Identifikationsstandards: „Benefit für das gesamte Gesundheitssystem“

Einheitliche Identifikationsstandards bei Medizinprodukten werden von Einkaufsgemeinschaften gefordert - für sinkende Kosten und mehr Qualität in der deutschen Kliniklandschaft.

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor enormen Herausforderungen: Kliniken sind nicht zuletzt durch die Abrechnung via DRG einem immer größeren Kostendruck ausgesetzt. Nur durch konsequent wirtschaftliches Handeln und ein Plus an Qualität können sie im Wettbewerb bestehen. Tragfähige Lösungen sind gefragt. Hier setzen führende Einkaufsgemeinschaften an: Sie sitzen an der Schnittstelle zwischen Industrie und Anwendern, kennen beide Seiten der Medaille.

Von dieser Position aus fordern sie eine durchgängige Prozessoptimierung entlang der Beschaffungskette von Medizinprodukten - von der Produktion bis zum Einsatz im OP. Denn die einheitliche Standardisierung und Integration aller Informationen in ein umfassendes eProcurement, ein elektronisch vernetztes Beschaffungswesen, bietet finanzielle Entlastungen bei zunehmender medizinischer Qualität.

„Es ist ein konsequentes Umdenken gefragt - von allen Beteiligten entlang der Supply Chain in der Krankenhauslandschaft", weiß Claudia März, Expertin für Informationsmanagement in Kliniken bei der Einkaufsgemeinschaft EKK. „Dabei bieten Standards von GS1 Germany durchaus schon alle technischen Voraussetzungen, um den gesamten Beschaffungsprozess erheblich effizienter zu gestalten - nur werden sie noch viel zu selten angewandt." Was z.B. in der Konsumgüterwirtschaft eine Selbstverständlichkeit ist, hat sich im Gesundheitssystem bisher noch nicht flächendeckend durchgesetzt: die Kennzeichnung aller Produkte mit einem Identifikationscode. Dabei ist modernste Technik im Krankenhaus weit verbreitet: „Für Diagnose und medizinische Behandlung kommen in unseren Häusern die neuesten und innovativsten Gerätschaften zum Einsatz", sagt Dr. Oliver Gründel, Geschäftsführer der Einkaufsgemeinschaft AGKAMED. „Nur die administrativen Abläufe hängen da noch hinterher. Das muss sich ändern, bevor wir den Anschluss vollkommen verpassen!"

Mehr Drive ins Gesundheitssystem

Durch die einheitliche Kennzeichnung von Medizinprodukten mit global anerkannten Standards wird die Dokumentation der einzelnen Schritte entlang der Bedarfskette automatisiert und somit deutlich vereinfacht.

„Bisher laufen die einzelnen Dokumentationsschritte noch viel zu oft manuell ab", erklärt März. „Das ist mit erheblichem Zeitaufwand für das medizinische Fachpersonal verbunden - und dabei haben Ärzte und Schwestern wirklich etwas anderes zutun!" Wo sie handschriftlich einzelne Arbeitsschritte nachvollziehen müssen, entstehen zugleich schnell Übertragungsfehler.

Zwar sind Produkte zum Teil schon mit Identifikationscodes versehen - doch sind es dann direkt fünf oder sechs Kennzeichnungen an einem Artikel für die unterschiedlichsten Systeme. „Keine OP-Schwester hat z.B. die Zeit, einen Artikel fünf oder sechs Mal einzuscannen, um dann doch festzustellen, dass das Ganze nicht mit dem internen System kompatibel ist", berichtet März. „Spätestens beim dritten Fehlversuch wirft sie mir das Ganze doch vor die Füße - verständlicherweise."

Um dem entgegenzutreten, verlangt sie einen einheitlichen Standard auf allen Medizinprodukten: „Wir als Einkaufsgemeinschaften fordern die Hersteller eindringlich dazu auf, sich nach diesen Maßgaben zu richten - z.B. indem wir Auswahlkriterien in Ausschreibungen auch hinsichtlich der Kennzeichnung benennen. Aber natürlich setzten wir zuerst auf die Einsicht der Produzenten. Schließlich sind wir alle als Akteure im Healthcare-Markt gefragt."

