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9. Hannoversche Notfallsymposium

02.07.2012 -

9. Hannoversche Notfallsymposium. Von der politischen Positionierung des Rettungsdienstes bis zur medizinischen Behandlung von Notfällen bei Kindern reichte das breite, an Schwerpunkten orientierte Angebot des 9. Hannoverschen Notfallsymposiums. Es gab jede Menge zu diskutieren, denn die über 300 Teilnehmer kamen aus vielen Teilen Europas u.a. aus Russland, der Türkei und Ungarn.

Neben der Novellierung des Niedersächsischen Rettungsdienstgesetzes und seinen Folgen ging es um künftige Perspektiven für Einsatzkräfte, die durch hohen Kostendruck und geänderte Anforderungen gekennzeichnet sind. Ein weiterer Themenblock widmete sich den Notfällen im Kindes- und Jugendalter. Im Folgenden wird ein weiterer Themenkomplex hervorgehoben: Er setzte sich mit neuen Konzepten für den Massenanfall von Verletzten (ManvV) auseinander. Zunächst ging das Plenum der Frage nach, ob es nötig sei, neue Konzepte für den Massenanfall von Verletzten (ManvV) zu entwickeln; besonders wurde dabei die höchste Stufe eines Großschadenfalles berücksichtigt, bei dem mehr als 200 schwerstverletzte Personen medizinischer Behandlung bedürfen.

Einen Praxisbericht steuerte hierzu Dr. Lazlo Gorove bei; Er beschrieb die rettungsdienstliche Bewältigung der Unwetterkatastrophe in Budapest vom 20. August 2006: Dort brach am Nationalfeiertag, den ein Feuerwerk am Ufer der Donau beenden sollte, ein starker unerwarteter Sturm aus, der zu acht Massenunfällen und Panik führte. Unter erschwerten Bedingungen wurden 45 Rettungsfahrzeuge eingesetzt sowie 107 Verletzte versorgt und in Krankenhäuser transportiert. Anhand dieses Berichts wurde die Situation des Rettungsdienstes in einem solchen Fall analysiert und hinterfragt. Ferner schilderte Dr. Frank H. Riebandt, Ärztlicher Leiter im Rettungsdienst im Rhein-Sieg-Kreis, Problematiken und daraus erwachsende Forderungen an die Bewältigung eines Massenanfalls von Verletzten am Beispiel Nordrhein-Westfalen: Eine möglichst umgehende Versorgung der Schwerstverletzten, welche deren Überlebensrate signifikant erhöhe, gehöre zum obersten Ziel.

Die Forderung „Treat and run“, so Riebandt, habe sich hier als vorteilhaft gegenüber der Priorität der Herstellung einer grundsätzlichen Ordnung zwecks übersichtlicher Behandlung erwiesen. Diese Maßnahme sieht vor, die notwendige Sicherstellung der Transportfähigkeit vor Ort sicher zu stellen und den Patienten anschließend sofort der klinischen Versorgung zuzuführen. Grundsätzlich dieselbe Auffassung vertrat Prof. Dr. Hans-Anton Adams, Leiter der Stabsstelle im Bereich Interdisziplinäre Notfall- und Katastrophenmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover. Sein Konzept der Erstversorgungsklinik (EVK) bezieht sich speziell auf die höchste Stufe des ManvV. Sie wurde eigens für einen eventuellen Großschadensfall auf der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Hannover entwickelt.

Hierbei konzentrieren sich die Aktivitäten der Rettungsdienste auf die Behandlung der schwerstgeschädigten Patienten, die in leistungsfähigen Erstversorgungskliniken prioritär versorgt werden sollen. In Fachkreisen sorgte dieses Konzept für kontroverse Diskussion, da der Schwerpunkt der Behandlung von der präklinischen Versorgung auf die Kliniken und die dort eingesetzten Notärzte verlagert wird; sie werden durch einen Sonder-Behandlungsplatz der Schnelleinsatzgruppe des Rettungsdienstes verstärkt. Vorteile dieses Konzepts liegen nach Adams in der optimierten Versorgung der schwerstgeschädigten Patienten sowie in der flexiblen und ökonomischen Nutzung klinisch vorhandener Ressourcen.

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