Bauen, Einrichten & Versorgen

Brandschutz im Visier der Gutachter

19.09.2015 -

Bei Großprojekten müssen Fachplaner neben der Hochhaus- oder Krankenhausrichtlinie viele Brandschutzvorgaben beachten. Dennoch sorgen in der Brandschutzszene festgestellte Mängel für rechtliche Auseinandersetzungen und hohe nachträgliche Investitionen.

Trotz einer Bauabnahme im für ein Gebäude dieser Größe zunächst üblichen Rahmen erwischte es auch die Ulmer Uniklinik, die mit Mehrkosten von über zwei Mio. € rechnen muss. Bei dem erst 2012 fertiggestellten Neubau standen Brandschutzklappen sowie die Entrauchung im Visier der Prüfer.

Die Planung von Entrauchungskonzepten unter Beachtung der Sicherheitsschutzziele sind bei Großprojekten mit besonders hohem Aufwand verbunden und können auch Jahre später Mängel aufweisen. Die ersten Mängelberichte der beauftragten Wartungsfirma zu den Brandschutzklappen sollen bereits 2012 vorgelegen haben, wurden den neuen Vorständen zum Dienstantritt jedoch nicht vorgelegt. „Die Ergebnisse der neuen Untersuchungen der Chirurgie/Dermatologie auf dem Oberen Eselsberg aus 2014 wurden sofort zum Anlass genommen, die Überprüfungen auszudehnen und alle erforderlichen Maßnahmen in Abstimmung mit Baurechtsamt und Feuerwehr zu ergreifen“, sagt Jörg Portius, Pressesprecher des Universitätsklinikums Ulm.

Demnach konnten die Mängel an der Entrauchungsanlage relativ schnell behoben werden. „Für die nichtöffentlichen Klinikbereiche wollten unsere Mitarbeiter den Zugang über eine Schlüsselkarte organisieren. Eigentlich keine Zauberei, aber bei einer Rauchentwicklung ziehen große Ventilatoren den Rauch in die Entrauchungskanäle und erzeugen dabei einen Unterdruck. Im Test wurde jetzt festgestellt, dass sich die Türen zu langsam schließen und sich durch den erzeugten Unterdruck mit den Karten nicht öffnen lassen. Das Kartensystem wurde vor knapp zwei Monaten zurückgebaut und die alten Schließzylinder wieder eingesetzt“, ergänzt Portius.

Mehr Brisanz hatte das Ergebnis einer im vergangenen Jahr vom TÜV Süd durchgeführten Untersuchung der insgesamt 2.100 Brandschutzklappen. Im Zuge der Untersuchung wurde festgestellt, dass 475 der in Zimmer- und Flurdecken sowie in Treppenhäusern eingebauten Klappen defekt waren. Darunter seien 150 schwere, 325 leichte bis mittlere Mängel festgestellt worden. Weiterhin wurden Setzungsrisse im Mauerwerk als Ursache für die anstehenden Instandsetzungsmaßnahmen ausgemacht. Die Vorrichtungen würden nach und nach repariert oder ausgetauscht. Die Arbeiten werden noch bis März dieses Jahres andauern.

Das Uni-Klinikum geht davon aus, dass überwiegend bauliche Mängel vorliegen, die von der Baufirma zu verantworten sind. Eine Anfang November vergangenen Jahres gestellte Strafanzeige gegen Unbekannt soll nun Aufklärung bringen.

Zurzeit wird von einer minderen Qualität des verbauten Materials in Kombination mit einem nicht fachgerechten Einbau ausgegangen. Nach ersten Erhebungen werden die Folgekosten auf der Brandschutzseite bei ca. 200.000 bis 500.000 € und durch einen zusätzlichen Sicherheitsdienst, dieser ist für die erhöhte Alarmbereitschaft verantwortlich, bei 50.000 bis 100.000 € liegen.

Mit innovativer Brandschutzplanung auf der sicheren Seite

Der Innovations- und Kostendruck ist in den letzten Jahren ständig gestiegen und fordert zunehmend komplexe Lösungen vom Energiemanagement über die Steuerungs- und Regeltechnik bis zur Gebäudeleittechnik. Der Brandschutzplanung und deren Umsetzungen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Das Entrauchungssystem muss immer alle Funktionen, die im Brandschutzkonzept festgelegt sind, umsetzen können. Dabei stehen nicht nur besondere Probleme für die Einsatzkräfte bei der Brandbekämpfung und Personenrettung im Fokus. Die Entrauchung, in öffentlichen Gebäuden zwingend vorgeschrieben, fordert die Verwendung redundanter Systeme und zuverlässige Komponenten.

Damit Kostenexplosionen und Überraschungen wie oben beschrieben vermieden werden können, ist bereits in der Vorplanung eine detaillierte Risikoanalyse notwendig. Diese sollte auf die einzelnen Brandabschnitte ausgerichtet sein und die Entrauchung beinhalten. Wird diese fehlerhaft geplant, kann es sehr teuer werden. Im schlimmsten Fall kann die Behörde weitere Auflagen erteilen oder gar eine Versagung verfügen. Oftmals liegen die Gründe für Bauverzögerungen und höhere Kosten bei einer unzureichenden Risikoanalyse und Betrachtung der funktionalen Sicherheit, weiß Hosch-Geschäftsführer Holger Schaefe.

„Um Kosten zu sparen, kalkulieren die meisten Fachplaner bereits während der Analyse mit der niedrigsten Stufe, der SIL 1. Diese deckt jedoch die hohen Anforderungen an die Schutzziele und deren zunehmende Bewertung durch die Behörden nicht ab und stellt Fachplaner wie Betreiber vor besonderen Herausforderungen, nicht nur bei der Projektkalkulation. Als Planungsunternehmen für die Gebäudeautomation haben wir in den letzten Jahren daher an einem Komplettsystem gearbeitet, welches bereits bei der Risikoanalyse ansetzt und ein Brandschutzkonzept bis zur Entrauchung ermöglicht. Heute können Fachplaner und Betreiber auf ein vom TÜV bis SIL 3 zertifiziertes System zurückgreifen und Planungsfehler bereits im Vorfeld vermeiden“, ergänzt Schaefe von Hosch Gebäudeautomation in Teltow.

Das Brandschutzsystem basiert auf der neuartigen SlL-3-Entrauchungssteuerung rigentoS3. Sie besteht aus einer Automationsstation (AS-ER), dem sicherheitsgerichteten und fehlertoleranten Ringbussystem rigentoNet und diversen Busmodulen zur Anbindung der Sensoren und Aktoren. Zur vereinfachten Planung von Konzepten wird das System mit dem PC-Planungstool rigentoPlan zur Risikoanalyse, Dokumentation und Vereinfachung der Ausschreibungen eines rigentoS3-Systems, z. B. mit Generierung von Systemtopologien und mit GAEB-Schnittstelle zur Übertragung von Ausschreibungstexten, ergänzt. Darüber hinaus wird mit rigentoEng, als PC-Konfigurations- und Inbetriebnahmetool, das rigontoS3-System konfiguriert und somit eine einfache Inbetriebnahme der Entrauchungssteuerung ermöglicht.

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