Initiative von DGIM hilft bei Nutzen-Risiko-Abwägung

Immer häufiger werden Patienten – besonders den älteren – Medikamente und Behandlungen verschrieben, die nutzlos sind oder negative Folgen haben. Die Initiative „Klug entscheiden“ von der DGIM soll in Zukunft dies verhindern.

Die Initiative der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) verfolgt das Ziel, den Patienten die bestmögliche Versorgung zukommen zu lassen und das Verhältnis zwischen den Ärzten und ihren Patienten zu verbessern. Sie ist an die amerikanische Initiative „Choosing wisely“ angelehnt, die davon ausgeht, dass aufgrund der immensen Anzahl der Leitlinienempfehlungen die relevanten Aspekte nicht immer Beachtung finden. Ab September diesen Jahres, so Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Göttingen, wird für jeden internistischen Schwerpunkt 10 Empfehlungen ausgesprochen, damit einer Über- und Unterversorgung entgegengewirkt wird. Dabei gibt es fünf Negativ- und fünf Positiv-Empfehlungen. Die Initiative möchte verhindern, dass unnötige Kosten verursacht werden, andererseits soll aber auch die Patientenversorgung optimal sein. Unter Positiv-Empfehlungen werden, so Hasenfuß, Empfehlungen verstanden, die diagnostische und therapeutische Maßnahmen mit klarem Nutzen umfassen, während die Negativ-Empfehlungen häufig durchgeführt werden, obwohl sie für den Patienten keinen Vorteil bringen. Dazu gehören die bildgebenden Verfahren, die bei Rückenproblemen eingesetzt werden, auch wenn diese noch nicht lange (mehr als sechs Wochen) bestehen. Das Gleiche gilt für die oft zu schnelle Stentsetzung.

Nutzen-Risiko-Abwägung muss im Vordergrund stehen

Gerade in der Geriatrie ist es häufig ein Problem, so zu entscheiden, dass der Kranke weder über- noch unterversorgt ist. Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie hat deshalb aufgezeigt, in welchen Bereichen eine Überversorgung bei ihrem Patientenklientel erfolgt. Hierzu gehört in erster Linie der oft zu schnelle Einsatz von Antibiotika, wie Dr. Manfred Gogol, Coppenbrügge, erläuterte. Dies ist vor allem bei der Bakteriurie der Fall. Hier sollten sie nur bei einer spezifischen klinischen Symptomatik verabreicht werden, da es ansonsten zu einer schnellen Resistenzentwicklung kommen kann.

Bei Patienten mit Demenz im fortgeschrittenem Stadium ist die intensivierte orale Ernährungsunterstützung einer endoskopisch gelegten Sonde (PEG) vorzuziehen, da diese in nicht seltenen Fällen zu Blutungen und Infektionen führen kann.

Ältere Menschen sind auch häufig dafür prädestiniert, bei Schlafstörungen, Unruhe und Verwirrtheit Benzodiazepine verschrieben zu bekommen.

Diese sind aber nur in einzelnen Fällen zu empfehlen, da diese Medikamenten-Gruppe durch die zentralnervöse Wirkung vermehrt zu Stürzen, Unfällen und Knochenbrüchen führen kann.

Bei der Unterversorgung trifft dies vor allem für die Osteoporose zu, von der die Frauen aufgrund der Menopause am häufigsten betroffen sind. Außerdem ist die adjustierte Ernährungstherapie bei den alten Patienten in der Regel völlig unzureichend. Gerade wenn der Patient an Alzheimer erkrankt ist, sollte die adjustierte Ernährungstherapie im Vordergrund stehen.

Resistenzen durch Breitbandantibiotikum häufig

Beim Einsatz von Antibiotika ist es wichtig, dass eine sorgfältige Indikationstellung vorausgeht, so Frau Priv.-Doz. Dr. Norma Jung, Köln. Durch die rasche Zunahme der diagnostischen Möglichkeiten und neuen Therapien ist der vermehrte Einsatz von medizinischen Tests zunehmend ein Problem. Es ist nämlich nicht immer gewährleistet, so Jung, dass diese auch einen Nutzen mit sich bringen.

In der Infektiologie hat sich gezeigt, dass die Verabreichung von Antibiotika bei Infekten der oberen Atemwege nicht notwendig ist, da diese in der überwiegenden Zahl der Fälle viral bedingt sind. Gerade in der Geriatrie ist die Staphylokokkus-aureus-Infektion ein gutes Beispiel für die Unterversorgung. Es konnte festgestellt werden, dass bei der Beachtung bestimmter Maßnahmen die Sterblichkeitsrate gesenkt wird. Dazu gehört die Abnahme von Kontrollblutkulturen, die rasche Katheterentfernung und eine ausreichende Therapie.

Die Überversorgung spielt in der Geriatrie ebenfalls eine relevante Rolle. Hier sollte vor allem bei asymptomatischer Bakterienausscheidung nicht gleich eine Antibiotika-Gabe erfolgen. In diesem Fall ist eine Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.

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