Labor & Diagnostik

Prof. Dr. Karl J. Lackner im Interview über Laborstraße Accelerator APS im Universitätsklinikum Mainz

05.06.2011 -

Prof. Dr. Karl J. Lackner im Interview über Laborstraße Accelerator APS im Universitätsklinikum Mainz. 3,8 Mio. Blutanalysen pro Jahr, 3.000 Röhrchen mit Untersuchungsanfragen und 15.000 Untersuchungsergebnisse pro Tag machen offensichtlich, dass ein solches Arbeitspensum nur in einem Großlabor zu bewältigen ist … einem Labor zudem, das bestens organisiert und voll automatisiert ist. Eine solche Einrichtung ist das Zentrallabor der Mainzer Universitätsklinik, dessen Herzstück eine vollautomatisierte 18 m lange Laborstraße Accelerator APS ist.

Da sich die Investition in eine so hochmoderne Einheit lohnen muss, verbinden sich natürlich auch hohe Anforderungen mit ihr: der Arbeitsprozess (work-flow) soll sich verbessern, das Personal vom Routineprocedere entlastet werden, die Qualität der Ergebnisse steigen und die Gesamtinvestition sich „auszahlen“. Die Verantwortung dafür, dass all dies klappt, trägt Prof. Dr. Karl J. Lackner, Leiter des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin. Mit ihm sprach Ulrike Hoffrichter.

Management & Krankenhaus: Die automatisierte Laborstraße entlastet das Personal von einfachen Routineaufgaben. Für welche (qualifizierten) Arbeiten können Sie diese Mitarbeiter nun einsetzen?

Karl J. Lackner: Die wichtigste Aufgabe der MTAs ist in der Sicherstellung einer hohen Analysenqualität bei zeitgerechter Ergebnismitteilung an die Einsender zu sehen. Deshalb ist die kontinuierliche interne Qualitätssicherung einschließlich der technischen Freigabe der Analysenergebnisse eine zentrale Aufgabe, der sich die MTAs verstärkt widmen müssen. Die Automatisierung war hier ein wichtiger Schritt. Außerdem war es möglich, knapp die Hälfte der Mitarbeiter aus dem Routinebereich in Speziallabors mit höherem Personalbedarf zu verlagern.

Welche automatisierten Schritte entlasten eigentlich das Personal besonders?

Karl J. Lackner: Die Entlastungen sind in erster Linie auf die präanalytischen Schritte wie die Zentrifugation und das Decapping, aber auch auf die Archivierung der Proben nach der Analytik zurückzuführen. Eine weitere wichtige Funktion ist die Sortierung und Bereitstellung der Proben für andere Arbeitsplätze. Und schließlich führt die automatisierte Bearbeitung zu einer gleichmäßigeren Abwicklung der Laboranforderungen.

Wie stark konnte die Laborstraße die Gesamtanalyselaufzeit im Vergleich zu vorher verringern?

Karl J. Lackner: Die Auswirkungen auf die Gesamtanalysenzeiten sind durchaus quantifizierbar. So hat sich die mittlere Bearbeitungszeit, d.h. die Zeit vom Eingang der Probe in unserem Labor bis zur Übermittlung des Ergebnisses an die Station, für die typischen klinisch-chemischen Substratbestimmungen von ca. 1½ Stunden auf eine Stunde und zehn Minuten also um über 20 % verringert. Diese Veränderung ist vorwiegend durch die Verringerung von besonders langen Bearbeitungszeiten also eine gleichmäßigere Bearbeitung bedingt. Dies ist vor allem daran zu sehen, dass die mediane Bearbeitungszeit – also die Zeit, nach der die Hälfte aller Proben fertig ist – sich kaum verändert hat. Diese lag vor und nach der Einführung der Automatisierung bei ca. einer Stunde.

Ein weiterer wichtiger Effekt ist darin zu sehen, dass spezielle immunologische Analysen durch die Automatisierung nun nicht mehr an die normalen Arbeitszeiten des Labors gebunden sind. Das führt dazu, dass Aufträge, die erst am späten Nachmittag ins Labor kommen, nicht mehr auf den nächsten Arbeitstag verschoben werden, sondern noch am selben Tag bearbeitet werden. Da unter DRG-Bedingungen Liegezeit von Patienten ausgesprochen teuer werden kann, ist hier ein klarer Vorteil zu sehen, da Laboruntersuchungen bei neu aufgenommenen stationären Patienten auch noch problemlos in den Nachmittag verlegt werden können.

