Orthopädische Klinik Markgröningen: Hightech-OP-Saal mit Integration und Digitalisierung

  • Während der Operation werden interessante Befunde bei Bedarf dokumentiert und Standbilder sowie ganze Videosequenzen gespeichert.Während der Operation werden interessante Befunde bei Bedarf dokumentiert und Standbilder sowie ganze Videosequenzen gespeichert.
  • Während der Operation werden interessante Befunde bei Bedarf dokumentiert und Standbilder sowie ganze Videosequenzen gespeichert.
  • In der Klinik Markgröningen gibt es drei Hightech-OP;  um die täglich rund 25 komplizierten Knie-, Handgelenks- und Schulteroperationen zu bewältigen, sind sie auch voll ausgelastet.

Orthopädische Klinik Markgröningen: Hightech-OP-Saal mit Integration und Digitalisierung. Ein OP-Saal wie aus dem Bilderbuch: nicht groß, aber offen und hell. Alles wirkt neu, blitzblank, modern. In der Mitte sind Chirurg und Assistenten-Team konzentriert bei der Arbeit. Über ihren Köpfen schweben an langen Deckenstativarmen zwei futuristische, wabenförmige OP-Leuchten sowie drei Monitore mit Röntgenbildern und Großaufnahmen des OP-Feldes. Durch die Wand dringt gedämpft ein bekannter Rocksong – offenbar geht auch im OP-Saal mit Musik alles besser.

Alltag im Zentrum für Arthroskopie und spezielle Gelenkchirurgie der Orthopädischen Klinik Markgröningen (OKM), in einem kleinen Städtchen nahe Stuttgart. Eröffnet wurde der neue Anbau im September 2007, nur drei Monate später war bereits der 1 000. Patient operiert. Von Anfang an dabei war auch Schwester Christine, die seit 25 Jahren in der Klinik arbeitet und heute durch die Räume führt – vorbei am belegten OP 1 und zur nächsten Tür. Dahinter liegt ein fast identischer, gerade freier OP-Raum. „Selbst Unikliniken haben meist nur einen Hightech-OP, wir haben drei davon“, sagt sie nicht ohne Stolz. „Aber um täglich rund 25 komplizierte Knie-, Handgelenks- und Schulteroperationen zu bewältigen, brauchen wir die OPs.“ Längst hat der gute Ruf der Klinik und ihrer modernen, neuen OP-Welt die Landesgrenzen überwunden: Delegationen aus Norwegen und Russland, Saudi-Arabien und Nicaragua, ja sogar Australien geben sich die Klinke in die Hand, um sich hier über den „OP der Zukunft“ zu informieren.

Dieser wirkt trotz jeder Menge Equipment sehr aufgeräumt. Ganze Batterien von Geräten für Anästhesie und Arthroskopie hängen an zwei von sechs schwenkbaren Deckenstativarmen, ein Arm trägt hier allein 80 Kilogramm. Von Kabelwirrwarr und Stolperfallen darunter keine Spur. In der Mitte steht der mobile OP-Tisch Jupiter von Trumpf schon für den nächsten Patienten bereit. „Eine hintere Kreuzband-Plastik ist dran. Dabei müssen die Beinplatten in zwei extrem unterschiedliche Höhen gebracht werden — das kann nicht jeder Tisch“, wirft die OP-Schwester ein.

„Ebenso wenig wie die sehr hohen Einstellungen, die wir für Sehnenentnahmen benötigen.“

Welcher Patient als Nächstes an der Reihe ist, hat ihr die „Worklist“ auf dem Monitor gleich hinter dem OP-Eingang verraten. Hier befindet sich ein kompletter Rechnerarbeitsplatz, der auch das digitale Herzstück des OP, das Steuerungssystem OR 1 der Firma Storz, birgt. „Von hier aus kann im Prinzip ein einziger Mensch wie in einem Cockpit den ganzen OP-Saal steuern“, erklärt Schwester Christine. „Von Arthroskopie- und Endoskopie-Technik über Monitoreinstellungen bis hin zu den Leuchtenkameras für Dokumentation und Telemedizin – alles ist Teil einer durchgängigen, integrierten Lösung.“ Um etwa den OP-Tisch via OR 1 zu steuern, wird die Maske der Fernbedienung auf den Monitor geladen, der Rest per Touchscreen erledigt. Die Raumkamera, die mit Live-Bildern aus den OPs auch die Kollegen im Pausenraum auf dem Laufenden hält, lässt sich vom zentralen Steuerpult aus ebenso bedienen wie der Lautstärkeregler der Musikanlage mit iPod-Schnittstelle. Gibt es da bei der Musikauswahl keine Konflikte? „Eigentlich nicht“, sagt Schwester Christine schmunzelnd. „Nur wenn einer fünfmal das Gleiche hören will, wird gemeutert.“

