Leitungswasser - Gefährdungspotentiale und Lösungen

  • Das Trinkwassersystem muss an repräsentativen Stellen regelmäßig beprobt werden, damit Risikopatienten geschützt werden und Keimzahlen gering bleiben.Das Trinkwassersystem muss an repräsentativen Stellen regelmäßig beprobt werden, damit Risikopatienten geschützt werden und Keimzahlen gering bleiben.

Leitungswasser hat in Deutschland unzweifelhaft eine Spitzenqualität. Aus Sicht eines Mikrobiologen stellt sich aber eine Wasserleitung nebst dem darin fließenden Wasser durchaus als artenreiches Biotop dar.

Verschiedenste Bakterien und Pilze tummeln sich in der Leitung. Vor allem die Bakterien bilden mit der Zeit eine schleimige Auskleidung der Leitungswände, den sog. Biofilm. Dieser schützt die verschiedenen Bakterienarten, die in ihm siedeln, vor Umwelteinflüssen, natürlich auch vor desinfizierenden Einflüssen wie Chlor. Denn Chlor wird organisch gebunden und steht dann für die Desinfektion nicht mehr zur Verfügung.

Auch relativ große Einzeller - deren Aufbau unseren Zellen sehr viel mehr entspricht wie dem von Bakterien - finden sich in geraumer Zahl und Vielfalt im Leitungswasser. Einige Bakterien haben die Vorteile dieser Einzeller erkannt und nutzen sie als sicheres Taxi durch das deutsche Wassersystem. Denn vor allem die Amöben, von denen sich im Trinkwasser auch einige befinden, sind in ihrer Zystenform gegenüber Chlor resistent. Damit bleiben sie bei einer Wasseraufbereitung übrig. Die darin enthaltenen Bakterien, die die Amöbe eigentlich verzehren wollte, was die Bakterien wirkungsvoll unterbunden haben, überleben mit ihnen.

Eine typische Bakteriengattung, die diesen Trick verwendet, ist Legionella. Auch wenn die Meldepflicht für Legionellosen nach wie vor in Deutschland relativ geringe Fallzahlen ergibt, schätzen Experten, dass es eine enorme Dunkelziffer gibt, die durchaus den Faktor 20 der ca. 500-700 erfassten Fälle betragen könnte. Aber in Zeiten zunehmend abwehrgeschwächter Patienten machen auch andere Wasserkeime Probleme - z.B. Pseudomonas aeruginosa. Einst hauptsächlich als Problemkeim bei Mukoviszidose gefürchtet, erkrankt heute mancher Intensivpatient schwer an diesen Infektionen, die durchaus tödlich enden können.

Rechtslage

Die Prävention von Verkeimungen von Trinkwasser muss bereits beim Leitungsbau beginnen. Keineswegs ist es völlig gleichgültig, wie Leitungen verlegt werden, welche Querschnitte gewählt werden und wie die Verbraucher (z. B. Toilette, Dusche, Waschbecken) in Reihe geschaltet werden.

Die deutsche Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (DVGW) hat hierzu Arbeitsblätter herausgegeben, die Planern und Installateuren ermöglichen, ein möglichst risikoarmes Wassersystem zu installieren.

Ist die Anlage einmal in Betrieb und das Wasser fließt, kommt die Trinkwasserverordnung zum Tragen. Diese regelt die Gesamtkeimzahl an der Zapfstelle (mit der der Verbraucher, also beispielsweise ein Patient, direkt in Berührung kommt), legt aber auch Anforderungen an die Wasserversorgung durch Wasserwerke fest. Nur der Vollständigkeit halber sei hier erwähnt, dass auch Trinkbrunnen, die z.B. in Krankenhäusern zur Versorgung von Patienten und Angehörigen aufgestellt werden, der Trinkwasserverordnung unterliegen.

Das Trinkwassersystem soll an repräsentativen Stellen, die eine möglichst weite Strangstrecke abbilden, regelmäßig beprobt werden. Wenn die Ergebnisse vorliegen, kommt es darauf an, wie hoch die Keimzahlen sind. Falls die in der Trinkwasserverordnung genannten Grenzwerte (100 Koloniebildende Einheiten = KBE = lebende koloniebildende Bakterien) überschritten werden, ist eine Risikobewertung fällig. Für Legionellen gelten eigene Werte: Die Anzahl sollte 100 pro 100 ml nicht überschreiten.

