Herausragende Gesundheitsbauten 2013

  • Roter Lichthof. Universitätsklinikum Ulm – Chirurgie, DermatologieRoter Lichthof. Universitätsklinikum Ulm – Chirurgie, Dermatologie
  • Roter Lichthof. Universitätsklinikum Ulm – Chirurgie, Dermatologie
  • Tageslicht sowie beruhigende Grün- und Gelbtöne verleihen den Wartebereichen eine wohltuende Atmosphäre. Partikel-Therapie-Zentrum Marburg.
  • Gebäudeübersicht von Südosten. Das Kinder- und Herzzentrum der Universität Innsbruck als neuer Stadtbaustein auch durch Integration vorhandener Gebäude.

Erstmals haben die Architekten für Krankenhausbau und Gesundheitswesen im Bund Deutscher Architekten - AKG eine „Auszeichnung herausragender Gesundheitsbauten 2013" ausgelobt. Teilnahmeberechtigt waren alle in Kammern oder gleichartigen Institutionen zugelassenen Architekten mit ihren Bauherren im deutschsprachigen Raum.

Es durften sowohl komplette Bauten des Gesundheitswesens als auch einzelne Bauabschnitte eines Projektes eingereicht werden, die jeweils nicht älter als fünf Jahre sein durften.

Unter dem Vorsitz von Prof. Dipl.-Ing. Eckhard Gerber, Architekt BDA, Dortmund gehörten der Jury weiterhin Dipl.-Ing. Heiner Farwick, Architekt und Vizepräsident BDA, Ahaus, Prof. Dr.-Ing. Falk Jaeger, Architekturkritiker, Berlin und Prof. Dipl.-Ing. Jörn Walter, Oberbaudirektor, Hamburg an. Aufgrund der hohen Qualität der insgesamt 34 eingereichten Arbeiten hat die Jury fünf Projekte mit Auszeichnungen bzw. Anerkennungen gewürdigt. Einstimmig haben die Jury-Mitglieder folgende Wertungen vorgenommen:

Drei Auszeichnungen für herausragende Gesundheitsbauten 2013

  • Universitätsklinikum Ulm - Chirurgie I Dermatologie
  • Architekt: KSP Jürgen Engel Architekten GmbH, München
  • Bauherr: Universitätsklinikum Ulm

Die typische Problematik eines großen Klinikbaus, bei dem umfangreiche Funktionsbereiche mit einen Patiententrakt verbunden werden müssen (üblicherweise „Breitfuß" und „Bettenturm"), wurde bei diesem Projekt auf überzeugende Weise neu interpretiert. Die Operations- und Behandlungsräume sowie die Betriebsräume treten eingebettet ins Gelände wenig in Erscheinung. Erst über der Eingangsebene erhebt sich der Bettentrakt als lange Querspange und gewinnt dadurch zusätzlich an Eleganz und Leichtigkeit, dass seine beiden unteren Geschosse mit gläsernen Fassaden zurücktreten und der eigentlich dreigeschossige Bettentrakt zu schweben scheint. Die Hubschrauberplattform und der „Tower" auf dem Dach sind zur architektonischen Akzentuierung des Baukörpers eingesetzt.

Die innere Erschließung des Komplexes ist von großer Klarheit und Übersichtlichkeit, die Betriebsabläufe von logischen und kurzen Wegen bestimmt.

Die Orientierung für Benutzer und Besucher wird durch ein Farbkonzept unterstützt. Die Gestaltung der Innenräume ist von zurückhaltender Sachlichkeit und hoher Detailqualität.

Das Projekt beweist, dass ein Großklinikum kein architektonisches Schreckbild sein muss.

  • Partikel-Therapie-Zentrum Marburg
  • Architekt: hammeskrause architekten bda, Stuttgart
  • Bauherr: Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH

Aufgabe war, die Patienten des Partikeltherapiezentrums, die sich in einer extremen Stresssituation befinden, durch den Naturbezug der Lage und ein besonders angenehmes räumliches Ambiente psychisch zu entlasten. Die Baukörpergliederung mit ihrer funktionsbedingten Höhenstaffelung bringt eine harmonische Einbindung in die Landschaft mit sich. Mit einfachen Mitteln ist ein repräsentatives, aber durchaus angemessenes Erscheinungsbild mit einem freundlichen Eingang gestaltet worden. Angemessenheit und eine fast entspannt zu nennende Atmosphäre bestimmen das Foyer.

