Überraschendes Ergebnis der NHANES-Studie: Salzarme Kost birgt Gefahren

Überraschendes Ergebnis der NHANES-Studie: Salzarme Kost birgt Gefahren. Ein Paradigmenwechsel zeichnet sich bei den Ernährungsempfehlungen ab: Denn salzarme Kost, die bislang allgemein als gesund galt, birgt offensichtlich erhebliche Gesundheitsgefahren.
Das zeigen die Daten einer großen amerikanischen Beobachtungsstudie.
Sie ergab eine um 30 % höhere Todesrate bei Menschen, die sich salzarm ernähren. Vor allem im Hinblick auf den Blutdruck wird nicht nur Hypertonikern, sondern auch der gesunden Bevölkerung immer wieder zur Mäßigung beim Salzverzehr geraten.
Eine Salzrestriktion gilt davon absehen sogar als allgemeine Therapiemaßnahme bei der Hypertonie.
„Allerdings wurde nie nachgewiesen, dass durch eine salzarme Ernährung langfristig tatsächlich günstige Effekte auf den Blutdruck und darüber hinaus auf die Gesundheit zu erzielen sind“, sagte Prof. Dr. Karl-Ludwig Resch aus Bad Elster bei einem Pressegespräch beim Internistenkongress in Wiesbaden.

Höhere Todesrate bei Salzrestriktion
Vielmehr scheint das Gegenteil der Fall zu sein.
Denn in der NHANES II-Studie (National Health and Nutrition Examination Survey) wurde jüngst eine um etwa 30 % erhöhte Sterblichkeit bei Menschen registriert, die sich salzarm ernähren.
Ziel der Beobachtungsstudie war es, die Gesamtmortalität sowie die kardiovaskuläre Mortalität in Abhängigkeit vom Ernährungsverhalten zu untersuchen.
Dazu wurden 7.154 Freiwillige rekrutiert und es wurden die Daten zur Natriumaufnahme erhoben.
Anschließend wurden zwei Gruppen gebildet und zwar eine Gruppe mit salzarmer Ernährung (durchschnittlich unter 5,8 g Kochsalz täglich) und eine zweite Gruppe mit normalem Kochsalzverzehr (im Mittel mehr als 5,8 g Kochsalz täglich).
Über einen Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 13,7 Jahren wurden klinische Manifestationen einer kardiovaskulären Erkrankung sowie Todesfälle in den einzelnen Gruppen dokumentiert.
Die erhobenen Daten lieferten laut Resch ein unerwartetes Ergebnis: Im Beobachtungszeitraum verstarben insgesamt 1.343 Teilnehmer, davon knapp die Hälfte an einer kardiovaskulären Erkrankung.


Sowohl bei der Gesamtmortalität wie auch bei der kardiovaskulären Sterblichkeit schnitt dabei die Gruppe mit salzarmer Ernährung eindeutig am schlechtesten ab.
Bei ihnen war die Herz-Kreislaufsterblichkeit um mehr als ein Drittel höher als bei Probanden mit einer normalen Salzzufuhr von mehr als 5,8 g pro Tag. „Die Gesamtsterblichkeit war um knapp 30 % höher“, sagte Resch in Wiesbaden.
Die Übersterblichkeit unter der salzarmen Kost war nach seinen Angaben unabhängig vom Geschlecht, von der Rasse und auch vom Alter der Probanden.
Es zeigte sich außerdem kein Zusammenhang zum Körpergewicht, zur Blutdruckhöhe, zum Lipidstatus sowie zum Nikotinkonsum oder zum Ausmaß der körperlichen Aktivität.
„Die Todesrate war in allen Untergruppen bei der salzarmen Ernährung eindeutig höher“, betonte der Mediziner.

Nutzen der Salzbeschränkung nie belegt
Es ist nach Resch anzunehmen, dass eine Beschränkung der Natriumzufuhr zu einer kompensatorischen Veränderung der Stellgrößen im kardiovaskulären System führt, was sich langfristig ungünstig auswirkt.
Hinweise auf einen solchen Mechanismus hatte jüngst eine Cochrane- Analyse der vorliegenden Studiendaten zur Salzrestriktion bei der Nahrungsaufnahme ergeben.
In der Analyse war gesehen worden, dass als Reaktion auf die Salzbeschränkung die Katecholamine im Serum erheblich ansteigen.
So erhöhte sich sowohl das Renin wie auch das Aldosteron um mehr als 300% und auch Adrenalin und Noradrenalin sowie die Triglyceride stiegen deutlich an.
Die Aktivierung des Renin- Angiotensin-Systems aber ist nach Resch gerade im Hinblick auf den Blutdruck und allgemein auf die kardiovaskuläre Gefährdung problematisch. Die Cochrane-Studie bestätigte außerdem die Ergebnisse vorausgegangener Metaanalysen.
In diesen war gezeigt worden, dass die Wirkungen einer Salzrestriktion auf den Blutdruck erheblich überschätzt werden.
So wurde auch bei streng salzarmer Kost in den Studien im Mittel nur eine Blutdrucksenkung von wenigen mmHg gesehen. Das aber ist laut Resch nicht verwunderlich.
„Der Blutdruck ist die wohl am besten geregelte physiologische Größe“, betonte er in Wiesbaden.
Empfehlungen zur salzarmen Ernährung hält der Mediziner nicht für gerechtfertigt – einerseits, weil ihr Nutzen nie wissenschaftlich belegt wurde, und andererseits, weil auch nie untersucht und dokumentiert wurde, dass eine solche Empfehlung gesundheitlich sicher und unbedenklich ist.

Pressekonferenz „Salzarme Kost – ein kardiovaskulärer Risikofaktor?“ am 24. April 2006 im Rahmen der 112. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden.

Kontakt:
Dieter Krüger
Verband der Kali- und Salzindustrie e.V., Bonn
Tel.: 0228/604730
Fax: 0228/6047310
dieter.krueger@vks-kalisalz.de
www.vks-kalisalz.de

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