Semmelweis CEE Konferenz: Krankenhaushygiene-Experten fordern verschärfte Hygienemaßnahmen

  • v.l.n.r. Dr. Bernhard Küenburg, Prof. Dr. Thomas Szekeres, Dr. Michael Binder, Prof. Didier Pittet und Prof. Alexander Friedrich Foto: Semmelweis Foundationv.l.n.r. Dr. Bernhard Küenburg, Prof. Dr. Thomas Szekeres, Dr. Michael Binder, Prof. Didier Pittet und Prof. Alexander Friedrich Foto: Semmelweis Foundation

Laut dem medizinischen Fachmedium ProCare sterben in Österreich jedes Jahr 2.400 Patienten an nosokomialen Infektionen – das sind mindestens fünfmal so viele Todesfälle wie im Straßenverkehr.

Um das Bewusstsein für durch Spitalskeime verursachte Infektionen zu stärken, veranstaltet die Semmelweis Foundation am 12. und 13. März bereits zum dritten Mal die CEE Konferenz für Spitalshygiene und Patientensicherheit in Wien. Knapp 40 nationale und internationale ExpertInnen und 300 KonferenzteilnehmerInnen diskutieren an zwei Tagen über Krankenhaushygiene.

Um die gesamtgesellschaftliche Problematik der Spitalshygiene in den Griff zu bekommen, bedarf es verschärfter Hygienemaßnahmen in Gesundheitseinrichtungen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Gesundheit kann zu der Verbesserung des Status quo beitragen. Deshalb ist Vernetzung der Disziplinen das Leitthema der diesjährigen Konferenz, die unter dem Motto „Silo Busting – We urgently need more interdisciplinarity in our fragmented healthcare system“ steht.

Wir müssen reden!

„Um das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit für die Relevanz von Krankenhaushygiene zu schärfen, braucht es den Schulterschluss von Entscheidungsträger in Gesundheitswesen, Politik und Wirtschaft. Unsere Foundation wird sich auch künftig dafür einsetzen, dass nosokomiale Infektionen, Antibiotika-Resistenzen und Infektionsprävention in Spitälern thematisiert werden“, sagte Dr. Bernhard Küenburg, Präsident der Semmelweis Foundation, in seiner Eröffnungsrede.

Nationale und internationale BranchenexpertInnen diskutieren im Rahmen der zweitägigen CEE Konferenz für Spitalshygiene und Patientensicherheit mit knapp 300 TeilnehmerInnen über Infektions-prävention und Krankenhaushygiene. Neben Prof. Didier Pittet, Leiter des WHO-Programmes „Clean Care is Safer Care“ und Koryphäe auf dem Gebiet der Krankenhaushygiene, ist auch Dr. Fred Tenover, beratender Professor der Pathologie an der Stanford Universität, unter den Vortragenden des heutigen, zweiten Konferenztages.

Agieren statt reagieren

Die zweite CEE Konferenz, die 2017 in Budapest stattfand, beschäftigte sich mit der Kommunikation als Schlüssel für Infektionsprävention und -kontrolle.

Nach wie vor führen hierarchische Organisationsstrukturen innerhalb von Krankenhäusern dazu, dass neue Arbeitsmethoden sich nicht durchsetzen können. „Es gibt keine Vernetzung ohne Vertrauen – zwischen verschiedenen Abteilungen in Krankenhäusern, aber auch zwischen Patienten und Ärzten. Die Konferenz leistet einen Beitrag dazu, das Bewusstsein für eine verbesserte Kommunikation zwischen den Parteien zu stärken“, betont Prof. Alexander Friedrich vom University Medical Center Groningen.

Dr. Bernhard Küenburg, Prof. Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, und Dr. Michael Binder, Direktor des Wiener Krankenanstaltenverbundes, plädieren für mehr Aufklärung dieser Problematik. Schubladen-Denken ist eine der größten Herausforderungen in der Gesundheitspflege: Arbeiten Abteilungen nicht zusammenarbeiten, wirkt sich das auf die Qualität der Versorgung innerhalb eines Krankenhauses aus – was schließlich PatientInnen betrifft. Interdisziplinarität in der Spitalshygiene ist daher essenziell, um Gesundheitspflege in hoher Qualität zu gewährleisten. Die nächste CEE Konferenz für Spitalshygiene und Patientensicherheit findet 2021 statt.

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