Standardisierter Artikelcode für Medizinprodukte erwünscht

Ein standardisierter Artikelcode für Medizinprodukte zur besseren Identifizierung und Verbrauchsdokumentation ist für Krankenhäuser dringend erforderlich. Vertreter großer Krankenhäuser appellieren an die Hersteller, einheitliche, elektronisch lesbare Artikelcodes einzuführen. Auch die Einkaufsgemeinschaft UNICO - ein Zusammenschluss von 14 deutschen Universitätsklinika - drängt auf ein einheitliches Artikelidentifikationssystem mit entsprechenden Codes.

Die enorme Vielfalt an Medizinprodukten, die vielen unterschiedlichen Hersteller und ihre Artikelbezeichnungen und -beschreibungen stellen für Krankenhäuser in Sachen Erfassen und elektronisches Verarbeiten einen hohen Aufwand dar. Ein standardisierter, maschinenlesbarer Artikelcode - vergleichbar mit dem der Konsumgüter - würde u. a. im OP-Betrieb dafür sorgen, die Patientensicherheit zu gewährleisten. Und das trotz weiter steigender Produktvielfalt.

Allein bei den Knie-Implantaten können Orthopäden heute auf mehr als 1.000 unterschiedliche Modelle und Varianten zurückgreifen. Selbst im Orthopädie-OP des Dresdner Uniklinikums, wo nicht einmal auf alle Typen dieser künstlichen Gelenke oder Gelenkoberflächen zurückgegriffen werden muss, fällt es selbst hoch spezialisierten Mitarbeitern schwer, den Überblick zu behalten. Ein Blick in die Vorbereitungsräume der Klinik für Orthopädie im Operativen Zentrum genügt, um einen Eindruck von der Vielfalt an Medizinprodukten zu bekommen: laufende Meter raumhoher Schränke mit Implantaten, Schrauben, Muttern, Nägeln, Platten, Klemmen in unterschiedlichsten Größen, Formen und Materialien.

Diese Medizinprodukte werden vor jeder Operation von Hand zusammengestellt: Mit einer Liste suchen Mitarbeiter das Gewünschte heraus. Alle bei einer Operation verwendeten Produkte, die im Körper des Patienten bleiben, müssen nach dem Eingriff zusätzlich dokumentiert werden.

Hausinternes System entwickelt

Das Universitätsklinikum Dresden hat früh die Chancen eines einheitlichen Artikelcodes erkannt. „In allen Bereichen des Klinikums arbeiten wir an innovativen Konzepten, um die Patientenversorgung noch sicherer und effizienter gestalten.

Da ist es nur konsequent, auch logistische Prozesse flächendeckend einzubeziehen", sagt der Medizinische Vorstand des Uniklinikums, Prof. Michael Albrecht. In einem ersten Schritt wurde ein Konzept erarbeitet, wie sich die Code-Vielfalt der Medizinprodukte-Hersteller hausintern in den Griff bekommen ließe.

Gemeinsam mit einem Dresdner Softwarebüro entstand 2009 ein Programm, das den vom Scanner gelesenen Code in einen herstellerübergreifenden übersetzen kann. Parallel ermittelte das Klinikum die Informationen, die sich hinter der Ziffernfolge verbirgt, und fügte sie in einer neuen klinikeigenen Artikelidentifikationsnummer wieder zusammen. Ausgangspunkt ist dabei die internationale GTIN (Global Trade Item Number). Hervorgegangen ist der Code aus der 13-stelligen Europäischen Artikelnummer (EAN). Allerdings wurde die Barcodekennzeichnung für die Medizinprodukte erweitert, um beispielsweise Chargennummern und Verfallsdaten zu integrieren.

Das Pilotprojekt zeigt Grenzen auf

Seit 2010 nutzt das Universitätsklinikum das selbst entwickelte Identifizierungssystem und den zur elektronischen Erfassung notwenigen Strichcode in einem Pilotprojekt: Im Operativen Zentrum verwenden die Teams Scanner, um Medizinprodukte zu identifizieren und zu dokumentieren. Mit Erfolg: Das neue System beschleunigt die Arbeitsabläufe und erhöht gleichzeitig die Patientensicherheit, weil es die Gefahr einer Verwechslung eingesetzter Materialien weiter minimiert.

Der Praxistest zeigt aber auch die Grenzen des Systems auf: „Gut ein Fünftel aller Medizinprodukte lässt sich trotz des mittlerweile ausgereiften Programms nicht anhand der Herstellernummer identifizieren", so Wilfried Winzer, Kaufmännischer Vorstand des Klinikums. Mit einer rein hausinternen Lösung können die Möglichkeiten der EDV-Infrastruktur nicht voll genutzt werden. Daher sind nun die Hersteller gefragt: Ein einheitliches System zur Artikelidentifikation mit einem maschinenlesbaren GS1-Code ließe die Effizienz der Krankenversorgung steigen und würde die Patientensicherheit erhöhen.

Die UNICO und andere Einkaufsverbünde drängen auf ein einheitliches System, das ein wichtiges Element zur papierlosen und EDV-gestützten Abwicklung des gesamten Beschaffungsprozesses darstellt. Um die Hersteller zu mehr Einheitlichkeit zu bewegen, wurde die Dresdner Erklärung der Healthcare live! verabschiedet: „Wir fordern alle Lieferanten und Hersteller auf, mit der EK-UNICO und den Transaktionsplattformen gemeinsam die Qualität der elektronischen Kataloge weiterzuentwickeln und die vorhandenen Standards im eBusiness zu nutzen. Aufgrund der Bedeutung des Contents für das eBusiness wird die Struktur und die Qualität des elektronischen Katalogs neben den wirtschaftlichen Preisen und Konditionen künftig ein weiterer wichtiger Wettbewerbsfaktor zur Zusammenarbeit sein."

In Klartext heißt das, dass die UNICO und andere Krankenhäuser in ihren Ausschreibungen zunehmend „Standardbarcodes" und „elektronische Artikelkataloge" einfordern. Unternehmen, die dies nicht bieten können, werden bei Beschaffungsentscheidungen nicht mehr berücksichtigt!

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