IT & Kommunikation

Patientendaten schützen, Diagnosen verbessern

14.04.2020 -

Künstliche Intelligenz (KI)-basierte Assistenzsysteme in Arztpraxen und Kliniken bieten viele Chancen für das Gesundheitswesen.

Intelligente Assistenzsysteme unterstützen Ärzte bei Prävention, Diagnose sowie Therapie-Entscheidungen. Voraussetzung: der Schutz der Patientendaten und die Sicherheit der KI-Systeme ist gewährleistet. In ihrem aktuellen Whitepaper untersuchen Experten der Plattform Lernende Systeme das Datenmanagement und die IT-Sicherheit beim Einsatz von KI in der Medizin und adressieren Gestaltungsoptionen. Sie fordern unabhängige Prüfstellen, die die KI-Systeme und Trainingsdaten zertifizieren und die Anwendungen während dem Betrieb regelmäßig überprüfen. Die elektronische Patientenakte muss Kontrollmechanismen unterliegen, die nur berechtigten Personen den Zugriff auf bestimmte sensible Daten erlauben – entsprechend ihrer Rolle im Gesundheitswesen.

Mithilfe der intelligenten, selbstlernenden Systeme können Ärzte frühzeitige Diagnosen stellen, individuelle Therapien entwickeln und ihre Entscheidungen auf eine breite Informationsbasis stützen. Grundlage der KI-Systeme sind Daten. „Nur wenn genügend nutzbare Daten verfügbar sind, kann die Gesellschaft vom Potential der KI in der Medizin profitieren. Auf der anderen Seite sind die Daten gleichsam die Achillesferse der Assistenzsysteme und bedeuten eine große Herausforderung für ihre Sicherheit“, erklärt Jörn Müller-Quade, Professor für Kryptographie und Sicherheit am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Leiter der Arbeitsgruppe IT-Sicherheit, Privacy, Recht und Ethik in der Plattform Lernende Systeme. Fehlerhafte oder bewusst verfälschte Trainingsdaten können in der Diagnostik dazu führen, dass das KI-System falsche Ergebnisse liefert. Fehlbehandlungen und physische oder psychische Belastungen können die Folge derartiger Datenmanipulationen sein. Auch Angriffe auf die KI-Software und -Datenbanken können nach Ansicht der Autoren falsche Diagnosen und Behandlungsempfehlungen verursachen. Vor allem die sensiblen Patientendaten bedürfen eines besonderen Schutzes vor Missbrauch.

Um den Einsatz der KI-Systeme in der Medizin sicher und zum Wohle der Patienten zur gestalten, empfehlen die Autoren u.a. der Zertifizierung der KI-Systeme – etwa für die Sicherstellung unverfälschter Trainingsdaten. Wichtig ist hier, gemeinsame Leitlinien und Prüfvorschriften für die Zulassung und Zertifizierung für KI-Datenbanken sowie für deren Betreiber zu entwickeln. Darüber hinaus sollten Hersteller gesetzlich zur Mängelbehebung verpflichtet und neutrale Einrichtungen mit dem Betrieb des KI-Assistenzsystems beauftragt werden. Ein unabhängiges Prüfkomitee kann zudem in regelmäßigen Abständen die Funktionsweise der zertifizierten und eingesetzten KI-Systeme überprüfen und Rückrufprozesse können etabliert werden.

Zum Schutz vor Hacker-Angriffen auf das KI-System oder vor unerlaubtem Zugriff auf die Gesundheitsdaten der Menschen empfehlen die Autoren besondere Kontrollmechanismen. „Die Einführung der elektronischen Patientenakte ist einer der Grundvoraussetzungen für ein selbstlernendes KI-Assistenzsystem“, so Jörn Müller-Quade. „Neben den grundlegenden Gesundheitsdaten der Menschen sollte die ePA auch Informationen zu Allergien, Diäten oder Krankengymnastik bereithalten und damit deutlich mehr Akteure als bislang einbeziehen. Zu klären sind die Rechte und Pflichten dieser Akteure und ihr Zugriff auf die Patientendaten muss entsprechend zeitlich und inhaltlich begrenzt werden.“ Besonders wichtig ist für die Autoren, dass Patienten ihre Daten, die in der ePA gespeichert sind, nach einer medizinischen Behandlung freiwillig und geschützt für Forschungszwecke zur Verfügung stellen und damit zur Verbesserung KI-basierter Diagnosen und Therapien beitragen können.

Um die Patientendaten zu schützen, schlagen die Autoren einen kombinierten Sicherheitsansatz vor. So solle erstens der Datenverkehr verschlüsselt, integritäts- und authentizitätsgesichert sein. Zweitens solle stets eine Authentisierung der Kommunikationspartner stattfinden, sodass nur autorisierte Personen Zugriff auf das System haben und Manipulationen mittels kryptographischer Verfahren, wie z.B. Verschlüsselung und Signaturen, verhindert werden, heißt es in dem Whitepaper. Zur Authentisierung benötigen Ärzte ihren Heilberufsausweis, die elektronische Gesundheitskarte (eGK) des Patienten sowie die zugehörige PIN.

Über die Nutzung der eigenen Gesundheitsdaten müssen die Menschen souverän bestimmen können. Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) gilt dafür als zentrales technisches Instrument. Die Krankenkassen als ausgebende Stellen sollten die Sperrung der eGK ermöglichen, um so einen unautorisierten Zugriff auf Daten zu verhindern. Ergänzend schlagen die Autoren als Rückfall-Lösung einen Minimalmodus vor, in dem die wichtigsten Funktionen der Gesundheitskarte aufrechterhalten werden, beispielsweise wenn der Patient seine PIN vergessen hat.

Über das Whitepaper

Das Whitepaper „Sichere KI-Systeme für die Medizin“ zeigt das Potenzial sowie die Herausforderungen beim Einsatz von KI-basierten Assistenzsystemen in der Gesundheitsversorgung. Die Autoren beleuchten die Dateninteraktionen und erläutern die sicherheitsrelevanten Aspekte. Daraus leiten sie Gestaltungsoptionen ab, wie sichere KI-Systeme in der Medizin Realität werden können. Die Analyse basiert auf dem Anwendungsszenario „Mit KI gegen Krebs“, mit dem die Arbeitsgruppe Gesundheit, Medizintechnik, Pflege in der Plattform Lernende Systeme zeigt, wie Künstliche Intelligenz in naher Zukunft die Heilungschancen für Krebspatienten verbessern kann. Das Whitepaper wurde von Mitgliedern der Arbeitsgruppe IT-Sicherheit, Privacy, Recht und Ethik mit Unterstützung der Arbeitsgruppe Gesundheit, Medizintechnik, Pflege verfasst. Es steht zum Download zur Verfügung.

Kontakt

Lernende Systeme – Die Plattform für Künstliche Intelligenz

Karolinenplatz 4
80333 München

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