Medizin & Technik

Erfolgreicher Eingriff einer seltenen Lungenfehlbildung

21.07.2015 -

Erfahrene Ärzte am Uni-Klinikum helfen Frühgeborenem mit einer seltenen Fehlbildung der Lunge.

Velika kam mit einer seltenen Lungenfehlbildung auf die Welt. Zwei Flügel ihrer rechten Lunge waren vollständig mit vielen kleinen Zysten durchsetzt und dadurch stark vergrößert. Ihr Herz wurde abgedrängt, und ihre gesunde Lunge konnte nicht richtig wachsen. So traten die Eltern zehn Tage nach der Geburt ihrer Tochter die Fahrt mit einem Wohnmobil von Bulgarien zum Universitätsklinikum Bonn an. Dort operierte ein erfahrenes Team am Zentrum für Kinderchirurgie schnellstmöglich das Neugeborene. Schon kurz nach dem Eingriff war Velika wohlauf und hat jetzt beste Aussichten auf ein gesundes Leben.

„Wir waren so glücklich, dass Velika in Bonn operiert werden konnte“, sagt ihre Mutter Svetozara. Sie und ihr Mann Jaroslav freuten sich sehr auf ihr erstes Kind. Doch in der 21. Schwangerschaftswoche traf sie die Diagnose „Zystische Adenomatoide Malformation der Lunge“ wie ein Schlag. Dies ist eine angeborene seltene Fehlbildung, bei der luftgefüllte Hohlräume, sog. Zysten, das Lungengewebe durchsetzen. Bei Velika waren die beiden betroffenen Lungenlappen enorm vergrößert und etwa so groß wie eine Mandarine. So bestand für das Mädchen eine doppelte Gefahr, Herzversagen und eine Unterentwicklung der Lunge.

Zwei der in Bulgarien zu Rate gezogenen Ärzte konfrontierte das Paar mit einem Schwangerschaftsabbruch. Doch Svetozara und Jaroslav setzten dankbar alle Hoffnung auf den Rat von zwei weiteren Ärztinnen, dass ihr ansonsten gesundes Kind nach der Geburt operiert werden kann. Mit deren Unterstützung fanden sie dann Hilfe am Zentrum für Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Bonn: „Denn die dortigen Ärzte haben die entsprechende Erfahrung.“ So sollte Velika auch dort geboren werden, doch sie kam vier Wochen zu früh in ihrer bulgarischen Heimat zur Welt.

Ein Flug war zu risikoreich

Mit fünf bis zehn betroffenen Neugeborenen im Jahr operieren die Bonner Kinderchirurgen Dr. Haitham Bachour und Dr. Andreas Heydweiller in Kooperation mit Neonatologen auf dem Venusberg eine überdurchschnittliche Anzahl. „Alle haben eine gute Prognose. Und je früher sie operiert werden, desto besser“, sagt Heydweiller, Oberarzt an der Klinik für Chirurgie des Universitätsklinikums Bonn. „Denn das gesunde Lungengewebe kann dann ungestört wachsen, und das Herz ist frei.“ Zudem seien eine hohe Infektionsgefahr sowie eine potentielle Umwandlung der Zysten in bösartige Tumoren gebannt. Auch besteht immer das Risiko, dass die Zysten platzen, was zu Luftnot führen kann und dann ein akuter Notfall ist. „Daher durfte unsere kleine Patientin auch nicht mit dem Flugzeug nach Bonn kommen. Aufgrund der Druckverhältnisse können die Zysten leicht platzen“, sagt Kinderchirurg Heydweiller. Daher erfüllten sich Velikas Eltern spontan einen langen Herzenswunsch: Sie kauften sich von ihren extra für den Nachwuchs aufgehobenen Hochzeits-Geldgeschenken ein Wohnmobil.

Eingriff erfordert ein spezialisiertes Zentrum mit Neonatologie

Nach einer Fahrtzeit von rund 33 Stunden in Bonn eingetroffen, kam Velika möglichst bald in den OP. Dort herrschte mit einer Temperatur von etwa 30 Grad ein fast tropisches Klima. „Die Neugeborenen dürfen nicht auskühlen“, sagt Heydweiller, der solche Eingriffe immer zusammen mit einem Neonatologen und einem Anästhesisten durchführt, der sich mit solchen kleinen Patienten auskennt. So sei es allein schon eine Herausforderung, in das dünne Ärmchen einen Zugang zu legen. Auch sind die speziellen chirurgischen Instrumente entsprechend der Größe von Säuglingen ganz klein. „Hier ist aber auch die Erfahrung gefragt, einschätzen zu können, wie viel Lungengewebe entfernt werden muss“, sagt der Kinderchirurg. „– im Fall unserer kleinen Patientin waren es zwei ganze rechte Lungenlappen, da diese vollständig betroffen waren.“ Anschließend versorgten Neonatologen unter Leitung von Professor Dr. Andreas Müller sieben Tage das Baby auf der Frühgeborenintensivstation im Perinatalzentrum auf dem Venusberg. Anschließend wurde es ein Stockwerk höher auf die neue Station der Kinderchirurgie verlegt.

Velikas Herz wird nicht mehr eingeengt, und ihre verbleibender rechter Lungenlappen und die linke Lunge können jetzt ungestört wachsen. „Nach der Operation ging es unserer Tochter jede Stunde etwas besser“, sagt ihr Vater Jaroslav. „Wir sind allen – vom Arzt bis zur Pflegekraft – sehr dankbar. Jeder war freundlich und hat uns immer alles erklärt.“ Vierzehn Tage nach ihrer Ankunft konnte die junge Familie wieder mit dem Wohnmobil die Heimreise antreten. Und Kinderchirurg Heydweiller ist sich sicher: „Die Eltern nehmen ein gesundes Kind mit nach Hause. Velika hat eine große Chance auf ein Leben ohne größere körperliche Beeinträchtigungen.“

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