Medizin & Technik

Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie

20.07.2011 -

Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie. Postoperative Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit und Sedierung beeinträchtigen nicht nur das Befinden des Patienten, sondern können die perioperative Morbidität erhöhen, die Krankenhausliegedauer verlängern und zur Schmerzchronifizierung beitragen. Die Qualität der postoperativen Schmerztherapie im klinischen Alltag ist jedoch – trotz existierender medizinischer Möglichkeiten und aktueller Leitlinien – weit von einer optimalen Situation entfernt.

Eine der Ursachen für diese Diskrepanz ist die fehlende Verfügbarkeit geeigneter Daten zur Ergebnisqualität: Die Kliniken haben kaum Möglichkeiten ihre Therapie zu beurteilen und zu vergleichen, da – wie in vielen anderen Bereichen – eine standardisierte Outcome-Erfassung selten stattfindet und ein interklinischer Vergleich überhaupt nicht erfolgt.

Innerhalb des Förderprogramms „Benchmarking in der Patientenversorgung“ des Bundesministeriums für Gesundheit wurde daher ein Outcome-orientiertes Projektes zur Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie (QUIPS) entwickelt. In den teilnehmenden Kliniken werden am ersten postoperativen Tag Ergebnis- und Prozessparameter bei einer Patientenstichprobe erhoben. Dazu wird ein standardisierter Fragebogen eingesetzt. Anschließend werden die Daten in regelmäßigen Intervallen elektronisch auf einen zentralen „Benchmarkserver“ geschickt. Hier stehen sie unmittelbar der automatisierten webbasierten Feedbackfunktion zur Verfügung, die von den Teilnehmern individuell konfiguriert und abgerufen werden kann. Dabei werden die Ergebnisse der eigenen Stationen den anonymisierten Stationen der „fremden“ Krankenhäuser gegenübergestellt und ermöglichen dadurch ein externes, fachspezifisches Benchmarking.

Gegenseitiges Lernen und die Identifikation von „Best clinical practice“ werden durch Anwendertreffen und auch über eine neuartige Form des Erfahrungsaustausches im Internet ermöglicht: Im Mitgliederbereich des Website sind die Konzepte überdurchschnittlich gut sowie schlecht abschneidender Kliniken (anonymisiert) dargestellt, um ein webbasiertes „Lernen vom Besten“ zu ermöglichen, aber auch Hinweise zu geben, welche Fehler ggf. zu vermeiden sind.

In der Pilotphase gelang es vier der sechs teilnehmenden Kliniken, die Qualität ihrer Schmerztherapie (gemessen am Parameter „Maximale Schmerzintensität“) dauerhaft zu verbessern. Im Mittel war die von den Patienten berichtete maximale Schmerzintensität in der Fachgruppe Urologie/Gynäkologie am geringsten, in der Gruppe Traumatologie/ Orthopädie am höchsten. Schmerzbedingte Funktionsbeeinträchtigungen im Bereich Mobilisierung wurden vor allem in der Traumatologie/Orthopädie, im Bereich Respiration in der Allgemeinchirurgie beobachtet. Unter den zehn schmerzhaftesten, häufig durchgeführten operativen Eingriffen dominieren traumatologische/orthopädische Operationen. Aber auch die laparoskopische Appendektomie, ein relativ kleiner abdominalchirurgischer Eingriff gehört zu diesen „Top Ten“. Als weiteres interessantes Ergebnis zeigte sich, dass die Verfügbarkeit von Schmerzmitteln die Patientenzufriedenheit ähnlich stark beeinflusste wie die Reduktion der Schmerzstärke.

Die Anwendbarkeit im klinischen Alltag war ein wichtiges Projektziel. Durch die Beschränkung auf eine Stichprobenerhebung und relevante Prozess- und Ergebnisparameter konnte der Ressourceneinsatz auf durchschnittlich 12 Minuten pro Datensatz limitiert werden. Eine separate Erhebung der verwendeten Ergebnisparameter ist jedoch unabdingbar, da diese als Routinedaten zumindest derzeit nur partiell, nicht standardisiert und in unbekannter Qualität (Schmerzintensität) oder so gut wie gar nicht (Nebenwirkungen, Zufriedenheit) zur Verfügung stehen. Die schnelle Verbreitung des Projektes zeigt aber auch, dass ernsthaft an einer Ergebnisqualitätsverbesserung interessierte Kliniken dies akzeptieren und in der Lage sind, die zur Datenerhebung notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

Mit QUIPS steht erstmals ein Qualitätssicherungssystem zur Verfügung, das Parameter der Ergebnis- und Prozessqualität der postoperativen Schmerztherapie unter einheitlichen Bedingungen erhebt, analysiert und durch ein zeitnahes Feedback einen interklinischen Vergleich erlaubt. Das Pilotprojekt ist Industrie-unabhängig entwickelt worden und wurde gefördert durch das Bundesministerium für Gesundheit.

Seit Ende der Projektförderung wird QUIPS durch die wissenschaftlichen Gesellschaften und Berufsverbände der Anästhesisten und Chirurgen (DGAI und BDA, DGCH und BDC) getragen und allen deutschen Krankenhäusern angeboten. Derzeit nehmen fast 300 Stationen in 50 Kliniken teil, der Datenpool umfasst nahezu 30.000 Datensätze. Für die Teilnahme wird ein Unkostenbeitrag von derzeit 1.000 € pro Jahr und Klinik erhoben. Diese Gebühr umfasst eine Schulung, Fragebögen, Newsletter, das Feedback der Ergebnisse sowie die Nutzung des Mitgliederbereiches der Projektwebseite (Downloadbereich, Vorstellung der Konzepte gut und schlecht abschneidender Kliniken). Ausführliche Informationen über eine Teilnahme sind über die Internetseite www.quips-projekt.de abrufbar.

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