Hygiene

Risikomanagement im Krankenhaus

11.01.2012 -

Die häufigste Ursache für vermeidbare Infektionen im Gesundheitswesen sind Hygienemängel - und zwar vor allem infolge von Unkenntnis, was oft zur Missachtung eigentlich allgemein anerkannter Hygieneregeln führt.

Mehr denn je ist qualifiziertes Fachwissen gefragt. Doch gerade an dringend benötigten Hygienefachärzten und Hygienefachkräften mangelt es zahlenmäßig in Krankenhäusern. Nicht einmal jede 25. Klinik in Deutschland verfügt über einen Facharzt für Hygiene.

Zunahme an multiresistenten Keimen

Oder: Immer häufiger wird von Bakterienstämmen mit neuen Abwehrmechanismen berichtet, die schwer oder kaum noch therapierbare Infektionen verursachen. Erst kürzlich wurden in Österreich zwei Fälle bekannt, die sich in Indien an einem superresistenten Keim mit der sog. Neu-Delhi-Metallo-Beta-Lactamase (NDM-1) infiziert haben, gegen die nicht einmal mehr die Carbapeneme als Reserveantibiotika wirksam sind.

Ebenso wird von Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE), Extended spectrum betalactamase-bildenden Keimen (ESBL) oder panresistenten Acinetobacter baumanii (ACIBA) berichtet. Dabei handelt es sich um altbekannte Keime, die sich in jüngster Zeit die Fähigkeit angeeignet haben - und das ist das wirklich Neue -, den sie bedrohenden Antibiotika Paroli zu bieten. Vor allem die Breitspektrumantibiotika, zu oft und häufig falsch eingesetzt, üben einen extremen Selektionsdruck auf viele Erreger aus. Einige reagieren hierauf ähnlich wie Staphylococcus aureus mit seinem „Vetter" MRSA - und entwickeln als Überlebensstrategie die Multiresistenz gegen Antibiotika.

Hilfreich ist der Einsatz eines Antibiotika-Passes für Patienten. Kostenlos sind z.B. von der Stiftung Viamedica (www.viamedica-stiftung.de) Exemplare zu beziehen, in die alle verordneten Antibiotika eingetragen und bei Bedarf dem nachfolgend behandelnden Arzt vorgelegt werden können.

Nicht Mangel an Erkenntnissen, sondern Unkenntnis

Allen voran stellt die Händedesinfektion beim Umgang mit Patienten die wichtigste und effektivste Einzelmaßnahme dar, um die Übertragung von Keimen zu vermeiden. Denn die meisten Infektionserreger werden durch Kontakt übertragen: Dies ist ein vermeidbares Risiko.

Bereits vor 15 Jahren wurde gezeigt, dass ein um 18% gesteigertes Händedesinfizieren die Rate an nosokomialen Infektionen um 41% sinken ließ. Ein weiterer Effekt war, dass die Übertragungsrate von MRSA halbiert wurde.

Prävention von Wundinfektionen

Die Prävention von Wundinfektionen nach operativen Eingriffen erfordert den Einsatz steriler chirurgischer Instrumente und Medizinprodukte, die ordnungsgemäß aufbereitet wurden. Hierzu existieren sowohl gesetzliche Vorgaben wie auch einschlägige Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut (KRINKO), wie die Instrumentenaufbereitung ablaufen muss. Eine zentrale Forderung ist die Qualifikation der mit der Aufbereitung von Medizininstrumenten betrauten Mitarbeiter. Das bedeutet, auch hier ist das Risiko beherrschbar.

Zu den Umständen, wie und wer dieses Risiko einschätzen und - weit bedeutender - verhindern kann, hat die KRINKO detaillierte Empfehlungen herausgegeben (www.rki.de). Mit einem einfachen Berechnungsschema kann jede Einrichtung den für sie erforderlichen Bedarf an staatlich anerkannten Hygienefachkräften sowie Fachärzten für Hygiene und Umweltmedizin selbst errechnen.

Neue Landeshygieneverordnung von Baden-Württemberg

Die Empfehlungen der KRINKO dienten der seit Januar 2011 in Kraft getretenen Krankenhaushygieneverordnung von Baden-Württemberg (KHHygieneVO) als Orientierungsmaßstab für die Qualifikation und Beschäftigungszeit von Krankenhaushygienikern.

Für Krankenhäuser sowie Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen - in Baden-Württemberg und in Bayern zusätzlich auch in Arzt- und Zahnarztpraxen sowie medizinischen Versorgungszentren und stationären Pflegeeinrichtungen - sind seit Januar 2011 durch ihre neuen Landeshygieneverordnungen die Beratung und Betreuung durch Hygienefachpersonal vorgeschrieben.

Mangel an Hygienefachärzten erfordert externe Lösungsansätze

Genau an dieser Stelle wird eine riesige Lücke aufgedeckt: Von den 2087 bundesdeutschen Akut-Krankenhäusern verfügen nur 60 % über Hygienefachkräfte und nur 3,5 % über einen angestellten Facharzt für Hygiene. Der drängende Ruf nach qualifizierten Hygienikern ist nicht zu überhören. Doch anstatt für Nachwuchs zu sorgen, stagniert die Zahl an Weiterbildungsstellen an den Universitätskliniken seit Jahren und wird sogar weiter reduziert. Daher ist hier dringend eine Lösung zu finden.

Ein langjährig erprobter und bewährter Weg baut auf eine Kombination aus interner und externer Lösung. Dazu müssen zunächst die Kennzahlen der Einrichtung, deren bestehende Hygienestrukturen sowie der Fachpersonalbestand überprüft und den Vorgaben sowie dem individuellen Bedarf angepasst werden.

Die Bestandsaufnahme erfolgt durch externes Hygienefachpersonal. Dieses sichert der Einrichtung zugleich eine kontinuierliche und dauerhafte Hygienebetreuung. Die externen Krankenhaushygieniker beraten die Klinik bei allen Fragen zur Hygiene und Infektionsprävention, bewerten und interpretieren die Ergebnisse der von jedem Krankenhaus gemäß § 23 IfSG durchzuführenden Infektionserfassung und sind konstante Mitglieder der Hygienekommission. Die Einrichtungen müssen neben der Hygie¬nefachkraft ergänzend hygienebeauftragte Ärzte sowie hygienebeauftragtes Pflegepersonal aus ihrer Belegschaft qualifizieren. Zusammen sorgen sie für die Umsetzung der durch die Hygienekommission gefassten Hygieneregeln. Dieser Ansatz scheint geeignet, um dem Personalmangel auch kurzfristig effektiv und zudem kostengünstig begegnen zu können.

 

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