Medica: Gespräch zu Schlüsseltrends in der Healthcare-IT

Medica: Gespräch zu Schlüsseltrends in der Healthcare-IT. Was sind die Kerntrends in der Healthcare-IT-Branche und wie reagieren Krankenhauspersonal und Technikanbieter auf diese? – Auf der Medica widmeten sich Dr. Keith Schlagbauer (Director of Consulting bei Frost & Sullivan), Peter Herrmann (Managing Director Continental Europe von iSoft) und Michael Reiter (Chefredakteur der Management & Krankenhaus) der Beantwortung dieser Frage. Dabei gingen sie vor allem auf die drei eng verwobenen Schlüsseltendenzen Kosten, Demografie und Qualität ein.

Die zunehmenden Ansprüche in der Bevölkerung hinsichtlich des Zugangs und der Qualität der Gesundheitsdaten lassen sich nur durch ITUnterstützung erfüllen. Der Megatrend in der Demographie zeigt, dass es in Zukunft immer mehr ältere therapie- bzw. pflegebedürftige Menschen geben wird, die einen höheren Aufwand bei den Leistungserbringern wie Krankenhäusern, Ärzten und Pflegepersonal erfordern werden, dem ein geringeres Beitragsvolumen auf Seite der arbeitenden Bevölkerung gegenübersteht. „Die elektronische Gesundheitsakte (eGK) sowie zeit- und ortsunabhängig verfügbare medizinische Informationen“, so Schlagbauer, „bieten einen Ausweg aus dieser Misere. In konkreten Fällen kann durch sie jeder am Behandlungsprozess Beteiligte auf die relevanten Daten zugreifen. Auf höherer Ebene betrachtet, ermöglichen digitale klinische Informationen den Zyklus von Forschung, konkreter Diagnose und Therapie bis hin zur Erfolgskontrolle.“ Ein Geschäftsmodell, das auch für Pharma- und medizintechnische Industrie Erfolg versprechend ist. Ziel ist eine auf den jeweiligen Patienten zugeschnittene, evidenzbasierte Versorgung.

Sicherheit und Qualität

„Demokratisierung“ der Gesundheitsinformationen stellte Herrmann die Frage nach dem Datenschutz bei Anbietern wie „Dr. Google“ und Microsoft Health Vault. „Wer mit hochsensiblen Patientendaten umgeht muss den Beweis erbringen, dass diese sicher sind. Das ist ein Punkt, an dem Anbieter weltweit noch arbeiten müssen, um das Vertrauen der Beteiligten zu gewinnen.“ Die Frage ist ohnehin, ob es einen Global Player geben muss, der den Großteil der Patientenakten verwaltet“, so Schlagbauer.

„Ich bin der Meinung, dass viele kleine Anbieter besser sind.“ Fehlende Daten führten bisher auch zu falscher Medikamentengabe. In Zukunft werden die elektronischen Daten immer mehr zunehmen. Über Dashboards wird der Zugriff auf die Akten von überall möglich. „Die Technologie dafür ist bereits vorhanden, nur an der Integration hapert es noch“, bestätigt Herrmann. Das liegt daran, dass die Mehrzahl der Investitionen auch bei Krankenhäusern stringent nach Wirtschaftlichkeitsfaktoren getroffen wird. „Im Übrigen wünschen wir uns alle Interoperabilität und sprechen uns gegen Monopole aus“, betonte Herrmann im Gespräch.

Bereichsübergreifend

Das Thema Interoperabilität verschärft sich im Zusammenhang der verstärkt intersektoralen Ansätze in der Leistungserbringung. Die Herangehensweise bei der elektronischen Patientenakte unterscheiden sich grundlegend nach patientenbzw. arztgetriebenen Ansätzen. „iSoft“, so Herrmann, „hat sich der eFA-Initiative angeschlossen, weil wir davon ausgehen, dass sich dieser von mehreren großen Akteuren getragene Ansatz durchsetzen wird.“ Er bezieht sich dabei auf ein Projekt, das mehrere Klinikketten und Fraunhofer einbezieht. Die klare Tendenz zeigt, dass die Anwender mehr Einfluss auf die IT nehmen wollen. Die Akzeptanz beim ärztlichen Personal ist heterogen. „Ärzte sind eigentlich nicht technikfeindlich“, so Herrmann. „Sie haben die Vorteile zu einem guten Stück erkannt. Auch auf kommerzieller Seite, die Wirtschaftlichkeit der Behandlungen betreffend, sind sie sehr offen. Eine Klinik entspricht ja mittlerweile einem Großunternehmen. Dennoch geht den Ärzten die Optimierung teilweise zu weit.“ Da stellt sich nur die Frage, wie man die Akzeptanz noch weiter steigern kann. Laut Schlagbauer werden Ärzte am ehesten durch die Aussicht auf Qualitätssteigerung überzeugt, d. h., wenn durch die IT Fehler vermieden werden und eine bessere Therapie möglich ist.

Fähigkeit zum Wandel

Der Marktexperte betonte, dass es im Krankenhausbereich massive Veränderungsprozesse gibt. „Es entstehen Modelle, die neue unternehmerische Vorgehensweisen erlauben. Die Radiologie kann mittlerweile beispielsweise als Unternehmen an die Börse gebracht werden“, erklärte er. „Software muss sich deshalb zur Unternehmenssoftware wandeln. Wir setzen uns mit den neuen Bereichen auseinander.“ Den Stellenwert des Wandels hob auch Schlagbauer hervor: „Softwareanbieter müssen vorerst investieren, um in den kommenden Jahren von ihrem Entwicklungsvorsprung profitieren zu können.“ Die Anwender erwarten noch weiter entwickelte Systeme. Dafür müssen sich Softwareentwickler – laut Herrmann – von proprietären Systemen abwenden. „Die Kunden fordern einen funktionierenden Workflow mit interkompatiblen Systemen. Das ist das derzeitige Hauptinvestitionsfeld von iSoft. In zwei bis drei Jahren werden wir davon profitieren“, so der Manager weiter. „Krankenhäuser beschäftigen sich mittlerweile im ambulanten Bereich auch mit Aufgaben aus dem stationären Bereich. Die Software muss sich mit den Kundenwünschen ändern.“ Schlagbauer fügte hinzu: „Es werden auch immer mehr gesundheitliche Messungen zu Hause vorgenommen. Homecare und telemedizinische Überwachung sind ein starkes Thema.“ Durch Interoperabilität, Skalierbarkeit und Migrationsfähigkeit wird eine Lösung zukunftsfähig.

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