Verlangsamte Zeit - Die gerontopsychiatrische Facheinrichtung Dänischer Wohld in Osdorf bei Kiel

  • Das Haus Dänischer Wohld ist eine der größten gerontopsychiatrischen Facheinrichtungen in Schleswig-Holstein. Foto: Walter Schießwohl Das Haus Dänischer Wohld ist eine der größten gerontopsychiatrischen Facheinrichtungen in Schleswig-Holstein. Foto: Walter Schießwohl
  • Das Haus Dänischer Wohld ist eine der größten gerontopsychiatrischen Facheinrichtungen in Schleswig-Holstein. Foto: Walter Schießwohl
  • Alle Bewohnerzimmer im Rundbau befinden sich an der Außenseite und ermöglichen freie Ausblicke in die ländliche Umgebung. Foto: Walter Schießwohl
  • Die Ausstattung der Bäder ist funktional und wird den Ansprüchen der Bewohnern gerecht. Auch hier wurde bei der Planung Wert darauf gelegt, dass kein steriles Erscheinungsbild entsteht. Foto: Walter Schießwohl
  • Der Rundbau hat einem umlaufenden inneren Flur und einen geschützten Innenhof. Sackgassen werden vermieden und tragen dem Bewegungsbedürfnis mancher Bewohner Rechnung. Foto: Walter Schießwohl

Das Haus Dänischer Wohld in Osdorf bei Kiel ist eine der größten gerontopsychiatrischen Facheinrichtungen in Schleswig-Holstein mit einem Schwerpunkt auf der vollstationären Betreuung von demenzkranken Menschen. 2019 wurde das Haus der seit 1994 bestehenden Einrichtung ­modernisiert und um einen Anbau erweitert. Das Konzept stammt von Reichardt + Partner ­Architekten aus Hamburg.

Im zweigeschossigen Erweiterungsbau des Hauses Dänischer Wohld mit seinen 49 Betten befindet sich jetzt im Erdgeschoss eine Palliativstation mit 17 Plätzen in Einbettzimmern. Dazu kommen ein Mehrpersonenpflegeraum („Pflegeoase“) mit acht Betten sowie im Obergeschoss weitere 24 Einzelzimmer, jeweils mit Bad.

In der Palliativstation wohnen Menschen mit lebensbegren-zenden Erkrankungen. Diese Menschen leiden oft unter einer komplexen Symptomlast aus physischen, psychischen, sozialen und spirituellen Problemen, die einer besonderen Betreuung und häufig auch Kriseninterventionen bedürfen. In der Pflegeoase wohnen bis zu acht Bewohner im Endstadium ihrer Erkrankung. In diesem Raum gibt es „Nester“ für die Bewohner, aber keine Türen. So ist eine Teilhabe am Leben auch möglich, wenn ein Bewohner bettlägerig ist. Isolation und Vereinsamung soll damit entgegengewirkt werden.

Geschützte Atmosphäre
In der Pflegeoase ist eine sehr behütende und beschützende Atmosphäre ist deutlich spürbar. Die Räume strahlen eine wohltuende Verlangsamung der Zeit aus. Reichardt + Partner Architekten konzipierten dafür einen Rundbau mit einem umlaufenden inneren Flur und einem geschützten Innenhof. So werden Flure mit Sackgassen vermieden und dem Bewegungsbedürfnis mancher Bewohner Rechnung getragen.

Alle Bewohnerzimmer im Rundbau befinden sich an der Außenseite und ermöglichen freie Ausblicke in die ländliche Umgebung. Aufenthaltsbereiche, Personalräume und Küchen befinden sich hingegen  im Innenbereich und orientieren sich zum grünen Innenhof im Erdgeschoss und zu den barrierefreien Balkonen im Obergeschoss, die von Bewohnern und Personal gleichermaßen genutzt werden.

Auch wenn das Essen für alle Bewohner vor Ort in einer Zentralküche zubereitet wird, gibt es in diesem Haus bewusst keinen gemeinsamen großen Speisesaal.

Die Bewohner nehmen ihre Mahlzeiten stattdessen in den dezentral im Gebäude verteilten Aufenthaltsbereichen ein, die jeweils mit einer zusätzlichen kleinen Küche ausgestattet sind. Der Personalaufwand ist höher als bei zentraler Versorgung, aber so entsteht keine anonyme Atmosphäre, sondern die Bewohner leben in familiären Kleingruppen.

