Waschmaschine als Vektor für die Keimverbreitung

  • Auch Waschmaschinen können gefährliche Keime enthalten: Dr. Dr. Ricarda Schmithausen und Dr. Daniel Exner vom Universitätsklinikum Bonn haben dies untersucht Foto: Volker Lannert/Uni BonnAuch Waschmaschinen können gefährliche Keime enthalten: Dr. Dr. Ricarda Schmithausen und Dr. Daniel Exner vom Universitätsklinikum Bonn haben dies untersucht Foto: Volker Lannert/Uni Bonn

Neonatologie-Studie belegt erstmals Übertragung antibiotikaresistenter Keime durch gewaschene Wäsche auf den Menschen.

In einer Neonatologie in Nordrhein-Westfalen wurden im Rahmen eines standardisierten Screenings im Zeitraum zwischen April 2012 und Mai 2013 wiederholt insgesamt 13 Kolonisationen von Neugeborenen auf der Neonatologischen Intensivstation beziehungsweise von dort behandelten Kindern mit einem ESBL (extended-spectrum-lactamase) produzierenden Klebsiella oxytoca-Typ nachgewiesen.

Im Falle von Infektionen mit dem Bakterium kann es insbesondere bei vulnerablen Menschen wie z.B. bei Neugeborenen zur Magen-Darm oder auch zu Atemwegsinfektionen kommen, die in bestimmten Fällen zu septischen Ereignissen mit auch letalem Ausgang führen können. 

Klebsiella oxytoca-Typ – kritisch für vulnerable Personen

Bei dem hier mittels Puls-Feld-Gel-Elektrophorese (PFGE) isolierten Klebsiella oxytoca-Typ handelte es sich um einen für dieses Krankenhaus spezifischen und bislang im Nationalen Referenzzentrum noch nicht nachgewiesenen Wildtyp (PFGE Typ 00531/ST201).

Auch wenn hier wiederholt Besiedlungen und keine Infektionen von Neugeborenen auf der Intensivstation und vereinzelt auch von behandelten Kindern auf benachbarten Stationen auftraten, wurden dennoch erhebliche Anstrengungen durch das krankenhauseigene Hygienemanagement unternommen, um die Quelle dieses Ausbruches zu identifizieren und eine Weiterverbreitung zu unterbinden.

Umgebungsmonitoring schließt weitere Übertragungswege aus

Zunächst konnten ein entsprechendes Umgebungsmonitoring und auch ein Screening des medizinischen Personals sowie der Eltern der Neugeborenen keinen Nachweis des spezifischen Klebsiella oxytoca-Typs erbringen, so dass hier auch eine Kontaktübertragung von Mensch zu Mensch nicht nachgewiesen werden konnte. Trotz Einführung von diversen Hygiene-Bündelmaßnahmen kam es zu weiteren Kolonisationsnachweisen, so dass schließlich der Leiter des Hygiene-Instituts des Universitätsklinikum Bonn als externer Begutachter hinzugezogen wurde.

Nach zusätzlicher Fokussierung auf Wasserreservoire wie u.a.

Waschbeckensiphons konnte der Klebsiella oxytoca-Typ 00531 in zwei Handwaschbecken im Personalaufenthaltsraum, aber in hohen Konzentrationen in einer handelsüblichen Waschmaschine, die zur Reinigung von handgestrickten Söckchen und Mützchen für die Neugeborenen verwendet wurde, nachgewiesen werden. Nachgewiesen wurde der K. oxytoca-Typ 00531 im Bereich des Gummidichtungsring der Waschmaschinentür und in dem ausziehbaren Waschmittelfach der Waschmaschine. Nach Identifizierung der Waschmaschine als potenzielle Quelle für die Verbreitung des spezifischen K. oxytoca-Typs, wurden nun auch die darin gewaschenen Kleidungsstücke untersucht und hier bis zu 109 KBE/ml des gesuchten 00531/ST201 Klons nachgewiesen. Nach umgehender Entfernung der Waschmaschine aus dem Krankenhausbetrieb konnte über weitere vier Jahre kein weiterer Fall mit einer erneuten Besiedlung eines Patienten mit dem o.g. Keim mehr beobachtet werden, so dass hiermit die Waschmaschine als Vektor für die Keimverbreitung anzusehen ist.

Übertragung antibiotikaresistenter Keime durch gewaschene Wäsche

Auch wenn bereits gezeigt werden konnte, dass antibiotikaresistente Bakterien in handelsüblichen Waschmaschinen persistieren können, so konnte hiermit erstmalig eine Übertragung eines bestimmten, antibiotikaresistenten Bakterienstammes durch die in der Waschmaschine gewaschene Wäsche auf den Menschen bewiesen werden.

Da in Kliniken üblicherweise spezielle für den Krankenhausbetrieb geeignete Waschmaschinen verwendet werden müssen, deren Waschsystem eine Persistenz oder Weiterverbreitung von Mikroorganismen durch hohe Waschtemperaturen und auch durch die Verwendung von Desinfektionsmitteln unterbindet, kann unter Berücksichtigung der gewonnen Kenntnisse dennoch eine Relevanz für den häuslichen Bereich abgeleitet werden.

Studien im ambulanten Bereich dringend nötig

Durch eine Zunahme von antibiotikaresistenten Erregern in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen kommt es auch zu einem zunehmenden Eintrag in den häuslichen Bereich, in dem u.a. auch vermehrt ambulante medizinische Versorgung von Menschen stattfinden, die zuvor stationär behandelt wurden. In Haushalten mit immunsupprimierten Menschen bzw. mit besonderer Vulnerabilität für Infektionen mit multiresistenten Erregern sollten demnach regelmäßig Waschgänge mit 60°C sowie eine Reinigung von Waschmitteleinschubfach und Gummidichtungsring erfolgen, um eine Weiterverbreitung von resistenten Erregern zu vermeiden.

Studienteilnehmer gesucht

Den Übertragungsweg von antibiotikaresistenten Keimen über Waschmaschinen möchte das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit noch genauer untersuchen. Zur Teilnahme aufgerufen sind Haushalte mit Personen, die zuvor aufgrund einer Besiedelung mit multiresistenten Erregern stationär isoliert wurden und Interesse haben, sich an dieser Studie zu beteiligen.

Studienleiter: Dr. Daniel Exner, Universitätsklinikum Bonn, eMail: daniel.exner@ukbonn.de

 

 

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53127 Bonn

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