Telemedizin: Widerständen entgegentreten

Kongresse boten Anregungen zur Sicherung und Erweiterung

Telekonsultationen in der Radiologie und Neurologie, Telemonitoring und Ärzteportale haben sich zum Vorteil der Patienten bewährt. Auch ein Kosten-Nutzen-Vergleich der Kliniken fällt positiv aus. Der 4. Fachkongress der DG Telemed bot Anregungen, durch evidenzbasierte Studien, Klärung von Rechtsfragen und Gespräche mit den medizinischen Fachgesellschaften die immer noch vorhandenen Widerstände bei Ärzten und Kostenträgern zu überwinden. Telemedizinische Innovationen und neue Anwendungsbereiche auch in der Reha und Pflege bzw. bei Ambient Assisted Living (AAL) ergänzten das thematische Spektrum des Fachkongresses.

Zum Fachkongress Telemedizin der erst 2005 gegründeten Deutschen Gesellschaft für Telemedizin kamen Anfang November in Berlin 220 Fachbesucher - deutlich mehr als bei den seit 1996 veranstalteten Fachtagungen Telemed. Die Telemed wurde vom Berufsverband Medizinischer Informatiker (BVMI), der Telematikplattform für medizinische Forschungsnetze (TMF) und der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitstelematik (DGG) gleichfalls in Berlin im Oktober veranstaltet. Um inhaltliche Doppelungen zu vermeiden und die Termine zu entzerren, soll künftig eine bessere Abstimmung erfolgen. Die Bedeutung der Telemedizin würde eine große, den Kongressen der medizinischen Fachgesellschaften vergleichbare Veranstaltung mit Parallel-Fachsequenzen durchaus rechtfertigen. Die Telemed setzte mit wissenschaftlichem Call for Papers und Review-Prozess insofern schon Maßstäbe.

Telemonitoring bei Herzinsuffizienz und -rhythmusstörungen

Prof. Dr. Michael Oeff vom Städtischen Klinikum Brandenburg und Prof. Dr. Klaus Pethig von den Evangelischen Kliniken Hamm machten während des Fachkongresses Telemedizin die hohe medizinische Bedeutung der Telemedizin bei Herzinsuffizienz deutlich. Die Krankheitsfälle werden sich aufgrund der demografischen Entwicklung dramatisch erhöhen. Die Vorteile von Telemonitoring für Patienten mit Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz, auch für Patienten, denen ein Herzschrittmacher oder ein Cardioverter-Defibrillator implantiert wurde, sind inzwischen eindeutig belegt. Prof. Oeffs und Prof. Pethigs Studien zeigten eine Verbesserung der Lebensqualität und ereignisfreien Überlebensrate, eine deutliche Reduzierung der Krankenhaus-Einweisungen und der Verweildauer.

Prof. Oeff konnte zudem berichten, dass es beim Home-Telemonitoring selbst bei Patienten mit hohem Lebensalter nur wenig Akzeptanzprobleme gibt, dass die zahlreichen begleitenden Telefonate wesentlich die Compliance verbesserten.

Telemedizin hilft Diabetes-Patienten

Eine dramatische Entwicklung ist auch bei den Diabetes-Erkrankungen mit all ihren Folgen wie Erblindung, Nieren-, Nerven- und Gefäß-Schäden zu erwarten, in den letzten zehn Jahren ist bereits eine Verdoppelung der Erkrankungsrate erfolgt. Prof. Dr. Stephan Martin vom Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum der Sana Kliniken Düsseldorf wies darauf hin, dass Telemedizin für die Betreuung von Diabetes-Patienten besonders wirksam ist. Die Überwachung der Therapie kann so verbunden werden mit aktiver Mitarbeit des Patienten, ihn zur entscheidenden Lebensstiländerung motivieren. Hinzu kommt, dass die Patienten, deren Blutzuckerwert optimal eingestellt ist, durch weit geringere Infektionsraten im stationären Aufenthalt belastet sind und somit kürzere Liegezeiten haben.

Neues aus dem Klinikum der Universität Greifswald

Das Institut für Community Medicine der Universität Greifswald ist durch das innovative Versorgungsmodell AGnES (Arztentlastende, Gemeindenahe, E-Health-gestützte, Systemische Intervention) bekannt geworden. Inzwischen hat sich dieses zur Entlastung der Hausärzte in einem Flächenland mit starkem Bevölkerungsrückgang und einem hohen Anteil alter Menschen in mehreren Bundesländern bewährt. Fortlaufend wird dieses Konzept weiterentwickelt u.a. für die Betreuung von Glaucom- und Demenz-Patienten.

Immer wird dabei durch Delegation ärztlicher Tätigkeiten und in Abstimmung mit den Hausärzten Patienten nach ihrem Klinikaufenthalt eine telemedizinische Betreuung durch medizinisches Hilfspersonal geboten, das fortgebildet ist und bei bestimmten Ereignissen nach Vorgaben interveniert.
Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann, der Projektleiter des im September 2008 gegründeten Integrierten Funktionsbereich Telemedizin des Universitätsklinikums Greifswald, berichtete auf dem Fachkongress „Telemedizin 2009" von drei aktuellen Projekten. Neben der medizinischen Überwachung von Herzinsuffizienzpatienten werden in Kooperation mit der Schmerzambulanz und der Tagesklinik für Psychiatrie durch speziell ausgebildete Pflegekräfte Schmerzpatienten und psychisch Kranke betreut.

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