Mit dieser Meinung ist sie nicht allein: Auch für Thomas Klein, Leiter Konzerneinkauf des Universitätsklinikums Düsseldorf und Vertreter der EK-Unico, führt kein Weg daran vorbei, sich in der gesamten Krankenhauslandschaft auf einen durchgängigen Standard zu einigen. „Alle Marktteilnehmer, von den Herstellern bis zu den Krankenhäusern, müssen sich gemeinsam auf den Weg machen. Die international anerkannten und bewährten Standards von GS1 bieten dazu das richtige Instrumentarium." Konkrete Schritte seien gefragt, erklärt Klein: „Die Henne-Ei-Diskussion, wer den ersten Schritt machen muss, ist obsolet - so erreichen wir kein Ziel. Man muss nicht nur drüber reden, sondern etwas unternehmen. Es muss Drive in den ganzen Prozess kommen."

Im Gesundheitssektor solle die Technologie, die in der Konsumgüterwirtschaft selbstverständlich ist, endlich in ihrer ganzen Tragweite ankommen. „Wir müssen uns heute entscheiden, wohin wir wollen. Lassen wir alles, wie es ist und verschenken enormes Potential - oder machen wir uns mit einer Umstellung auf ein umfassendes eProcurement mit einheitlichen GS1-Standards fit für die Zukunft?", so Klein. Von der Automatisierung administrativer Abläufe profitieren Verwaltung, Einkauf und Buchhaltung: Die patientengenaue Abrechnung wird beispielsweise erheblich schneller und leichter möglich, Lagerbestände und Bedarf können stets elektronisch überprüft, Bestellung und Rechnungslegung automatisiert und vereinfacht werden.

Einsicht, Information und Umsetzung

Doch auch das medizinische Fachpersonal erfährt eine Entlastung: Wenn die umständliche händische Dokumentation entfällt und mit einem Scan des Lieferanten-Barcodes das Produkt eindeutig identifiziert und dokumentiert wird, bleibt mehr Zeit für die Versorgung der Patienten. Thomas Klein: „Ärzte, Schwestern und Pfleger können sich so wieder ganz unmittelbar auf das Wohl der Patienten konzentrieren. Damit und mit der wachsenden Patientensicherheit durch das lückenlose Tracking-and-Tracing-System steigt natürlich auch die medizinische Qualität in den Kliniken - ein Benefit für das gesamte Gesundheitssystem."

Doch bis dahin ist es ein gutes Stück Arbeit, wie Markus Wild, Geschäftsführer der Einkaufsgemeinschaft Prospitalia weiß: „Wir müssen wirklich alle Beteiligten in dieser Prozessoptimierung mitnehmen. Langfristig helfen 50 %-Lösungen nicht, wenn man das gesamte Potential entlang der ganzen Beschaffungskette nutzen will." Er setzt auf die Einsicht aller Involvierten. „Denn jenseits aller Konkurrenzgefüge haben alle Akteure am Gesundheitsmarkt mit dem gleichen Problem zu kämpfen - mit dem wachsenden Kostendruck", sagt Wild. „Angesichts dieser gemeinsamen Herausforderung kann es nur eine gemeinsame Lösung geben."

Die Einführung modernster Informationstechnologien gehört ebenso zur Umgestaltung der Supply Chain von Medizinprodukten wie die ausführliche Schulung des Fachpersonals - ganz gleich ob im OP oder im Lager. „Wir müssen alle Beteiligten entlang der Supply Chain von Medizinprodukten für dieses Projekt sensibilisieren, damit sie die unbedingte Notwendigkeit dieser Prozessumstellung auf einen einheitlichen GS1-Standard erkennen", erklärt Dr. Oliver Gründel von der AGKAMED. „Nur so machen wir unser Gesundheitssystem zukunftsfähig."

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