Ethik in der Ernährungstherapie am Lebensende

Frühzeitige Kommunikation mit allen Beteiligten anstreben

Für die Ernährungstherapie bedarf es - wie für jede andere medizinische Therapie - immer einer Indikation und der Zustimmung des Patienten. Doch in einer fortgeschrittenen Palliativphase ist diese Patientenzustimmung oft schwer zu ermitteln, woraus ethische Konflikte entstehen können. Die Lösung ist eine frühzeitige, regelmäßige und intensive Kommunikation: „Sie ist die Basis des Entscheidungsprozesses für die Ernährungstherapie", betont Dr. Andreas Rost, Oberärztlicher Leiter des ambulanten Palliativteams am Klinikum Darmstadt.

Sondenernährung als Teil der Ernährungstherapie ist ein wichtiger Faktor in der frühen palliativen Phase. In diesem Stadium ist eine Heilung zwar nicht mehr möglich, die Lebenserwartung beträgt aber durchaus noch einige Monate bis wenige Jahre. Rechtzeitig und individuell adäquat umgesetzt kann die ernährungsmedizinische Betreuung helfen, Krankenhausaufenthalte, Komplikationen und den Verlust der Lebensqualität eines Patienten zu verringern. Sie erfüllt damit zentrale Forderungen der Palliativmedizin.[i] In Deutschland werden jährlich schätzungsweise 140.000 perkutane endoskopische Gastrostomien (PEG) durchgeführt, etwa 65 Prozent davon bei älteren Menschen.[ii] „Gründe für die Sondenernährung sind ganz häufig die eingeschränkte Fähigkeit zur Nahrungsaufnahme wegen eines Schlaganfalls oder einer Tumorerkrankung", meint Rost.

Die Indikation ist Voraussetzung für die Ernährungstherapie

Für jede ernährungsmedizinische Maßnahme bedarf es einer medizinischen Indikation, die zunächst geklärt werden muss. Sie besteht dann, wenn der Wert der Behandlung, also der Nutzen für den Patienten gegeben ist.[iii] Die Therapie muss demzufolge ein medizinisches Behandlungsziel haben und sollte nicht der Reduktion des Pflegeaufwands dienen.[iv] „Für die Palliativmedizin ist dabei der Erhalt der Lebensqualität ein hoher, wenn nicht sogar der einzige Nutzen für den Patienten", erläutert der Darmstädter Experte.

Der Patientenwille entscheidet über die Therapie

Für den Beginn und die Fortführung der Ernährungstherapie ist aber nicht nur die Indikation, sondern auch der Patientenwille entscheidend.

Solange der Patient einwilligungsfähig ist, gilt sein aktuell geäußerter Wunsch für oder gegen eine Ernährungstherapie. „Probleme können nur dann entstehen, wenn Patienten nicht mehr in der Lage sind, eine Therapieentscheidung zu fällen", meint Rost. Deshalb sollte ein Gespräch über die Ernährungstherapie frühzeitig beginnen. „Eine rechtzeitige und gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient ermöglicht es auch, im Vorfeld zu vereinbaren, wann die Therapie beendet werden sollte", erläutert der Palliativmediziner weiter. In jedem Fall ist das regelmäßige Überprüfen der Therapieziele, zu Beginn eher wöchentlich und im weiteren Verlauf etwa alle zwei bis vier Wochen, ganz wichtig.

Kommunikation - die Basis verantwortungsvoller Ernährungsmedizin

Wenn in einer späteren palliativen Phase keine Indikation mehr für eine Ernährungstherapie besteht, weil der Patient beispielsweise im Sterben liegt und weder Hunger noch Durst verspürt, sollte die Ernährungstherapie beendet werden. Hierbei ist natürlich auch immer der Patientenwille bzw. der mutmaßliche Patientenwille zu berücksichtigen. In dieser Phase können die Belastungen einer Ernährungstherapie den noch möglichen Nutzen bei weitem überwiegen. „Auch hierfür ist die gute Kommunikation mit allen an dem Entscheidungsprozess Beteiligten von großer Bedeutung", betont Rost. „Wird die Kommunikation frühzeitig ernsthaft angegangen, ergeben sich in seltenen Fällen Meinungsverschiedenheiten zwischen Arzt, Patient, Pflegenden und Angehörigen", ist der erfahrene Palliativmediziner überzeugt. Eine frühzeitige und einfühlsame Kommunikation ist der Schlüssel zu einer adäquaten ernährungsmedizinischen Betreuung1, denn nur so können Patient und Angehörige die richtige Entscheidung treffen.

Quellen

[i] Löser C. Ernährung am Lebensende - Palliativmedizin, das „PEG-Dilemma". In: C. Löser (Hrsg.) Unter- und Mangelernährung: Klinik - moderne Therapiestrategien - Budgetrelevanz. Thieme Verlag, Stuttgart, 2011, 341-353.
[ii] Wirth R et al. Z Gerontol Geriat, 40 (2007), 21-30.
[iii] BGH XII ZB 2/03, Beschluss vom 17.03.2003.
[iv] Körner U. et al. Aktuel Ernaehr Med, 28 Suppl. (2003), 36-41.

 

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