Gesundheitsökonomie

Medizinisch-technische Assistenten übernehmen Leistungsfunktionen im Krankenhaus

25.06.2011 -

Medizinisch-technische Assistenten übernehmen Leistungsfunktionen im Krankenhaus. Das Bild ist in vielen deutschen Krankenhäusern noch neu, aber man sieht es immer öfter. Medizinisch- technische Assistentinnen und Assistenten (MTA) übernehmen Leitungsfunktionen und sind Mitentscheider in zahlreichen Fragen rund um das Klinik-Management. Das betrifft zunehmend auch den technischen Einkauf.

Kein Wunder eigentlich, denn die Technologisierung gibt regelmäßig den Takt der Entwicklung in der modernen Medizin vor. Innovationen bei Mess- und Analyseverfahren, Laborgeräten, Diagnostika und bildgebenden Verfahren stellen das gesamte medizinische Personal in Kliniken ständig vor neue Herausforderungen. MTA müssen sich diesen Herausforderungen täglich neu stellen. Weiterqualifizierung ist im MTA-Beruf selbstverständlich geworden. Medizinisch- technische Assistentinnen und Assistenten sind an der Schnittstelle zwischen Medizin und Technologie oft „näher dran“ als Ärzte. Dies gilt für alle vier Fachdisziplinen der MTA: die Laboratoriums- und Veterinärmedizin, die Radiologie und Funktionsdiagnostik. So ist es denn nur folgerichtig, wenn MTA bei der Auswahl und Anschaffung technischer Geräte in Krankenhäusern immer häufiger mit einbezogen werden. Das Klinik- Management erkennt zunehmend das fachliche Know-how von MTA und bindet entsprechende Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse ein. So ist es in vielen klinischen Laboratorien üblich, dass die Leitung von kompetenten Medizinisch-technischen Laborassistenten (MTLA) vorgenommen wird. Es sind MTLA, die hier nahezu alle Schritte im labordiagnostischen Prozess selbstständig ausführen, Laborwerte biomedizinisch validieren und Befunde erstellen.

Auch die Industrie ist sich dieses Trends bewusst. Auf der Medica, der weltweit wichtigsten Fachmesse für Medizin, wird seit Jahren der enge Dialog zwischen MTA und Vertretern der Industrie gepflegt. Der Diagnostik- Spezialist Eppendorf fördert außerdem den Deutschen MTA-Preis, mit dem herausragende Arbeiten im Bereich Laboratoriums- und Veterinärmedizin und Ideen des Berufsnachwuchses auf dem Deutschen MTA-Kongress ausgezeichnet werden. Das Life-Science-Unternehmen Biozol engagiert sich mit einem speziellen Kunstpreis auf den Morphologie- Histologie-Tagen, einer der größten europäischen Fachveranstaltungen in der Laboratoriumsmedizin.

Auch in den MTA-Fachbereichen Radiologie und Funktionsdiagnostik besteht intensiver Austausch mit der Industrie, zum Beispiel beim Einsatz von Referenten in der Aus- und Weiterbildung. Große Hersteller von Geräten für bildgebende Verfahren wie Siemens lassen neue Produkte in Einführungsphasen von MTA testen. Auf Fachveranstaltungen wie den zweijährlich stattfindenden „Tagen der Funktion“ sind Unternehmen aus der Medizintechnologie mit Produktinnovationen als Aussteller vor Ort.

Vor diesem Hintergrund der wachsenden Verantwortung für Medizinisch- technische Assistentinnen und Assistenten wird deutlich, dass auch die Fort- und Weiterbildung auf neue Füße gestellt werden muss. Der bisherige MTA-Abschluss, den man nach einer dreijährigen Ausbildungsphase erhält, darf nicht mehr länger eine Einbahnstraße für die Karriere im medizinisch-technischen Bereich bleiben: Fast alle unsere europäischen Nachbarn bilden schon jetzt in äquivalenten Gesundheitsberufen auf Hochschulniveau aus. In Deutschland gibt es diesen Berufsabschluss aber für die inhaltsgleiche Ausbildung nicht. Eine berufliche Sackgasse für deutsche MTA, insbesondere vor dem Hintergrund einer steigenden Mobilität in Europa. Der Deutsche Verband Technischer Assistentinnen und Assistenten in der Medizin (dvta) verfolgt deshalb zwei wichtige Ziele: Erstens einen international vergleichbaren Berufsabschluss und zweitens die Möglichkeit einer modular gestalteten Weiter-Qualifikation (z. B. Bachelorund Masterstudium). Eine Variante wäre hier, die grundständige MTAAusbildung mit integrierter Fachhochschulreife beizubehalten und durch einen weiterqualifizierenden Hochschulabschluss die Tür zu mehr Verantwortung zu öffnen.

Nicht zuletzt aufgrund ähnlicher Bestrebungen anderer Medizin- Fachberufe mehren sich zurzeit die Signale, dass es im nächsten Jahr zu einem Ausbau der Berufsausbildung hin zu einem modularen System, das einen akademischen Grad einschließt, kommen könnte. Der dvta wird entscheidend daran mitarbeiten, zukunftsfähige Jobperspektiven für MTA zu schaffen und die Berufsgruppe als wichtigen Partner für Ärzte und Klinik-Management zu positionieren.

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