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Cyberknife Köln: Architektur unterstützt angstfreie Atmosphäre

05.10.2012 -

Die Uniklinik Köln hat ein „Cyberknife" zur strahlentherapeutischen Behandlung von Krebs-Patienten eingerichtet. Das gestalterische Umfeld trägt dazu bei, die Angst der Patienten zu lindern.

Er soll Patienten aus der Region ebenso wie aus dem Ausland einen Anlaufpunkt für modernste Tumor-Therapie bieten: Der neue robotergestützte Linearbeschleuniger „Cyberknife" an der Uniklinik Köln. Mit diesem Hightech-Instrument lassen sich alle Körperregionen für eine optimale Bestrahlung erreichen. Ein wesentlicher Vorteil dieses radiochirurgischen Geräts ist die Behandlungsmöglichkeit von Tumoren, die so tief im Körper sitzen, dass ihre Bestrahlung mit herkömmlichen Methoden innere Organe, das Gehirn oder umliegendes Gewebe stark schädigen würde. Dafür lässt sich das Cyberknife, so Prof. Dr. Rolf-Peter Müller, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie, „in sechs Freiheitsgraden bewegen". Der Roboter ist mit einem Bildortungssystem gekoppelt, mit dem das Cyberknife jeden Tumor während der gesamten Behandlung erfassen und kontrollieren kann.

Das Gerät bündelt hochenergetische Strahlen so, dass der Tumor zerstört, umliegendes Gewebe aber geschont wird, wie Prof. Müller erläutert. Zudem „atme" das Gerät mit: Das bedeutet, dass Bewegungen des Körpers während der - übrigens schmerzfreien und in der Regel ambulant durchgeführten - Therapie ausgeglichen werden. Im Vergleich zu den drei bis neun Wochen die für eine herkömmliche Bestrahlung erforderlich sind, verkürzt das Cyberknife die Behandlung auf ein bis fünf Tage.

Ein Neubau für Spitzenmedizin

Der für das Cyberknife erstellte Neubau bietet rund 1.200 m² Nutzfläche und ist mit seinen zwei Ober- und zwei Untergeschossen auf allen Ebenen direkt an die bestehende Strahlentherapie der Uniklinik Köln angeschlossen. Architektonisch ist die kubische Bauweise des Bestandes fortgesetzt, aber neu interpretiert worden. Mit den roten Erkern wird sowohl Aus- als auch Einblick auf die moderne Spitzenmedizin verkörpert. Die moderne Anmutung der Materialien für die Außenfassade - vor allem die Verwendung von Aluminium in Fassade und Fenstern - soll den Eindruck modernster Technologie unterstreichen.

Die Hauptfarbe Weiß des Innenraumkonzepts steht für Reinheit und Hygiene. Gleichzeitig werden farbliche Akzente gesetzt, um einen wohnlichen Charakter einzuführen: Grün als moderne Akzentfarbe sorgt in der Kombination mit Erdtönen für Gemütlichkeit. Die bewusst offen gelassenen weißen Flächen ermöglichen dem Nutzer eine Ausstattung mit Kunstobjekten, die er passend zu seinem Thema auswählen kann.

Das Konzept der räumlichen Helligkeit wird auch in den Tiefgeschossen fortgeführt. Im ersten Untergeschoss vermittelt ein großes Glasdach, im zweiten ein großzügiges Oberlichtband den Kontakt von Patienten und Mitarbeitern zur Außenwelt. Trotz aller baulichen Komplexität bleibt die Verbindung mit der Umgebung erhalten - man bekommt in mitten des technischen Umfeldes mit, ob es regnet oder schneit.

Weiche Formen

„Wir wollen durch eine helle und freundliche Atmosphäre den lebensbedrohlich Erkrankten die Angst vor einer umfangreichen medizinischen Untersuchung nehmen", sagt Michael Dannenberg, Leitender Architekt bei medfacilities: Die 100%ige Tochter der Kölner Uniklinik entwickelt, plant, baut und betreibt alle Immobilien und technischen Anlagen.

Die Formensprache der Innenarchitektur vermeidet deshalb bewusst scharfe Ecken und Kanten. Weiche und amorphe Formen im Aufnahme- und Wartebereich verhindern bereits im Vorfeld jede Assoziation mit medizinischen Gegenständen, die Angst erzeugen könnten. Im Funktionsraum mit dem Cyberknife-Gerät sorgt ein rundes Lichtdeckenelement für Atmosphäre. Die Lichtfarbe kann je nach Bedürfnis des Patienten gewählt werden - ebenfalls ein Aspekt, der ganz wesentlich für Beruhigung während der Untersuchung in einem technischen Umfeld sorgt. „Wir haben Wert darauf gelegt, durch unsere Dienstleistung aus einer Hand ein modernes, ganzheitliches Gestaltungskonzept zu realisieren. Zum einen durch die bauliche Umsetzung mit Farben und Formen, zum anderen durch die lose Möblierung", sagt Michael Dannenberg. Dies zeige sich zum Beispiel an der Leitstelle vor den Behandlungsräumen. „Wir wollten nicht einfach einen Fremdkörper in das Gebäude stellen, sondern alles in das umgebende Konzept natürlich einfügen." Es ist gelungen, eine freundliche, wohnliche Atmosphäre nach modernen Gestaltungsaspekten zu schaffen, die dennoch alle Anforderungen an Hygiene und effiziente Reinigung erfüllt.

Integrierte Onkologie

Nicht allein für die Uniklinik Köln ist die neue Einrichtung ein wichtiger Schritt. Das High-tech-Gerät ist, wie Prof. Dr. Edgar Schömig, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor betont, eingebunden in die Strukturen des 2004 gegründeten Centrums für Integrierte Onkologie Köln/Bonn. Hier arbeiten alle Kliniken und Institute zusammen, die an der Betreuung von Patienten mit der Diagnose Krebs beteiligt sind.

Die Investitionen für das Projekt betrugen rund 15 Mio. € - damit konnten das Gebäude der Strahlentechnik insgesamt modernisiert und das Cyberknife angeschafft werden. „Es ist als absoluter Glücksfall zu werten, dass wir über das von Bund und Land finanzierte Konjunkturpaket II diese äußerst wichtige Baumaßnahme realisieren konnten", so Dipl. Ing. Architekt Prof. Dr. Peter Heinen, Geschäftsführer von medfacilities.

 

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