Warum trägt der Hausarzt weiß und der Chirurg grün?

Wissenswertes zur Fachkleidung

  • Nicht nur in deutschen Krankenhäusern, sondern quasi weltweit gilt ein scheinbar ungeschriebenes Gesetz, nach dem Mediziner einen weißen Ärztekittel tragen. (© istock.com/Yuri Arcurs Photography)Nicht nur in deutschen Krankenhäusern, sondern quasi weltweit gilt ein scheinbar ungeschriebenes Gesetz, nach dem Mediziner einen weißen Ärztekittel tragen. (© istock.com/Yuri Arcurs Photography)
  • Nicht nur in deutschen Krankenhäusern, sondern quasi weltweit gilt ein scheinbar ungeschriebenes Gesetz, nach dem Mediziner einen weißen Ärztekittel tragen. (© istock.com/Yuri Arcurs Photography)
  • In neuerer Zeit verzichten immer mehr Ärzte ganz freiwillig auf das ehemalige Statussymbol des, weil sie auf Patienten weniger unnahbar wirken möchten: Statt Halbgott in Weiß ist nun der nette Ratgeber von nebenan gefragt. (© istock.com/vgajic)
  • Dass im OP stets Grün oder Blau getragen wird, ist ebenfalls kein Zufall: Da beim Operieren sehr helles weißes Licht benötigt wird, würden weiße Kittel das grelle Licht noch reflektieren und die Augen damit überfordern. (© istock.com/llhedgehogll)

Nicht nur in deutschen Krankenhäusern, sondern quasi weltweit gilt ein scheinbar ungeschriebenes Gesetz, nach dem Mediziner einen weißen Ärztekittel tragen, während in den OPs grüne oder blaue Spezialkleidung verwendet wird. Das ist kein Zufall, denn für die Wahl dieser Farben gibt es konkrete Gründe.

Der Weg zum Halbgott in Weiß

Nicht immer galten Ärzte als Halbgötter in Weiß: Noch bis zum späten 19. Jahrhundert trugen Ärzte sowohl in ihrer eigenen Praxis (meist einem speziell eingerichteten Zimmer in ihrem Wohnhaus) als auch in Krankenhäusern und bei Hausbesuchen gewöhnliche Kleidung, d.h. die in dieser Epoche typischen Anzüge mit langer Hose, weißem Hemd, Weste und einem knielangen Gehrock. Am liebsten wählten sie dabei die Farbe Schwarz, die als Farbe der Würdenträger galt, denn schließlich war der Arzt eine hoch angesehene Respektperson.

Da zu dieser Zeit noch allgemein geglaubt wurde, dass Krankheitserreger in der Luft herumschwirren, nahmen es die Ärzte mit der Hygiene nicht so genau. Niemand wusch sich die Hände zwischen zwei Patienten und auch die Kleidung wurde nicht so häufig gewaschen wie heute. Erst in den 80er Jahren im 19. Jahrhundert gelang es dem Berliner Mediziner und Mikrobiologen Robert Koch nachzuweisen, dass Bakterien und Viren nicht nur über die Luft verbreitet werden, sondern auch über die Hände und sogar über Kleidungsstücke, an denen sie haften bleiben. Dadurch wurde deutlich, dass Ärzte, die bei der Arbeit ständig den gleichen Gehrock trugen, Krankheitserreger zwischen ihren Patienten hin- und hertrugen. Da es jedoch nicht möglich war, die vornehmen schwarzen Gehröcke täglich zu waschen, wechselten die Mediziner zu weißen Kitteln, wie sie schon das Küchenpersonal in den Krankenhäusern trugen: Diese ließen sich problemlos täglich sehr heiß waschen, um die Krankheitskeime abzutöten. Zugleich galt Weiß nicht nur als Farbe der Reinheit, sondern auch als Farbe der Zuverlässigkeit und Perfektion - der Halbgott in Weiß war geboren.

Weiße Ärztekittel in der Kritik

Dass Fachhändler wie Kraehe heute nicht mehr nur den traditionellen langen Arztkittel anbieten, sondern auch kurze Kittel und Polohemden, hat einen guten Grund: Der traditionelle weiße Kittel ist in den letzten Jahren immer häufiger in die Kritik geraten - auch, weil es Ärzte mit der Hygiene nicht so genau nahmen und den Kittel z.B.

auch beim Essen in der Cafeteria anbehielten oder beim Wechsel zwischen Patienten und Abteilungen im Krankenhaus. So geraten viele Keime erst in den Umlauf.

Dazu verzichten auch immer mehr Ärzte ganz freiwillig auf das ehemalige Statussymbol des weißen Kittels, weil sie auf Patienten weniger unnahbar wirken möchten: Statt Halbgott in Weiß ist nun der nette Ratgeber von nebenan gefragt. Die Entwicklung begann zunächst bei Kinderärzten und Psychologen und hat mittlerweile auch reguläre Arztpraxen erreicht: Viele tragen einen kurzen Kittel, weil sie auf die praktischen Taschen nicht verzichten wollen, andere setzen dagegen auf Polohemden. In größeren Gemeinschaftspraxen sind heute spezielle Polohemden gefragt, die eine "Corporate Identity" mit bestimmten einheitlichen Farben schaffen. Oft ist sogar das Logo der Praxis eingestickt oder die konkrete Berufsbezeichnung von der Arzthelferin bis zum Laboranten. Da heutige Waschmaschinen ganz andere Optionen bieten als noch vor 100 Jahren, ist es meist sogar leichter, täglich frisch gewaschene Polohemden anzuziehen als Arztkittel, die auch noch gebügelt werden müssen.

Besondere Regeln für den Operationssaal

Dass im OP stets Grün oder Blau getragen wird, ist ebenfalls kein Zufall: Da beim Operieren sehr helles weißes Licht benötigt wird, würden weiße Kittel das grelle Licht noch reflektieren und die Augen damit überfordern. Stattdessen setzen Chirurgen auf die gedeckten Farben Grün und Blau. Diese Farben haben jedoch noch weitere Vorteile: Nach der psychologischen Farbenlehre haben Grün und Blau eine beruhigende Wirkung auf den Betrachter - was gerade im Vorfeld einer Operation sehr von Vorteil sein kann, wenn Patienten nervös und ängstlich sind. Und während Blutflecken auf einem weißen Kettel beunruhigend wirken, werden sie auf grünem oder blauem Stoff kaum wahrgenommen - auch dies trägt stark zur Beruhigung der Patienten bei, z.B. bei ambulanten Operationen ohne Narkose.

In manchen Krankenhäusern herrschen sogar strenge Regeln, wonach verschiedene Abteilungen bestimmte Farben tragen sollen: Das macht die Unterscheidung leichter und hilft auch der Wäscherei zu wissen, welche Kleidung eine spezielle Reinigung benötigt, weil die Mediziner mit infizierten Patienten gearbeitet haben. Dabei sollte selbstverständlich sein, dass OP-Kleidung wirklich nur im OP getragen wird. Wer sich in grüner OP-Kleidung in anderen Abteilungen blicken lässt, verletzt die Hygieneregen des Krankenhauses, denn so werden OP-Keime schnell in andere Bereiche getragen.

 

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