Wohnlichkeit, Individualität, Farbkonzept
Insgesamt wurde bei der Materialauswahl Wert darauf gelegt, ein wohnliches Ambiente zu schaffen. Dabei haben die Architekten grundsätzlich zwischen drei verschiedenen Bereichen unterschieden: die persönlichen Bereiche in Form der Bewohnerzimmer mit dem angeschlossenen Bad, die gemeinschaftlich genutzten Bereiche, z. B. Aufenthalts- und Speiseräume – und die Räumlichkeiten, in denen die Bewohner keinen Zutritt haben sollen (Personalräume, Lager, etc).

Die Bewohnerzimmer sind individuell und voneinander deutlich unterscheidbar gestaltet. Um die Auffindbarkeit der Räume zu erleichtern, haben die Architekten ein kontrastreiches Farbkonzept entwickelt. Jeder Bewohnerraum hat im Zugangsbereich eine andere Farbe und erleichtert so den Bewohnern die Orientierung. Die Akzentfarbe des Zugangs wird innerhalb der Zimmer fortgesetzt und spiegelt sich in der Vorhangfarbe wider.

So hat jedes der Zimmer seine eigene Charakteristik und der Bewohner von Beginn an einen individuellen Wohnraum, der die Möglichkeit bietet, mit eigenen persönlichen Gegenständen ein Zuhause zu gestalten. Die Zimmer sind mit einem hellen Bodenbelag in Holzoptik ausgestattet, der sich vom umlaufenden Flur in die Zimmer zieht, sodass es optisch zu keiner Unterbrechung kommt.

Hochwertige ­Ausstattung
Die Ausstattung der Bäder ist funktional und wird den Ansprüchen der Bewohnern gerecht. Auch hier wurde bei der Planung Wert darauf gelegt, dass kein steriles Erscheinungsbild entsteht. Die großformatigen Bodenfliesen sind in einem Graubeige-Ton gehalten und die Wandfliesen im gleichen Format sind eine Nuance heller gewählt. Durch die Wandfliesen werden die hygienischen Anforderungen optimal erfüllt. Durch das Format 30 x 60 cm in Kombination mit einer passenden Fugenfarbe erhalten die gefliesten Wände ein hochwertiges Erscheinungsbild.

Die Aufenthaltsbereiche zeichnen sich durch ihre offene Struktur und einseitig abgerundete Form aus, die den Bewohner dazu einladen, dort Zeit zu verbringen. Flurseitig grenzt eine halbhohe Wand den Aufenthaltsbereich von der Verkehrsfläche ab und die bodentiefen Fenster geben den Blick nach draußen in den Innenhof frei. Der Bodenbelag ist hier der gleiche wie in den Flurbereichen und den Patientenzimmern. Er verbindet die verschiedenen Bereiche, die dem Bewohner zur Nutzung zur Verfügung stehen.

Bereiche, die dem Personal vorbehalten sind, unterscheiden sich deutlich von den Bewohner-zimmern und Aufenthaltsbereichen. Die Wand- und Möbeloberflächen sind wie auch im restlichen Haus gestaltet, jedoch wechselt der Bodenbelag auf einen grünen Akzentton. Somit wird eine optische Barriere geschaffen, die die Bewohner davon abhalten soll, diese Bereiche zu betreten. Durch die Anpassung der Bodenbelagsfarbe wurde eine deutliche Unterscheidung dieses Bereichs erreicht.

Mobiliar und akustische Aktivierung
Die Türen, loses Mobiliar und weitere Ausbaumaterialien sind in einem dunklen Holz-Ton gehalten, was den wohnlichen Charakter unterstreicht. Die wiederkehrenden, gleichen Gestaltungsansätze geben dem Haus ein einheitliches Bild.

Vereinzelt wurden Deckenbereiche in den Fluren und der Leitstelle akustisch aktiviert, sodass in eher unruhigen Bereichen dennoch eine gute Raumakustik herrscht. In nahezu allen Bereichen gibt es runde Aufbauleuchten die auch einen indirekten Anteil haben und somit für angenehmes Licht sorgen und die Decke optisch anheben. In den Bewohnerzimmern und den Aufenthaltsbereichen sorgen bodentiefe Fenster für großzügigen Lichteinfall und bieten den Bewohnern so den Blick nach draußen.

Kontaktieren

reichardt+partner architekten
Elbchaussee 93
22763 Hamburg
Telefon: +49 40/3910040
Telefax: +49 40/39100444

Jetzt registrieren!

Die neusten Informationen direkt per Newsletter.

To prevent automated spam submissions leave this field empty.