Elektronische Akten im Gesundheitswesen: Ja! Aber welche?

Elektronische Akten: Sie gelten als die Nutzen stiftende Anwendung im Gesundheitswesen. Die Erwartungshaltung ist also groß, ebenso die Unklarheiten.

Das Gesundheitswesen ist einem stetigen Wandel unterworfen. Neue Versorgungsformen sind die Antwort auf den wachsenden Bedarf nach Qualitätsverbesserung. Damit einhergehend wird das Thema „Zusammenarbeit" von Tag zu Tag wichtiger. Immer mehr treten deshalb strategische Ziele und Herausforderungen in den Vordergrund, wie die Bildung von Zentren und Verbundstrukturen, eine Fallzahlsteigerung, der Personalmangel, die Festigung des Kooperationsnetzwerkes und eine innovative Geschäftsfeldentwicklung.

Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) bieten die Chance, diesen Herausforderungen effektiv zu begegnen. Mit den von allen Seiten extrem gestiegenen Erwartungen an die Kooperation der Leistungserbringer müssen sich auch die IuK-Technologien zukünftig an komplexen unternehmerischen Handlungsfeldern beweisen.

Dabei ist die einrichtungsinterne elektronische Dokumentation in Form von elektronischen Akten längst in den Einrichtungen des Gesundheitswesens angekommen und wird mehr und mehr zum Standardverfahren. Doch allzu oft endet die Digitalisierung an der Tür der jeweiligen Einrichtung. Aufgrund von Medienbrüchen bieten insbesondere Scans und Faxe kaum mehr die Möglichkeit einer nachhaltigen IT-gestützten Integration, Verwertung und Weiternutzung ihrer zugrunde liegenden Informationen in nachgelagerten Behandlungsinstitutionen.

Gerade vor dem Hintergrund einer zunehmend wichtigeren einrichtungsübergreifenden Behandlungsplanung und -koordination gewinnt jedoch eine jederzeitige Verfügbarkeit von (insbesondere strukturierten) medizinischen Informationen heutzutage vermehrt an Bedeutung. Entsprechend drehen sich die Diskussion und die Projektlandschaft in der Gesundheitswirtschaft immer stärker um den Innovationskern einrichtungsübergreifendes elektronisches Aktensystem.

Während der Aufbau einer Telematik-Infrastruktur einheitlich geregelt ist - sprich es gibt bundesweit gemeinsame Vorgaben -, erfolgt die Einführung elektronischer Aktensysteme zurzeit vor allem projektbezogen, durch Produkte der Industrie sowie in der Forschung.

Doch gab es früher noch von vereinzelte, proprietäre Insellösungen, so existiert mittlerweile eine Vielzahl an Initiativen und Produkten, die basierend auf zumeist internationalen Standards und gemeinsamen, projektübergreifenden Richtlinien an einer flächendeckenden Verbreitung elektronischer Akten arbeiten.

Darüber hinaus wird in diversen Modellvorhaben ein einrichtungs- bzw. sektorübergreifender Kommunikationsprozess erfolgreich betrieben. Von rein dokumentenbasierten Aktensystemen bis hin zu vollumfänglich feinstrukturierten Akten ist die gesamte Palette an Aktenausprägungen zu finden.

Elektronische Patientenakte (EPA), Elektronische Gesundheitsakte (EGA), elektronische FallAkte (EFA), institutionelle Elektronische Patientenakte (iEPA), einrichtungsübergreifende Elek­tronische Patientenakte (eEPA): In der öffentlichen Diskussion gibt es noch viele Unklarheiten bezüglich Begrifflichkeiten, Interoperabilität, Datenschutz und technisch-organisatorischer Rahmenbedingungen. Die Verunsicherung, was möglich ist und was nicht, ist allgemein noch sehr groß. Oftmals kommt es so zu einem Mix der Definitionen und Rahmenbedingungen, sowohl im Kontext von gleichen als auch unterschiedlichen Konzepten elektronischer Akten. Planungs- und Investitionssicherheit setzen ein Grundverständnis der Zusammenhänge im Kontext einrichtungsübergreifender Vernetzung voraus.

Für die Absicherung einer qualitativ hochwertigen Versorgung besteht dringender Handlungsbedarf, die bestehenden Unsicherheiten und Unklarheiten auszuräumen. Akzeptanz ist nur zu erreichen, wenn alle Beteiligten verstehen, welche Aktenausprägungen zu welchem Zweck benötigt werden und welche Auswirkungen die jeweilige Nutzung hat.

Um diesem Problem entgegenzuwirken bzw. um sich unabhängig zu informieren, gibt es aktuell zwei neue Möglichkeiten, mehr über einrichtungsübergreifende Kommunikation zu erfahren. Zum einen bietet das ZTG Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen Interessierten die Möglichkeit, sich im Anwenderzentrum Gesundheitstelematik in Bochum entlang verschiedener Testinstallationen von einrichtungsübergreifenden Kommunikationslösungen selbst ein Bild über aktuelle Trends zu machen.

Zum anderen hat eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Bundes- und Landespolitik sowie Vertretern der Spitzenorganisationen der Leistungserbringer, des Datenschutzes, der Industrie und der Forschung ein Grundsatzpapier erarbeitet, welches auf dem Kongress IT-Trends Medizin in Essen der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Die Perspektiven einrichtungsübergreifender Kommunikationslösungen im Gesundheitswesen hängen stark von Faktoren wie Inhalt, Verfügungsgewalt, Haftungsrecht Datenschutzanforderungen, Geschäftsmodellen u.v.a.m. ab. Anwenderzentrum und Grundlagenpapier tragen zu einem besseren Verständnis der Chancen und Potentiale von elektronischen Akten im Gesundheitswesen bei und erläutern die wesentlichen Anforderungen und Lösungsaspekte hierzu.

Es ist zu beobachten, dass sich die einrichtungsübergreifenden Kommunikationslösungen in der Praxis durchsetzen. Nicht zuletzt, da die Krankenhausträger als wesentliche Motoren dieser Entwicklung fungieren. Sollte sich dieser Trend bestätigen, könnte dies der Ausgangspunkt einer umfassenden Durchdringung des Gesundheitswesens in Richtung eines sicheren und effektiven elektronischen Miteinanders zum Wohle des Patienten sein.

 

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