Personalia

Neuer Leitender Oberarzt der Gefäßchirurgie am Paul Gerhardt Stift

Dienstbeginn inmitten der Corona-Pandemie

05.06.2020 -

Mitten in der Hochphase der Corona-Pandemie hat Mohammed Nassar seinen Dienst als Leitender Oberarzt der Gefäßchirurgie am Paul Gerhardt Stift angetreten.

Anders als man denkt, sei diese turbulente Zeit ein guter Einstieg gewesen, erklärt der Facharzt für Herz- und Gefäßchirurgie, der sich in der Lutherstadt sehr wohl fühlt.

„Natürlich hatte ich mir meinen Arbeitsbeginn in Wittenberg ursprünglich anders vorgestellt – doch eigentlich war die Hochphase der Corona-Zeit ein super Start“, sagt der Leitende Oberarzt. Weil alle nicht lebensnotwendigen Operationen abgesagt werden mussten, blieb Zeit, um ohne großen Stress am neuen Arbeitsort anzukommen. „Ich konnte viele Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen führen – nicht nur innerhalb der chirurgischen Klinik, sondern auch mit anderen Kliniken wie beispielsweise der Radiologie.“

Denn insbesondere die interventionelle Gefäßchirurgie möchte Herr Nassar in enger Zusammenarbeit mit den Angiologen und den Radiologen der Klinik weiter etablieren. „Mit dieser kathetergestützten Gefäßerweiterung können wir – ohne große Schnitte – Engstellen der Gefäße aufdehnen. Diese minimal-invasiven Eingriffe sind für die Patienten meist schonender als offen-chirurgische, aber für jeden Patienten muss individuell besprochen werden, ob und welche Methode die am besten geeignete ist“, erklärt der Leitende Oberarzt. Deshalb wird am Paul Gerhardt Stift derzeit ein gemeinsames Gefäßzentrum etabliert, in dem Gefäßchirurgen, Angiologen und Radiologen die optimale individuelle Therapie für die Patienten besprechen und gemeinsame Visiten durchführen.

Zur Person

Der neue Leitende Oberarzt Mohammed Nassar wurde in Palästina geboren und lebt seit 1991 in Deutschland. Hier hat er von 1993 bis 2000 an der Medizinischen Fakultät der Charité sein Medizinstudium absolviert. Neun Jahre später konnte er in Hannover erfolgreich die Prüfung zum Facharzt für Herzchirurgie ablegen. 2016 folgte der Facharzttitel für Gefäßchirurgie. Herr Nassar war zuletzt als Leitender Oberarzt in Neuruppin tätig und hat das gesamte gefäßchirurgische Spektrum und dabei insbesondere die endovaskuläre Gefäßchirurgie und hier vor allem die endovaskuläre Aortenchirurgie abgedeckt.

Moderne Therapien auf dem Vormarsch

Moderne Therapien werden in der Wittenberger Klinik auch in der Behandlung von Bauchaortenaneurysmen (große Aussackung der Bauchschlagader) eingesetzt. So konnte unlängst ein Patient mit geplatzter Bauchschlagader mit einem Stent gerettet werden - und war dabei nur lokal betäubt! „Die Situation war für den Patienten lebensbedrohlich und musste sofort behandelt werden“, erklärt Prof. Dr. med. Martin Stockmann, Chefarzt der chirurgischen Klinik am Paul Gerhardt Stift.  

 „Trotz einer sofortigen Therapie sterben mehr als 50 Prozent der Patienten mit einem geplatzten Bauchaortenaneurysma,“ sagt Prof. Dr. Stockmann. Das liege unter anderem am häufig hohen Lebensalter mit vielen weiteren Erkrankungen der Patienten und der normalerweise notwendigen großen Bauchoperation. „In bestimmten Situationen kann heutzutage ein Aortenaneurysma aber auch minimal-invasiv mit einer sogenannten endovaskulären Therapie versorgt werden. Dabei wird ohne Eröffnung des Bauches über eine Punktion der Leistenarterien ein großer Stent in die Bauchschlagader vorgeschoben und das Aneurysma, also die Aussackung, abgedichtet“, erklärt der Chefarzt. Die Therapie nennt sich EVAR - Endovaskuläre Aortenreparatur – und ist für den Patienten wesentlich schonender. Ein weiterer Vorteil der EVAR-Technik ist, dass die ganze Operation in einer Notfall-Situation in lokaler Betäubung (d.h. der Patient ist dabei wach) durchgeführt werden kann und damit kreislaufschonender ist.

Mit dieser modernen Therapie konnte unlängst auch einem einem Wittenberger Patienten das Leben gerettet werden: „Der durch uns so im Notfall versorgte Patient hat die Operation gut überstanden und konnte trotz vieler anderer Erkrankungen schnell wieder entlassen werden“, so Chefarzt Prof. Dr. Stockmann. Durch kontinuierliche Weiterentwicklung in den vergangenen Jahren sei es gelungen, diese Therapie in der Klinik soweit zu etablieren, dass entsprechende Stent-Prothesen auch im Notfall jederzeit zur Verfügung stehen. „Somit ist es möglich, zu jeder Tages- oder Nachtzeit ein geplatztes Aneurysma wie in diesem Fall zu versorgen, wenn es aus medizinischer Sicht hierfür geeignet ist“ sagt Prof. Stockmann.

Screening auf Bauchaortenaneurysma nutzen

Ein Bauchaortenaneurysma ist immer lebensgefährlich – deshalb appelliert Prof. Dr. Stockmann an die Bevölkerung, das dafür vorhandene Screening zu nutzen: Diese Vorsorgeuntersuchung wird von den Krankenkassen bezahlt. Insbesondere Männer über 65 Jahre und Frauen über 65 Jahre, die Risikofaktoren tragen, sollten zum Screening mittels Ultraschall gehen. Zu den Risikofaktoren gehört das Rauchen, aber auch das Auftreten der Erkrankung innerhalb der Familie. „Diese Empfehlung nach der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) ist wichtig, damit es möglichst nicht zu einer gefährlichen Notfallsituation kommt, sondern eine notwendige Therapie in aller Ruhe eingeleitet werden kann“, so der Mediziner.

Das Evangelische Krankenhaus Paul Gerhardt Stift bietet für alle neu erkannten Aortenaneurysmen eine Gefäßsprechstunde zur Beratung an (Terminvereinbarung über das Patientenzentrum; Telefon 03491-50-3060).

Kontakt

Evangelisches Krankenhaus Paul Gerhardt Stift

Paul-Gerhardt-Straße 42-45
06886 Lutherstadt Wittenberg

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