Der Kniespezialist des Hauses Dr. Jörg Richter betritt den OP, während er „Nein, leider, kein Bett mehr frei“ in sein Mobiltelefon spricht. Er hat wenig Zeit, für den Abend ist noch ein Vortrag vorzubereiten. Diesmal wird er ihn zwar ohne Live-Schaltung in den OP halten, aber auch das wäre möglich. Dafür ist in eine der OP-Leuchten „iLED 3“ von Trumpf eine Videokamera integriert. „Wir können während der OP interessante Befunde dokumentieren und Standbilder sowie ganze Videosequenzen speichern“, erklärt Dr. Richter. „Neulich, beim internationalen handchirurgischen Kongress, haben wir live in den Sportsaal übertragen und einfach zwischen Raum-, Leuchten- und Endoskopie-Kamera hin- und her geschaltet, um die verschiedenen OP-Siten darzustellen.“ „Zudem sind wir damit sehr transparent“, ergänzt Schwester Christine. „Alle Bilddaten speisen wir direkt in das PACS-System für die Patientendatenerfassung ein. Hier stehen sie sofort für OP-Berichte zur Verfügung, die wir unseren Patienten für die Weiterbehandlung bei ihren Orthopäden mitgeben.“

Mittlerweile ist der Eingriff im OP 1 beendet, Dr. Max Haerle erscheint in der Tür. Seine Spezialität sind die oft langwierigen Handgelenksoperationen. Eine Herausforderung für die Augen – und die OP-Beleuchtung. „Das Licht soll sehr hell, aber nicht zu warm sein, weil das Gewebe bei den langen Eingriffen sonst austrocknet“, berichtet er. „Das kühle LED-Licht ist dafür ideal — und wir sparen Energie für die Klimaanlage.“ Operiert wird in seiner Disziplin auch häufig mit Lupenbrillen und zeitweise hängen bis zu drei Köpfe über dem OP-Feld. „Trotzdem kommt immer genug Licht an“, sagt er zufrieden. Meist werde eine der Kombileuchten sehr, die andere weniger hell eingestellt, je nach OP-Situation. „Meine älteren Augen vertragen schon mehr Licht, jüngere Kollegen dimmen lieber. Aber das lässt sich ja beliebig regeln.“

Die LED-Leuchten sind zwar noch nicht via OR 1 steuerbar, mit der erwarteten Storz-Software wird sich dies jedoch ändern. „Viel mehr gibt es aber nicht mehr zu verbessern“, sagt Schwester Christine. „Nur die OP-Räume würden wir trotz des flexiblen Equipments und der Bewegungsfreiheit durch die schwenkbaren Deckenstative nächstes Mal größer planen.“ Wir? Haben Ärzte und Pfleger das Zentrum denn mitgeplant? „Ja, uns als künftige Nutzer einzubeziehen, war ein kluger Schritt der Direktion“, findet Dr. Haerle. „Viele scheuen diesen Aufwand und merken zu spät, dass Türen und Lifts zu klein sind, die Betten nicht durchpassen und man auch sonst nicht das eingebaut hat, was man wirklich gebraucht hätte. Eine schöne Chance ist dann verspielt.“

In Markgröningen dagegen belegen nicht nur die Besucher aus aller Herren Länder, dass die Direktion den besseren Weg gewählt hat. Dafür sprechen auch die effizienten Abläufe, die trotz enger Zeitpläne entspannte Atmosphäre und die zufriedenen Patienten. Der Behandlungserfolg lebt eben nicht von moderner Gerätemedizin allein, sondern vor allem vom Personal, das sich bei der Arbeit wohl und für diese richtig ausgestattet fühlt. Wie in Markgröningen, wo heute schon gilt, was andernorts noch wie Zukunftsmusik klingt.

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