Das grüne Krankenhaus aus Architektensicht

  • Für das Krankenhaus Lichtenfels wird eine DGNB-Zertifizierung in Gold angestrebt (Abb.: Schuster Pechtold Schmidt Architekten).Für das Krankenhaus Lichtenfels wird eine DGNB-Zertifizierung in Gold angestrebt (Abb.: Schuster Pechtold Schmidt Architekten).

Was heißt es, ein grünes Krankenhaus zu planen und zu betreiben? Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) ging der Frage nach, wo hier die größten Einsparpotentiale stecken.

Dafür untersuchte das Institut 20 Krankenhäuser mit einer Größe von 300 bis 600 Betten im Detail. In der 2009 veröffentlichen Studie zeigte sich, dass der Austausch alter ineffizienter Anlagen zu einer deutlichen Einsparung führt, ein optimierter Energieverbrauch jedoch nur durch eine nutzerangepasste, effiziente Betriebsweise erreicht wird.

Neben der medizinischen Behandlungsqualität muss der Fokus auf ¬einer ganzheitlichen ökologischen und ökonomischen Betrachtungsweise liegen. Erst die integrale Analyse und Planung der einzelnen Bausteine wie Gebäudelebenszyklus, Gebäude- und Betriebstechnik, Ressourcen- und Gesundheitsschutz, aber auch einem spezifischen Betriebskonzept ergeben ein stimmiges nachhaltiges Konzept. Hier entscheidet sich auch, ob eine Sanierung sich anbietet oder ob eher ein Neubau auf lange Sicht Kosten spart.

Energiebedarf senken, erneuerbare Energien nutzen

Bei der Planung oder Sanierung von Green Hospitals gilt es im ersten Schritt, den Energiebedarf zu minimieren. Schon mit der Standortwahl und der Ausrichtung des Gebäudes beginnt die Suche nach der energieoptimierten Lösung. Kompaktheit und Flexibilität der Gebäudestruktur in Kombination mit natürlicher Belichtung und Belüftung bilden die ersten Parameter der nachhaltigen Planung. Neben bestmöglicher Wärmedämmung sowie innovativer, energieeffizienter und belastungsarmer Gebäude- und Gerätetechnik sind für die weitere Planung vor allem intelligente Belichtungs- und Belüftungskonzepte, aber auch die Reduzierung umweltbedingter Stressfaktoren und die Vermeidung umweltschädlicher Baustoffe zu nennen.

Bei unserem derzeitigen Neubauprojekt, dem Krankenhaus Lichtenfels, konnte allein der prognostizierte Strombedarf für die Beleuchtung mithilfe von Tageslichtlenkungen, bedarfsgerechten Lichtsteuerungen und dem Einbau von LED-/Hybridleuchten um mehr als fünfzig Prozent reduziert werden. Außerdem tragen energieoptimierte Fassaden mit Dreifach-Isolierverglasung nach Passivhausstandard dazu bei, das Einsparpotential im energetischen Bereich auszuschöpfen.

Neben energiesparenden Planungsaspekten bildet auch die Nutzung von Umweltenergien am jeweiligen Standort einen Teil des nachhaltigen Konzepts, sodass im zweiten Schritt der Energiegewinn über erneuerbare Energien zu maximieren ist.

Den Hauptteil der benötigten Energie am Krankenhaus Lichtenfels wird ein mit Biogas und Holzhackschnitzeln betriebenes Blockheizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung erwirtschaften. Mit einem Wirkungsgrad von 80 bis 90% nutzen BHKWs die eingesetzten Energieträger nach dem heutigen Technikstand bestmöglich aus. Während bei konventionellen Anlagen zur Stromerzeugung 60% der Energie als Wärme ungenutzt an die Umwelt abgegeben werden, wird bei Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung die Abwärme zur Heizung, Kühlung oder Warmwasserbereitung genutzt.

Als Zusatzbausteine eines nachhaltigen, langfristig angelegten Energiesortiments gelten zudem Geo- und Solarthermieanlagen zur Wärmegewinnung sowie Fotovoltaikanlagen zur Stromerzeugung. In Lichtenfels sorgen in die Gebäudegründung integrierte Geothermieanlagen in Kombination mit thermoaktiven Decken und Böden für angenehme Temperaturen an kalten und warmen Tagen. Fassadenintegrierte Fotovoltaik-Elemente sowie herkömmliche PV-Anlagen auf dem Klinikdach erzeugen Strom, der ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird und zudem bei einer Pkw-Ladestation auf dem Klinikgelände für Mobilität sorgen kann. Insgesamt konnte der Primärenergiebedarf des grünen Neubaus auf ca. 200 KWh/a und damit um rund ein Drittel reduziert werden.

Grüne Zertifizierungssysteme

Zur Klassifizierung nachhaltigen Bauens haben sich in den letzten Jahren verschiedene Zertifizierungssysteme etabliert. Das amerikanische Leadership in Energy and Environmental Design (LEED) zählt zu den bekanntesten Systemen und orientiert sich an gültigen ökologischen Standards, von denen es Anforderungen und Kriterienkataloge ableitet. Im deutschen Raum bietet seit 2009 die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ein weiteres Gütesiegel an. Gemeinsam ist allen Zertifikaten der Blick auf ökologische, aber auch ökonomische Auswirkungen. Neben ökologischer Nachhaltigkeit werden auch soziale Aspekte, technische Ausstattungen und Prozessabläufe einer Klinik in die Bewertung einbezogen.

Im Gegensatz zu LEED, dessen Fokus in erster Linie auf dem energieeffizienten Gebäudebetrieb liegt, steht beim DGNB-Gütesiegel die Integrale Planung im Vordergrund. Der Vorteil liegt dar¬in, dass nicht nur die Nutzung eines Gebäudes betrachtet wird, sondern der gesamte Lebenszyklus: angefangen von der Planung, über Realisierung mit Baustellenlogistik bis hin zum Abriss oder Rückbau. Für ein Krankenhaus liefert eine grüne Zertifizierung neben dem reinen Imagegewinn im besten Fall eine Verlängerung seiner Gebäudelebensdauer. Zudem implementiert sie leistungsfähige Werkzeuge, um die Planungs- und Realisierungsprozesse unter dem für viele Planungsbeteiligte neuen Blickwinkel zu strukturieren, und gewährleistet einen wirtschaftlichen sowie nachhaltigen Betrieb.

Krankenhäuser der Zukunft

Nachhaltige Gesundheitsbauten zeichnen sich durch ihre bedarfsgerechte, zukunftsorientierte und generationenübergreifende Planung aus. Flexible Strukturen ermöglichen eine effizientes nachfrageorientiertes Flächenmanagement, das Arbeits- und Prozessabläufe durch kurze Wege, optimale Orientierung und Barrierefreiheit verbessert. Mitarbeiter profitieren von einem angenehmeren Arbeitsklima, Patienten von einem individualisierten Genesungsumfeld, und schlussendlich sichern Kliniken ihr wirtschaftliches Überleben.

 

 

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