Wie viele Parameter können über diese Automation bearbeitet werden?

Karl J. Lackner: Die Laborstraße arbeitet derzeit ungefähr 140 verschiedene Analysen aus dem klassisch klinisch-chemischen Analysenspektrum von Enzym- und Substrattesten sowie einen großen Teil der immunologischen Teste ab. So gehören zum Spektrum alle kardialen Marker, die Tumormarker, ein Großteil der Hormonbestimmungen, eine Reihe von Medikamentenbestimmungen sowie die gesamte Hepatitis- und HIV-Serologie.

Lassen sich Notfallproben einschieben? Das ist ja in einem Akut-Krankenhaus besonders wichtig.

Karl J. Lackner: Hier kommen wir zu einer in der Tat sehr wichtigen Frage. Es hat sich gezeigt, dass derzeit in den Stoßzeiten des Labors bei dringlichen Notfallproben ein separates Probenhandling notwendig ist. Diese Proben werden separat zentrifugiert und dann direkt an die entsprechenden Analysensysteme gebracht. Durch geplante Prozessänderungen im Labor (z. B. Konsolidierung von Probenröhrchen) und Funktionalitätserweiterungen der Straße soll auch die Testung dieser dringlichen Notfallproben mittelfristig auf der Laborstraße erfolgen. Außerhalb der normalen Arbeitszeiten und an Wochenenden können wir aber auch diese Proben an der Laborstraße zeitgerecht bearbeiten.

Welche Einheiten waren Ihnen darüber hinaus bei der Laborstraße besonders wichtig, die dazu beitragen, den Prozessfluss steigern?

Karl J. Lackner: Bei der Automatisierung war uns wichtig, dass wir den gesamten Prozess vom Probeneingang im Labor bis zur Archivierung der Probe möglichst vollständig abdecken können, dass also im Prinzip kein händischer Eingriff mehr nötig ist, um die an der Straße vorgehaltenen Analysen abzuarbeiten. Wir waren und sind der Überzeugung, dass gerade diese vollständige Automatisierung der Schlüssel zur effizienten Unterstützung des Personals ist.

In wieweit wird die Präanalytik entlastet? Wie steht es um die Postanalytik?

Karl J. Lackner: Wie schon gezeigt, müssen die Mitarbeiter sich nicht mehr um Zentrifugation, Decapping und Verteilung der Proben an die Geräte kümmern. Außerdem ist es mit Hilfe der Bestimmung von Plasma-/ Serumindizes aus allen Proben gelungen hämolytische, ikterische und lipämische Proben zuverlässig und vor allem standardisiert zu identifizieren. Wir haben hier inzwischen ein System etabliert, das dem anfordernden Arzt im Befund immer signalisiert, wenn aufgrund der o.g. Veränderungen in einer Probe bestimmte Analysenergebnisse verfälscht werden können. Da wir für jeden Analyt den Effekt von Hämolyse, Bilirubin und Lipämie genau untersucht haben, ist die Angabe im Befund immer spezifisch für die gestörten Analyte und gibt auch Ausmaß und Richtung der Störung auf den Messwert an.

Inwiefern kann die Laborstraße dazu beitragen, die Qualität der Analysen zu erhöhen?

Karl J. Lackner: Hier sind zwei Aspekte zu nennen. Zum einen sorgt die Laborstraße dafür, dass die Bearbeitungszeiten einheitlicher und damit insgesamt kürzer werden. Dies ist für den anfordernden Arzt im Krankenhaus ein wichtiges Kriterium, das zwar nicht unmittelbar mit der Qualität des einzelnen Messwerts zusammenhängt, aber für die Bewertung des Labors von erheblicher Bedeutung ist. Zum anderen ermöglicht die Laborstraße es, sich stärker auf Qualitätsaspekte zu konzentrieren, da einfache Arbeiten reduziert werden.

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