Gesundheitsökonomie

27. Deutscher Krebskongress fordert Schulterschluss bei Krebsbekämpfung

27.02.2013 -

27. Deutscher Krebskongress fordert Schulterschluss bei Krebsbekämpfung. Erst vor wenigen Wochen hat das Robert Koch-Institut eine aktuelle Schätzung zu Krebs-Neuerkrankungen und -sterbefällen publiziert.
Demnach erkranken jedes Jahr 425.000 Menschen neu an Krebs, etwa 210.000 sterben daran. Vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Bevölkerung wird die Zahl der Krebserkrankungen weiter zunehmen.
Schon jetzt werden Krebspatienten in Deutschland nicht immer optimal und mitunter zu teuer behandelt. Die Situation in der onkologischen Versorgung wird sich in den kommenden Jahren zudem deutlich zuspitzen.
Unsere Gesellschaft ist überhaupt nicht adäquat auf die Herausforderungen der nächsten Jahre vorbereitet. Wir müssen jetzt reagieren, die Weichen für die Zukunft stellen und neue Strukturen schaffen, die es erlauben, Krebs überall in Deutschland optimal und effizient zu behandeln.

Der 27. Deutsche Krebskongress in Berlin hatte deshalb auch zum Schulterschluss bei der Krebsbekämpfung aufgefordert und viel Raum für die Diskussion zur Verbesserung der Strukturen der Krebsversorgung eingeräumt.
Die fünf Kongresstage haben gezeigt, wie hoch der Gesprächsbedarf bei allen Beteiligten gerade zu Strukturfragen ist, und wie groß die Herausforderungen sind, die mit der Zunahme an Krebserkrankungen in Deutschland verbunden ist.
Aber das Motto des Kongresspräsidenten, Prof. Werner Hohenberger, hat überzeugt: Denn alle an der Versorgung von Krebspatienten beteiligten Parteien, wie Forscher und Ärzte, Kostenträger und Bundesregierung, üben den Schulterschluss und signalisieren Gesprächsbereitschaft.
Die Deutsche Krebsgesellschaft lädt deshalb im Herbst zu einer gemeinsamen nationalen Krebskonferenz, um den begonnenen Dialog fortzusetzen und zu handfesten Ergebnissen für die uns anvertrauten Patientinnen und Patienten zu gelangen.
Die Diagnose- und Behandlungsmethoden in der Krebsmedizin sind im Umbruch. Viel versprechende Fortschritte in der Molekularbiologie und Medizintechnik lassen auf eine weitere Steigerung der Heilungschancen für Erkrankte hoffen.
So ist durch die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) eine millimetergenaue Anpassung des Bestrahlungsfeldes an die Kontur des Tumors und eine modulierte Strahlenintensität innerhalb des Bestrahlungsfeldes möglich. Das führt zu einer besseren Schonung von Normalgewebe und Risikoorganen.
Gleichzeitig können dem Tumorgewebe höhere Dosen verabreicht werden, ohne dass das Normalgewebe Schaden nimmt.
Eine Revolution der Onkologie in Diagnostik und Therapie stellen molekular zielgerichtete Therapien, sog. targeted Therapien, dar.
So gibt es Erfolge bei Antikörperbehandlungen mit Rituximab bei Lymphomen, mit Cetuximab und Bevacizumab bei Darmtumoren und mit Trastuzumab bei Brustkrebs zu verzeichnen.
 Gleiches gilt für Signalübertragungshemmer, sog. small molecules – wie Imatinib (CML, GIST), welches bereits in der zweiten Generation in Testung ist, oder wie Erlotinib (Bronchial CA), Sunitinib und Sarafinib (Niere). Auch andere Prinzipien wie Proteasoninhibitor, Vakzinierung und Immuntherapie werden zukünftig ebenfalls weitere Heilungschancen eröffnen.
Insgesamt gibt es immer stärker ausdifferenzierte Therapiemöglichkeiten, die ein hohes Fachwissen des Therapeuten voraussetzen. Somit sind komplexe medikamentöse Therapien nur durch den Fachmann zu applizieren.
Leitlinien auf der einen Seite und die Individualisierung auf der anderen Seite sind die Herausforderungen, vor die sich die moderne Tumorbehandlung gestellt sieht.
Die Deutsche Krebsgesellschaft hat schon zu Beginn des fünftägigen Kongresses einen Forderungskatalog zur optimalen Krebsversorgung in Deutschland vorgelegt. Dieser soll in der Umsetzung eine flächendeckende qualitätsgesicherte Versorgung, Innovationen und die Finanzierung in der modernen Krebsmedizin sicherstellen.
Im Mittelpunkt des Forderungskatalogs stehen „Organzentren“, die alle beteiligten Fachdisziplinen zu einer engen Kooperation verpflichten. Die Erfahrungen mit den zertifizierten Brustzentren haben gezeigt, dass so den Betroffenen eine qualitätsgesicherte Therapie zugute kommt.
Im Rahmen des Krebskongress wurde in Bochum das erste Darmzentrum durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert.
Weiteren Darmzentren sollen zukünftig auch Prostatakrebs- und Lungenkrebszentren mit Gütesiegel folgen. Diese Organzentren bilden die Säulen für die Etablierung zukünftiger onkologische Zentren, die als regionale Anlaufstellen für die Betroffenen dienen sollen.

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Bamberg
Universität Tübingen
Interdisziplinäres Tumorzentrum
D-Tübingen
Tel.: 07071/29-6471
Fax: 07071/29-5789
www.uni-tuebingen.de

 

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