Worten müssen Taten folgen

Allerdings - mit der Risikobewertung ist es nicht getan. Es müssen nun auch aktiv Maßnahmen überlegt werden, mit denen vor allem Risikopatienten geschützt und die Keimzahlen gesenkt werden können. Neu ist dabei, dass solche Überlegungen durchaus auch für Wohnungen und den häuslichen Bereich zu treffen sind. Denn immer mehr abwehrgeschwächte Patienten verbringen einen guten Teil ihrer Heilungszeit im häuslichen Bereich. Aus diesem Grund hat die KRINKO (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention) am Robert Koch-Institut auch Anfang des Jahres eine neue Empfehlung herausgegeben, die sich speziell mit der Versorgung immunsupprimierter Patienten beschäftigt. Solche Empfehlungen entsprechen dem Stand der Technik und sollten auf jeden Fall Beachtung finden. Kann man sie nicht lückenlos umsetzen, sind vergleichbare Alternativmaßnahmen zu erwägen.

Steriles Leitungswasser - geht das?

Die älteste Art der Wasserdesinfektion wurde bereits lange vor Christus durch die Römer entdeckt. Man hatte nämlich festgestellt, dass sich in Silberamphoren das Wasser länger hält und geschmacklich bessere Qualität aufweist als in Tonkrügen. Das mag für geringe Mengen ein gangbarer Weg sein, verbietet sich jedoch für ein Leitungsnetz definitiv. Eine andere schon sehr lange bekannte Art der Wasserdesinfektion besteht im sprudelnden Kochen des Wassers, Nachteile sind hier der Energieaufwand sowie die Wartezeit, bis das Wasser zum Gebrauch abgekühlt ist. Sterilität lässt sich so aber nicht erreichen. Auch das Zuschalten von zusätzlichen Wasserdesinfektionsanlagen, z.B. mit UV-Licht oder Chlordioxid, hat natürliche Grenzen. Zwar kann ein Desinfektionserfolg durchaus erzielt werden, jedoch Sterilität wird auch hier nicht erreicht.

Dies gelingt jedoch mit der Sterilfiltration. Filter mit 0,2 µm großen Poren (z. B. Norit Filtrix Filter, Vertrieb durch die Firma TapMed) sorgen dafür, dass kein Bakterium oder Pilz in das aus dem Filter auslaufende Wasser gelangt. Der Nachweis von Viren ist etwas schwieriger, allerdings kann man zugute halten, dass im Grunde Viren im deutschen Leitungswasser keine Rolle spielen. Somit kann gesagt werden, dass auch Leitungswasser sterilisiert und dann entsprechend wie eine Sterilflüssigkeit für einige Anwendungen eingesetzt werden kann. Bei der Montage ist darauf zu achten, dass Druckminderer nach Herstellerangaben eingebaut werden, wenn erforderlich und nur Armaturen ausgestattet werden, die hoch genug sind, um eine praktische Nutzung auch mit dem daran hängenden Filterkorpus zu erlauben.

Einsatzmöglichkeiten für Wasserfilter

Wasserfilter können in einem Krankenhaus sehr breit eingesetzt werden, z. B. können sie Leitungswasser als Wundspüllösung sterilisieren. Die Verwendung von Leitungswasser als Wundspüllösung wurde in der Vergangenheit kontrovers diskutiert, nunmehr besteht aber Konsens, dass sterilisiertes Leitungswasser als reichlich zur Verfügung stehende und gut zu temperierende Wundspüllösung eingesetzt werden kann.

In Hochrisikobereichen können Wasserfilter Patienten schützen. Hochrisikobereiche sind Intensivstationen, Stationen für hämatologisch/onkologische Patienten, sonst sehr abwehrgeschwächte Patienten (z. B. Patienten unter Chemotherapie in der leukopenischen Phase, Verbrennungspatienten), und unter bestimmten Bedingungen ist auch ein Einsatz im OP denkbar.

Gerade bei schwer immunsupprimierten Patienten, die zur Vermeidung eines psychischen Hospitalisationssyndroms nach Hause entlassen werden, macht es natürlich Sinn, den Schutz über Wasserfilter auch zu Hause aufrechtzuerhalten.

Denn oft sind die Armaturen im häuslichen Bereich verkalkt und damit eine wahre Brutstätte für Bakterien. Dass Sterilwasserfilter mittlerweile in den verschiedensten Formen angeboten werden, z.B. als Brausekopf für Duschen, erleichtert die Anwendung auch im häuslichen Bereich.

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