Alters-und demenzsensible Ausrichtung als Wettbewerbsvorteil für Krankenhäuser

Mit Thomas Meier-Kramm, Prokurist und Partner bei der HWP Planungsgesellschaft, sprach Insa Lüdtke über Möglichkeiten, sich auf den Weg zu einem alters- und demenzsensiblen Krankenhaus zu machen – erste Schritte kann der „Demenz-Check“ aufzeigen.

M&K: Die Zahl von Menschen mit Demenz und damit auch jene von Patienten mit Demenz steigen. Menschen also, die ein großes Maß an Sicherheit und Orientierung und einfach mehr Zeit der Betreuung brauchen – also genau das Gegenteil davon, was der Krankenhausbetrieb anbieten kann.

Thomas Meier-Kramm: Und genau ­darin stecken die Schwierigkeiten, die Herausforderungen – aber auch die Chancen. Wir haben festgestellt, dass bisher nur überraschend wenige Akutkrankenhäuser darauf vorbereitet sind, dass der Anteil hochbetagter Patienten deutlich zunehmen wird. Das Problem ist nicht allein das Alter dieser Menschen, sondern dass sie oft kognitive Einschränkungen – bis hin zu Demenzerkrankungen – aufweisen und nun auch noch akut erkrankt sind. Da diese Patienten nicht so kooperieren können, wie effiziente medizinische und pflegerische Prozesse das erfordern, passen sie oft nicht in die Strukturen und Abläufe eines kostengetriebenen Krankenhauses. Wie Sie selbst erwähnt haben: Diese Patienten brauchen mehr Zeit, mehr Zuwendung, mehr Orientierung, als es der übliche Krankenhausbetrieb hergibt.

Mit Ihrem Demenz-Check treffen Sie offensichtlich den Nerv der Zeit: Er wurde als Finalist für den M & K Award 2014 nominiert. Was genau steht dahinter, wie funktioniert er?

Thomas Meier-Kramm: Ja, die Nominierung hat uns sehr gefreut. Sie hat uns gezeigt, dass wir mit unserem Angebot doch einige Krankenhäuser wachgerüttelt haben. Unser Demenz-Check liefert den untersuchten Krankenhäusern zuallererst eine Positionsbestimmung, beinhaltet aber auch ganz konkrete Handlungsempfehlungen für den Weg zum alters- und demenzsensiblen Krankenhaus. Es ist eine ganze Reihe von Faktoren, die wir betrachten. Dazu zählen z. B. die relevanten Betriebsabläufe, die architektonische Gestaltung, Inneneinrichtung und Ausstattung sowie die Mitarbeiter-Ausbildung.

Um hier zu einer gesicherten Aussage zu kommen, reicht es nicht, sich die Grundrisse einer Station anzusehen, auf der die alten und ko­gnitiv eingeschränkten Patienten überwiegend versorgt werden. Der Demenz-Check kann nicht aus der Entfernung oder am grünen Tisch durchgeführt werden. Der standardisierte Ablauf sieht so aus, dass wir nach der grundlegenden Analyse relevanter Daten vor Ort Interviews, Erhebungen und Begehungen durchführen. Erst wenn alle Sachverhalte erhoben sind und sich die kleinen Bilder zu einem Gesamtbild zusammenfügen, sind wir in der Lage, den Häusern auch Handlungsempfehlungen auszusprechen, die der jeweiligen Situation angepasst sind.

Welche Kernaussagen des Checks sind für ein Krankenhaus wichtig, um konkrete Handlungskriterien ableiten zu können?

Thomas Meier-Kramm: Hier gibt es kein „wichtig“ oder „unwichtig“. In der Regel müssen allen Kriterien entsprochen werden, wenn ein Krankenhaus sich alters- und demenzsensibel aufstellen möchte. Was hilft die beste Ausstattung und Einrichtung, wenn das Personal nicht geschult ist, damit umzugehen? Oder was hilft ein für alte Menschen optimiertes Orientierungssystem, wenn die Prozesse nicht darauf ausgerichtet sind?

Wie sieht das Ergebnis des Demenz-Checks konkret aus?

Meier-Kramm: Wie schon gesagt: zum einen die Positionsbestimmung – oder wenn Sie so wollen die Diagnose. Zum anderen dann aber die Handlungsempfehlungen – oder der Therapievorschlag mit einer Prioritätenliste. Und die kann für zwei Häuser völlig unterschiedlich ausfallen.

Geht es Ihnen als Planer vor allen Dingen um die bauliche Anpassung – wie weit kommen Aspekte von Schulung und Kommunikation – intern und extern – dazu?

Thomas Meier-Kramm: Nein, zweckmäßige Grundrisse und Ausstattung sind wichtig – aber nicht allein entscheidend. Mit dem Demenz-Check haben wir ja eine ganzheitliche und umfassende Betrachtungsweise eingeführt. Wenn in einem Krankenhaus das Bewusstsein tief verankert ist, dass diese spezielle Patientengruppe auch einen speziellen Umgang braucht, können geschulte und motivierte Mitarbeiter viele andere Schwachstellen kompensieren.

… und: Wie sieht der Prozess der Umsetzung aus?

Thomas Meier-Kramm: So unterschiedlich Diagnose und Therapieempfehlung ausfallen können, so unterschiedlich ist auch der Umsetzungsprozess. Der Demenz-Check löst nicht die Probleme, aber er analysiert sie, macht sie sichtbar, priorisiert und kommuniziert sie unter Einbindung eines breiteren, interdisziplinären Gremiums aus Entscheidern und direkt involvierten leitenden Mitarbeitern. Der Demenz-Check selbst ist in aller Regel nur die Initialzündung für einen Veränderungsprozess. Der Umsetzungsprozess muss stets als eigenes, zumeist interdisziplinäres Projekt im Anschluss geplant und durchgeführt werden. Interdisziplinär heißt hier, dass Mitarbeiter aus allen betroffenen Berufsgruppen beteiligt werden sollten. Also Ärzte, Pflegende, Therapeuten, Sozialdienst, Ehrenamtliche, aber auch die Administration.

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