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Chirurgie verfolgt „Fast Track“-Konzept: Beschleunigung der medizinischen Versorgungsprozesse

21.08.2014 -

Chirurgie verfolgt „Fast Track“-Konzept: Beschleunigung der medizinischen Versorgungsprozesse. Vom 15. bis 18. November 2006 wird in Düsseldorf die weltgrößte Medizinmesse Medica mit ihrem Angebot der rund 1.400 Ausstellern aus über 60 Nationen wieder ein breites Spektrum an neuen Produkten, Geräten, Systemen und Dienstleistungen für die ambulante und stationäre medizinische Versorgung präsentieren.
Die meisten Innovationen zielen letztlich vor allem darauf ab, die Prozesse des Patienten- „Workflows“ zu vereinfachen und zu beschleunigen.
Die vielen Produktneuheiten gilt es jedoch in den Kontext eines Gesamtkonzeptes für eine wirkungsvolle und wirtschaftlich vertretbare Behandlung zu stellen.

Schneller raus und das in einem besseren körperlichen Zustand – das verspricht den Patienten z.B. ein neues interdisziplinäres Konzept in der Chirurgie zur beschleunigten Genesung und zur Minimierung allgemeiner Komplikationen.
Wegen der verkürzten Liegezeit findet das Konzept auch bei den Betriebswirten Aufmerksamkeit und wird sicherlich im Rahmen der Medica heiß diskutiert werden.
Quer durch alle Länder sind Klinikärzte aufgefordert, sich Gedanken darüber zu machen, wie lange der einzelne Patient im Krankenhaus unbedingt verweilen muss.
Denn je schneller ein Patient die Klinik verlässt, desto mehr verdient das Krankenhaus an ihm.
Das Resultat des Nachdenkens heißt „beschleunigte Rekonvaleszenz“, im Neudeutsch „Fast Track“ genannt.
Hierbei geht es um die Verringerung aller körperlichen Beeinträchtigungen, die durch einen chirurgischen Eingriff entstehen.
Es mag für den Patienten befremdlich erscheinen, dass man erst jetzt über Maßnahmen spricht, die dazu führen, die verschiedenen Folgen der Stressreaktion zu mindern, die durch einen operativen Eingriff ausgelöst werden. Doch bisher gab es keine Anreizsysteme, das zu tun.
Dabei gilt: Jede Operation führt zu einem OP-Trauma, das über den Eingriff hinausgeht.
Ob der Patient wohl temperiert oder unterkühlt auf dem OP-Tisch liegt, ob Übelkeit oder Erbrechen folgen, ob Komplikationen von Herz und Lunge auftreten, Infektionen oder Wundheilungsstörungen auftauchen – all' diese multiplen Faktoren haben Einfluss auf die Genesung und somit die Dauer des Krankenhausaufenthalts des Patienten.
Bei der „Fast-Track“-Chirurgie wird die klassische Grenze zwischen Krankenhaus und Rehabilitation aufgeweicht. Sie ist quasi eine Form der Frührehabilitation.
Gefordert sind keine außergewöhnlichen Operationskünste der Chirurgen, sondern auf interdisziplinäre Teamarbeit kommt es an.
Man benötigt strukturierte Patientenpfade und somit ein strenges, verbindliches Behandlungsregime.

Nach einer Dickdarm-OP am dritten Tag nach Hause
Was das bedeutet, zeigt das Beispiel einer „kleinen Ursache“ mit großer Wirkung: Wer etwa leicht unterkühlt auf dem OP-Tisch liegt, bekommt nach der Operation eher Stoffwechsel- und somit Wundheilungsprobleme.
Weicht die periphere Körpertemperatur nur um 1,5 ºC nach unten ab, nimmt die Wundinfektionsrate um das Dreifache zu. Die Fäden können erst einen Tag später gezogen werden und die Entlassung aus der Klinik verzögert sich um ca. 2,5 Tage.
Dem richtigen Temperatur- „Management“ gebührt demnach eine hohe Bedeutung.
Der dänische Chirurg Prof. Henrik Kehlet, der unter Experten als der Erfinder der „Fast-Track“-Chirurgie gilt, schickt mittlerweile die Hälfte seiner Patienten nach einer Dickdarmoperation am dritten Tag nach Hause. Das ist ungewöhnlich.
Denn die normale Verweildauer im Krankenhaus liegt seinen Angaben zufolge bei etwa 15 Tage.
Wie erfolgreich sich das neue Konzept auswirken kann, wird durch Zahlen bei Patienten mit Darmkrebs belegt.
So verringern sich die Allgemeinkomplikationen während des Krankenhausaufenthalts, wie Harnweginfekte, Lungenentzündung oder Katheterinfekte, von 22 auf 9 % und die Komplikationen nach stationärer Entlassung von 16 auf 5 %.
Auch deutsche Chirurgen schließen sich mittlerweile der „Fast- Track“-Bewegung an, im Sinne eines schlüssigen Gesamtkonzeptes für eine schnelle Genesung.
Nach den bisherigen Erfahrungen mit dem neuen Konzept von Professor Wolfgang Schwenk, Chirurg von der Charité in Berlin, kann die Hälfte seiner Patienten nach einem Eingriff am Dickdarm bereits am fünften Tag nach OP entlassen werden.

Minimalinvasive Verfahren haben hohen Anteil am Erfolg
Obwohl so früh entlassen, weisen solche Patienten vier Wochen nach der Operation in der häuslichen Umgebung einen höheren Aktivitätsgrad und eine geringere Erschöpfung auf als die Patienten, die mit der herkömmlichen Therapie behandelt wurden.
Ein Darmkrebs-Patient, den der Hausarzt nach traditioneller chirurgischer Behandlung nach 14 Tagen stationärem Aufenthalt wieder in der Praxis sieht, „ist immer noch schlechter dran als der Fast-Track-Patient, den man am fünften Tag entlässt.“
Vier Wochen würde der postoperative physiologische und konditionelle Vorsprung eines so behandelten Patienten anhalten, bis der konventionell Operierte aufgeholt hat, betont Schwenk.
Anteil am Erfolg der „Fast-Track“- Chirurgie haben auch minimalinvasive Operationsmethoden, für die im Rahmen der Medica 2006 wieder eine Fülle an benötigten chirurgischen Instrumenten und Produkten gezeigt werden.
Ebenfalls wesentlich für den Erfolg ist die Wahl des Anästhesieverfahrens, ebenso die frühzeitige Schmerzausschaltung mit modernen Analgetika.

Kontakte:
Martin-Ulf Koch und Larissa Browa
Messe Düsseldorf GmbH, Düsseldorf
Tel.: 0211/4560-444
Fax: 0211/4560-8548
KochM@messe-duesseldorf.de
www.medica.de

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