Personalisierte Medizin

Die personalisierte Medizin gehört derzeit zu den wesentlichen Trends besonders bei der Krebsbehandlung. Wo liegen Möglichkeiten und Grenzen der Therapieoption, an die hohe Erwartungen geknüpft sind?

„Die personalisierte Medizin wird in den nächsten Jahren nicht zum Megatrend werden, aber zunehmend wichtiger", sagte Dr. Kai Richter, Wedel. „In keinem anderen Indikationsgebiet sind die Erwartungen daran größer als bei der Krebsbehandlung." Zwar ist der Anteil der personalisierten Therapie am weltweiten Pharmamarkt derzeit noch gering, jedoch werden Wachstumsraten von jährlich ca. 37% erwartet.

Während bei der bereits breit eingeführten zielgerichteten Therapie die Medikamente nur auf Krebszellen einwirken, die bestimmte Eigenschaften aufweisen, geht die personalisierte Medizin einen Schritt weiter. Denn auch die zielgerichtete Therapie stößt an Grenzen, weil Patienten mit gleicher Diagnose auf die Medikamente unterschiedlich ansprechen. Der Grund: Klinisch identische Krebserkrankungen können auf molekularer Ebene unterschiedlich ausgeprägt sein.

Ein Beispiel dafür ist Brustkrebs, bei dem zuerst die personalisierte Therapie eingeführt wurde. Bei etwa einem Viertel der betroffenen Frauen wird histologisch eine erhöhte Konzentration des Proteins HER2 entdeckt. Nur bei ihnen spricht der gegen den Rezeptor HER2 gerichtete monoklonale Antikörper Trastuzumab an. Über den Rezeptor werden Signale in die Zelle geschleust, die ein beschleunigtes Tumorwachstum vermitteln. Heute gilt es als Standard, alle Frauen mit Brustkrebs auf das HER2-Protein zu testen. Wenn der Tumor HER2-positiv ist, erhält die Patienten meist nach der OP eine Chemotherapie und Trastuzumab.

„Von der personalisierten Medizin verspricht man sich eine höhere Wirksamkeit der Medikamente durch klar definierte Patientengruppen und eine zielgerichtete Behandlung", so Richter.

Die Chancen bestehen in einem frühzeitigen Einsatz der richtigen Therapie mithilfe hoch spezifischer diagnostischer Tests, was zu einer entscheidenden Verbesserung der Effektivität und Behandlungsqualität führen könnte. Den Patienten bleiben wirkungslose Behandlungsversuche und mögliche schwere Nebenwirkungen erspart.

Paradebeispiel Lungenkrebs

Als weiteres „Paradebeispiel" nannte Richter die Therapie des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses.

Die Bestimmung des Mutationsstatus von EGFR ermöglichen, gezielt den EGFR-Tyrosinkinase-Hemmer Gefitinib in der Erstlinientherapie einzusetzen. Davon profitieren Patienten mit aktivierender Mutation der Tyrosinkinase-Domäne des EGF-Rezeptors, die bei etwa 10 bis 15% aller Betroffenen vorkommt.

In einer Subanalyse der IPASS-Studie erreichte Gefitinib bei den Patienten mit der EGFR-Mutation eine Ansprechrate von 71% gegenüber nur 1% bei denjenigen ohne die Mutation.

„Die personalisierte Therapie wird das Gesundheitswesen verändern. Nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung traditioneller Therapien", schloss Richter. „Die Grenzen unseres Wissens über die Krankheitsursachen definieren allerdings die Grenzen der personalisierten Therapie."

Quelle: 15. Handelsblatt Jahrestagung Pharma 2010, Wiesbaden, 4. Februar 2010

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