ein Tabu-Thema“, bedauerte Dehne. In unserer Leistungsgesellschaft drehe sich die Welt immer schneller, steige der Druck bei der Arbeit wie privat. Doch oft schraube jeder seine Anforderungen selbst immer höher, insbesondere Frauen. Dehne rief daher zu mehr Achtsamkeit und Bewusstsein auf. In Bremen gäbe es im Vergleich zu anderen Regionen bereits viele Angebote zur Unterstützung der psychischen Gesundheit. Einen besonderen Einfluss haben der Gesundheitspolitikerin zufolge die Lebensumstände. „Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, diese Umstände zu verbessern“, forderte sie abschließend auf.

Wo psychische Probleme oft nur eine Phase sind

Mit diesem Gedanken erhielt Dehne großen Beifall beim Publikum und Professor Dr. Andrea Morgner-Miehlke, der stellvertretenden Direktorin des Universitäres Cancer Center Hamburg und kaufmännischen Leiterin des Zentrums für Onkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) knüpfte dort an. Sie begleitete die Teilnehmer anschließend als Tagesmoderatorin durch das Symposium und kündigte das erste Impulsreferat an: Dr. Ulfert Hapke aus der Abteilung Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring am Robert Koch-Institut (RKI), Berlin skizzierte wie es um die psychische Gesundheit bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland steht. Dabei stellte er Daten aus den drei Gesundheitsstudien KiGGS, DEGS und GEDA vor, mit denen das RKI Entwicklungen über das Krankheitsgeschehen, Gesundheits- und Risikoverhalten über Jahre hinweg bundesweit verfolgt. Betrachte man die Ergebnisse der Langzeitstudie KiGGS zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland in Bezug auf psychische Auffälligkeiten sei 2003 zwar jedes fünfte Kind betroffen gewesen. „In den letzten zwanzig Jahren haben wir aber mit Schulpsychologen, Sensibilisierung der Eltern und den 2006 neu eingeführten kinderärztlichen Untersuchungen U 10 und U 11 viel erreicht“, resümierte Hapke.

Bei den Jungs im Alter von neun bis siebzehn Jahren seien Probleme deutlich rückläufig und das, im Gegensatz zu den Mädchen, bei denen die Zahlen stagnierten. Insgesamt stünden viele Auffälligkeiten jedoch im Zusammenhang mit Wachstum und Entwicklung: „Bei jedem zweiten Kind verschwinden die Probleme innerhalb eines Jahres und bei weniger als einem Drittel überdauern sie sechs Jahre“, beruhigte der Psychologe.

Mehr als gute Gene, Geld und Glück

Im Anschluss daran verdeutlichte Prof. Dr. Maike Luhmann wie Gene, Umwelt und wir selbst unsere psychische Gesundheit prägen. Die Professorin für Psychologische Methodenlehre an der Ruhr-Universität Bochum beschäftigt sich unter anderem mit Wohlbefinden, Einsamkeit und Persönlichkeitsentwicklung. In ihrem Impulsvortrag stellte sie Erfolg versprechende Faktoren für Glück und Zufriedenheit vor. Ergänzend zur WHO Definition von Gesundheit ordnete sie den Begriff in einem Fadenkreuz zwischen Wohlbefinden und Krankheitssymptomen ein und relativierte: „Wer keine Symptome hat, ist noch nicht automatisch ein gesunder Mensch und vorhandene Krankheitssymptome bedeuten nicht gleich, dass es Jemandem schlecht geht.“ Subjektives Wohlbefinden äußere sich etwa durch Zufriedenheit, Freude oder der Überzeugung ein glückliches Leben zu haben und sei langfristig stabil. Drei wesentliche Faktoren, die das Wohlbefinden objektiv beeinflussten seien 1. Gene und Persönlichkeit, aber auch 2. Lebensumstände sowie 3. das eigene Verhalten. Zwillinge seien etwa ähnlich glücklich, extrovertierte Menschen emotional stabiler. Während dieser erste Faktor etwa für die Hälfte unseres „Glücks“ verantwortlich zeichnet, machen Lebensumstände wie Familien- und Arbeitssituation und Einkommen nur rund zehn Prozent aus. „Verabschieden Sie sich also von der Idee, dass man

mit Geld Glück erkaufen kann!“, ernüchterte Luhmann die Teilnehmer. Eine Chance läge vielmehr im 3. Faktor, dem „eigenen Verhalten“, das den restlichen Anteil des Glücks ausmache. „Das Tolle an diesen magischen 40 Prozent ist: Wir können sie selbst beeinflussen“, betonte Luhmann.

