Endometriose-Zentren – Hilfe für ein verkanntes Leiden

Basis für Struktur- und Ergebnisqualität bei Diagnostik und Therapie

Zwischen dem Auftreten erster Symptome und der Diagnose einer Endometriose liegt oft eine lange Zeitspanne von sechs bis acht Jahren. Viele Symptome, die mit dem Leiden einhergehen, werden nämlich als „Frauenleiden" abgetan; daher suchen die Betroffenen einen Arzt oft gar nicht aut. Dabei sind 10 bis 20% der Frauen im gebärfähigen Alter davon zum Teil heftig betroffen und in ihrem Leben eingeschränkt. Ihnen kann seit 2006 an Endometriose-Zentren geholfen werden. Allerdings steht deren Finanzierung auf „wackeligen Beinen".

Weltweit einmalig
Die Zentren sind in drei Ebenen angesiedelt. Der Ebene 1 sind Frauenarztpraxen mit hoher Erfahrung zugeordnet, unter Ebene 2 werden ambulante OP-Zentren sowie Kliniken mit operativen Einheiten zusammengefasst. Zur Ebene 3 zählen derzeit sieben Zentrum mit interdisziplinärer Kooperation verschiedener Fachdisziplinen.

Letztgenannte Gruppe bietet hoch spezialisierte Medizin auf allen Gebieten an, die für die Heilung und Behandlung der Endometriose notwendig sind: So stehen hier z.B. MRT oder Sonografie zur Verfügung, Bereiche wie Darm- und Blasenchirurgie, Urologie und Endokrinologie sind eng miteinander verzahnt, auch Schmerztherapie, Psychosomatik, Rehabilitation und Nachsorge gehören dem Zentrum an. Selbstverständlich bieten die Einheiten beste Voraussetzungen dafür, die Klinische Forschung und angewandte Grundlagenforschung voranzubringen.

Konzentrierte Hilfe
Erst die konzentrierte Behandlung in den Zentren verdeutlicht, wie sehr Endometriose das Leben der Betroffenen einschränken kann: So kommt es gelegentlich - bedingt durch die Schmerzen und die damit verbundenen Arbeitsausfälle - bis zum Arbeitsplatzverlust. „Das verdeutlicht, warum die Hauptdiagnose von zahlreichen Nebendiagnosen begleitet wird", erläutert Prof. Dr. Dr. Dr. h. c. Andreas D. Ebert. Als Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin sowie des Endometriosezentrums der Stufe 3 im Berliner Vivantes Humboldt-Klinikum weiß er aus der Praxis, wovon er spricht.

Dank der Zentren wird erst das Ausmaß des Leidens erkennbar. Es ist selbst unter Fachärzten wenig bekannt. So gehen Ärzte z.B. davon aus, dass die das Leiden ausschließlich im gebärfähigen Alter vorkomme.

„Das stimmt aber nicht, denn selbst 9-jährige Mädchen ohne Menstruation können betroffen sein. Leider wird in so einem Fall oft falsch diagnostiziert und therapiert. Läuft es ungünstig, wird u. U. der Blindarm entfernt...die Schmerzen aber bleiben," so beschreibt Ebert einen Fall. Daher sei es fundamental wichtig, die Mitarbeiter aller Fachrichtungen, die mit dem Zentrum vernetzt sind, zu schulen.

Die Zentren müssen hohe Auflagen erfüllen, wobei die Zertifizierung die Stiftung Endometrioseforschung, die Europäische Endometriose-Liga und die Endometriose-Vereinigung Deutschland (Selbsthilfegruppe Endometriose) konzipieren und vor Ort überprüfen.

Bleibt die Wirtschaftlichkeit auf der Strecke?
Doch es lohnt sich für die Patientinnen. Immer mehr hoffen auf Hilfe in den Zentren. So wurden im Jahr 2006 in der genannten Berliner Einheit 309 Frauen ambulant behandelt, im Jahr 2007 waren es 505, im Jahr 2009 stieg die Zahl auf 579 an.

So positiv diese Entwicklung für die Betroffenen und die Forschung ist, so schwierig ist es aus verwaltungstechnischer und ökonomischer Sicht, gute Lösungen zu schaffen. Die Zentrenbildung führt zu steigenden ambulanten und stationären Patientenzahlen, was eine starke Zunahme der komplexen Fälle zur Folge hat. „So dauern hier laparaskopischen Eingriffe nicht selten zwischen zwei und vier Stunden", unterstreicht Ebert die Situation. Er verweist damit auf die einhergehende Arbeitsverdichtung. Auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen beispielsweise Radiologie und Gastroenterologie, Chirurgie und Urologie wird zunehmend gefordert. Terminliche Engpässe sind die Folge.

Geld ist nicht alles - aber ohne Geld ist alles nichts
Prof. Ebert hält die augenblickliche Entgeltsituation der Endometriose-Zentren für dramatisch, denn die hier erbrachten umfangreichen Leistungen bilde das DRGs bei weitem nicht ausreichend ab. Daher hält er Gespräche mit Kostenträgern und Gesundheitspolitikern für dringend erforderlich, um die Einheiten langfristig halten zu können und eine Versorgungsforschung auf nationaler Ebene zu gewährleisten.
In der Forschung sei man allemal auf die ökonomische Unterstützung der Industrie angewiesen. „Ein offenes und transparentes Miteinander sind hier oberstes Gebot, um einen möglichen Korruptionsverdacht gar nicht erst aufkommen zu lassen," so Ebert.

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