Die durchgängige Designqualität und das Farbkonzept mit einer kalkulierten Lichtregie sind bis in die Behandlungsräume weitergeführt, die auf diese architekturpsychologisch kontrollierte Weise ein wenig von ihrer beunruhigenden Maschinenästhetik verlieren. Dem Anliegen, die Bedrängnis der Patienten durch die bedrohlich wirkende Apparatemedizin zu lindern, wird mit architektonischen Mitteln so weit als irgend möglich entsprochen.

  • Zentrum für Psychiatrie Friedrichshafen
  • Architekt: huber staudt architekten bda, Berlin
  • Bauherr: Südwürttembergische Zentren für Psychiatrie, Ravensburg

Das psychiatrische Zentrum wurde in sorgfältig abgewogenen Proportionen einem sechsgeschossigen Klinikbau vorgelagert, indem es sich als Hanghaus zum Seeufer hin abtreppt. Die Innenhöfe der beiden psychiatrischen Stationen schließen sich trotz Separierung optisch zusammen und verbinden sich unter der Brücke hindurch mit dem Landschaftsraum. Der Gartenhof mit seinen verschiedenen Zonen ist als wichtiges therapeutisches Element in das architektonische Konzept eingebunden.

Sichtbeton und unbehandeltes Holz als Materialpaar sind das vorherrschende gestalterische Thema. Im Inneren entwickeln sich trotz eines stringenten Grundrisses inter­essante Raumfolgen. Die Sorgfalt in der Materialwahl und im Entwurf der Räume und der Details weckt beim Besucher Assoziationen an ein Theaterfoyer. Den Patienten mit psychischen Leiden wird durch die Architektur spürbare Zuwendung zuteil.

Zwei Anerkennungen für herausragende Gesundheitsbauten 2013

  • Kinder- und Herzzentrum der Universität Innsbruck
  • Architekt: Nickl + Partner Architekten AG, München, Berlin
  • Bauherr: TILAK Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH, Innsbruck

Als Gegenentwurf zur Klinik auf der grünen Wiese zeigt das Projekt, wie man das Bauvolumen eines größeren Krankenhauses in einen innerstädtischen Zusammenhang integrieren kann. Es galt, einen schwierigen und komplexen Bestand durch Aufstockung und Erweiterung weiterzubauen, und dies mit städtischer Architektur, die sich gestalterisch und funktional in das urbane Verkehrs- und Nutzungsgeflecht einfügt.

Mit neuen Erschließungsformen, Glasgängen und einer „Magistrale" werden Bestands- und Neubauten miteinander verknüpft. Mit seiner farbenfrohen Innengestaltung und den Spielbereichen im Haus und auf dem Dachgarten wendet sich das Kinder- und Herzzentrum gezielt den kleinen Patienten zu. Tageslicht in allen Räumen und eine hohe Aufenthaltsqualität kommen dabei genauso erwachsenen Nutzern zugute.

  • KU 65
  • Architekt: GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
  • Bauherr: Dr. dent. Stephan Ziegler, Berlin

Zahnarztpraxen müssen nicht nüchtern-steril oder sachlich-elegant sein. In der Praxis KU 65 wird mit diesem exponierten Beispiel ein anderer Weg beschritten. In Ergänzung der bereits vor einigen Jahren entstandenen Praxisräume, in denen das Thema Strandurlaub in ein formen- und farbenfrohes Ambiente umgesetzt wurde, entstand nun die Kinderpraxis ebenfalls als Dünenlandschaft mit bewegter Topografie und vielen Erlebnismöglichkeiten.

Auf diese Weise soll den Kindern die häufig tief verwurzelte Angst vor dem Zahnarzt genommen oder zumindest gemildert werden. Das ungewöhnliche und überraschende Assoziations- und Aktionsfeld vermittelt Ferien- und Abenteuergefühle und somit optimale Ablenkung vom eigentlichen, meist unangenehmen Zweck des Besuchs. Die Anerkennung gilt neben den Architekten dem Bauherrn für die engagierte Realisierung eines neuartigen und ambitionierten Praxiskonzepts.

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