Versuch‘s mal mit Gelassenheit, Achtsamkeit und Dankbarkeit

Die Psychologin lieferte gleich mehrere Vorschläge wie man sein Verhalten positiv dahingehend beeinflussen kann: Wer mal wieder zu spät mit der Bahn ankomme, solle es mit Gelassenheit versuchen. Sie verbessere die Lebenszufriedenheit. Dankbarkeit, über positive Dinge und Fähigkeiten, die man sich in einem „Glückstagebuch“ regelmäßig vergegenwärtige, seien ein ebenso gutes Mittel. Auch Übungen zur Achtsamkeit seien im Trend. Darüber hinaus solle man sich selbst und seinem Wohlbefinden öfter etwas Gutes tun, etwa durch Sport, Wellness oder ein nettes Treffen mit Freunden. Aber auch Anderen etwas Gutes tun: Der Kassiererin einen guten Tag zu wünschen, anderen mit Kleingeld oder auf andere Weise auszuhelfen, würde die eigene Zufriedenheit steigern. Welche Maßnahme am wirksamsten ist, sei individuell ganz unterschiedlich, sagte Luhmann und motivierte die Teilnehmer zum Ausprobieren. Für diejenigen, die den Sachverhalt lieber wissenschaftlich hinterfragen, empfahl sie das „Handbook of Well-Being“. Ob das Glücksgefühl auch vom Cortisolspiegel im Körper abhänge, wollte ein Zuhörer in der anschließenden Diskussion wissen und Prof. Luhmann zuckte mit den Schultern. Doch Dr. Hapke hatte zu dieser speziellen Frage eine Idee: Normalerweise sei der Cortisolspiegel morgens am höchsten, was einem zu viel Energie für den Tag verhelfe. „Wenn die jedoch nicht verbraucht wird, dann kommt Frust auf“, lautete seine Erklärung.

Gib dem Affen (keinen) Zucker!

Ausführlicher auf die Rolle von Stress und wie wir im Alltag mit ihm fertig werden ging Dr. Martin Morgenstern in seinem Vortrag ein. Der Verhaltensforscher und Evolutionsbiologe blickte dafür bis in die Anfänge der Menschheitsgeschichte zurück.

„Wir sind Mitglieder der Familie der Affen, sehen ihnen ähnlich“, verglich er, während sein Foto neben dem eines Schimpansen auf der Leinwand erschien. „Stellen Sie sich mal einen Affen vor, der zehn Stunden bei der Arbeit, beim Autofahren und in der Freizeit sitzt und zur Feier des Tages auch noch viel Industrie- Zucker bekommt – der Ärger mit dem Tierschutz wäre vorprogrammiert, weil das keine artgerechte Haltung ist“, bemerkte Morgenstern. Ebenso wie der Affe würden wir davon krank. Doch das Stresslevel habe unweigerlich mit Energie zu tun. Worum geht’s überhaupt beim Stress, fragte er rhetorisch und setzt sich symbolisch dafür eine rote Brille auf. Und während das Publikum aufmerksam seinen Ausführungen lauschte, ließ eine laute Tröte alle plötzlich aufschrecken.

„Tut mir leid“, entschuldigte sich Morgenstern für die Störung: „Stress ist nicht zum Nachdenken gemacht, sondern zum Reagieren!“ Die körperliche Reaktion hänge evolutionsbiogisch mit der Notwendigkeit für Flucht, Angriff oder Verteidigung vor Feinden zusammen. Wie in der Steinzeit sei damit noch heute die Ausschüttung von Stresshormonen verbunden. „Innerlich tobt also der Affe“, so Morgenstern.

Doch das Problem sei, heute werde die Energie nicht mehr körperlich abgerufen und staue sich auf. Da reiche es oft schon, wenn man den Tiger (also den Feind) im Kopf habe, um Stress zu empfinden.

Weitere Informationen zur Veranstaltung findet sich im Internet.

Als Termin für das 11. Apollon Symposium der Gesundheitswirtschaft, können sich Interessierte bereits den 11. Oktober 2019 im Swissôtel Bremen, vormerken.

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