Green Hospital Klinikum Lichtenfels

  • Green Hospital Klinikum Lichtenfels: Modell (Foto: Schuster Pechtold Schmidt).Green Hospital Klinikum Lichtenfels: Modell (Foto: Schuster Pechtold Schmidt).
  • Green Hospital Klinikum Lichtenfels: Modell (Foto: Schuster Pechtold Schmidt).
  • Green Hospital Klinikum Lichtenfels: Luftaufnahme der Baustelle (Foto: Schuster Pechtold Schmidt).
  • Green Hospital Klinikum Lichtenfels: Blick zum Haupteingang (Foto: Schuster Pechtold Schmidt/MW2).

Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen gaben im Juli 2009 den Ausschlag für die Entscheidung des Landkreises Lichtenfels zum Ersatzneubau des Klinikums. Die Kosten für eine umfangreiche Sanierung des bestehenden Helmut-G.-Walther-Klinikums aus den 1970er Jahren hätten sich auf etwa 90 Mio. € belaufen, während der Neubau mit knapp 98 Mio. veranschlagt wurde.

Neben den funktionalen und baulichen Mängeln war vor allem der Leitgedanke, ein „grünes“ Krankenhaus zu schaffen, im Bestand nicht realisierbar. Nach der Aufnahme in das Krankenhausbauprogramm des Freistaates Bayern wurde 2010 der Startschuss für den Neubau eines zukunftsweisenden, ressourcenschonenden und patientenorientierten Klinikums gegeben, das neue Haus soll Ende 2017 fertiggestellt sein.

Im Rahmen der Initiative „Aufbruch Bayern“ wurden für das Neubauvorhaben zusätzlich 8 Mio. € mit der Auflage zur Verfügung gestellt, das Klinikprojekt als Green Hospital umzusetzen. Das Konzept verbindet die Förderung notwendiger Baumaßnahmen mit innovativen ökologischen Zielsetzungen zur Verbesserung der Aufenthaltsbedingungen für Patienten, Personal und Besucher im Krankenhaus, ohne die ökonomischen Anforderungen zu vernachlässigen. Ziel der Planung ist es, die Nachhaltigkeit in Architektur, Gebäude- und Medizintechnik, aber auch im täglichen medizinischen Ablauf zu erhöhen.

Ein Krankenhaus gleicht energetisch betrachtet einer Kleinstadt im 24-Stunden-Betrieb. Entsprechend galt es im ersten Schritt, den Energieverbrauch des 276-Betten-Klinikneubaus zu minimieren. „Über 30 % des Primärenergiebedarfs wird der Neubau im Vergleich zum Altbau einsparen“, erklärt Roland Schmidt, Geschäftsführer von Schuster Pechtold Schmidt Architekten, München. Allein die Nutzung von LED-Lichttechnik und tageszeit- bzw. präsenzgesteuerten Systemen werde den Stromverbrauch bei der Beleuchtung halbieren, ergänzt Schmidt. Ferner tragen hochwärmedämmende Fassaden mit Dreifachverglasung, Tageslichtlenkungen sowie der Einsatz umweltfreundlicher Materialien und effizientester Gerätetechnik dazu bei, das Einsparpotential im energetischen Bereich auszuschöpfen. Im zweiten Schritt soll die verbliebene Restenergie zum Betrieb des grünen Krankenhauses möglichst ressourcenschonend erzeugt werden.

Für die klimaneutrale Energieerzeugung sorgen Geothermie- und Solarthermie-Anlagen, Fotovoltaik-Elemente an Fassade und Dach sowie ein mit Biomasse betriebenes BHKW mit Kraft-Wärme-Kopplung. Thermoaktive Decken ergänzen das Repertoire grüner Technologien und stellen ganzjährig ein angenehmes Raumklima sicher. Zudem hat sich das Klinikum zum Bezug von Ökostrom verpflichtet. Auch an die Zukunft wird bereits gedacht. Die Gebäudestruktur sowie das entsprechende Tragsystem sind in Modulbauweise konzipiert und gewährleisten ein hohes Maß an Flexibilität, das sowohl künftigen Nutzungsänderungen als auch dem medizinischen Fortschritt Rechnung trägt.

Neben den rein technischen Faktoren zählen zum Green-Hospital-Konzept auch gestalterische Aspekte zur Steigerung von Wohlbefinden und Behaglichkeit. Zwei versetzte Gebäudekuben charakterisieren den viergeschossigen Neubau. Ihre großen Innenhöfe sorgen für gute Orientierung und viel Tageslicht im Gebäudeinneren. Helle Fassadenflächen aus Naturstein werden durch großzügige horizontale Fensterbänder gegliedert. Farblich akzentuierte Fotovoltaikelemente sorgen für ein lebhaftes Fassadenspiel und präsentieren stellvertretend für das vielfältige Maßnahmenbündel das Leitkonzept „Green Hospital“.

Im Innern sollen helle, freundliche Räume und natürliche Materialien wie Holz etwa bei den Stützpunkten, Türen und der Mö­blierung zur schnelleren Gesundung der Patienten beitragen und zugleich eine angenehme Arbeitsatmosphäre für das Personal schaffen. Daneben bietet der Neubau oberhalb der Stadt als neue Landmarke Lichtenfels gelegen einen weiten Blick über das Obermaintal bis zum Kloster Banz, so finden Patienten hier Ruhe zur Genesung, die Bettenzimmer liegen an den Außenseiten und bieten ein hohes Maß an Intimität und Individualität.

„Nicht umsonst zählt der grüne Neubau zu den modernsten Klinikprojekten in Deutschland“, unterstreicht Schmidt. Als landesweit einer der ersten Krankenhausbauten wurde sein Planungs- und Betriebskonzept 2012 mit dem Vor-Zertifikat in Gold der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen DGNB e. V. ausgezeichnet – handelt es sich doch bereits vor seiner Fertigstellung um ein Leuchtturmprojekt mit Strahlkraft.

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