Campus Berlin-Buch: knapp 500 Mio. Euro investiert

Campus Berlin-Buch: knapp 500 Mio. Euro investiert. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse hat den Campus Berlin-Buch als erfolgreiches Beispiel für den Aufbau Ost gewürdigt. Aus Anlass der 15-Jahr- Feier des Campus sagte er Ende Oktober 2007: „Berlin-Buch ist ein Beispiel dafür, wie der Aufbau Ost gelingen kann, wie Herausforderungen des Umbruchs gemeistert werden, wie das Vertrauen der Menschen in die Zukunft der Region, in ihren Eigenwert und in ihre Eigenverantwortung bestärkt werden. Der Campus Buch ist eine Erfolgsgeschichte, und dies im ehemaligen Osten.“ Weiter sagte er: „Bis zum Jahre 2007, 15 Jahre nach der Wiedervereinigung, wurden in Buch ca. 500 Mio. € investiert und damit ca. 4.000 Arbeitsplätze geschaffen bzw. gesichert. Allein im Biotech-Park haben sich inzwischen über 50 Unternehmen mit rund 500 Beschäftigten angesiedelt.“

Der Campus Berlin-Buch mit seinen Forschungseinrichtungen, Kliniken und Biotechfirmen war nach der Wende 1992 neu strukturiert und ausgebaut worden. Derzeit arbeiten dort rund 2.200 Menschen, in der Gesundheitsregion Buch insgesamt rund 5.000. Von 1992 bis Ende 2006 flossen allein in den Campus Berlin- Buch rund 420 Mio. €. Davon entfielen 240 Mio. € auf den Aufbau einer modernen Infrastruktur für die biomedizinische und biotechnologische Forschung. Die Mittel kamen vom Berliner Senat, dem Bundesforschungsministerium (BMBF), der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GA-Mittel), der Europäischen Union, dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) und der Deutschen Krebshilfe.

180 Mio. € für die Biotech­nologie

Weiter steckten Biotechnologie- und Medizintechnik-Unternehmen rund 140 Mio. aus privater Hand in die Entwicklung ihrer Firmen, hinzu kamen 40 Mio. € Fördermittel der öffentlichen Hand. Insgesamt flossen in den Bereich Biotechnologie des Campus Berlin-Buch rund 180 Mio. €. Der Biotechnologiepark zählt inzwischen mit Heidelberg und Martinsried zu den drei größten in Deutschland.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin- Buch war das erste Forschungsinstitut auf dem Campus, das 1992 gegründet worden ist. Es ging aus drei Zentralinstituten der Akademie der Wissenschaften der DDR hervor.

Den Ausschlag für die Gründung des MDC hatten zwei Forschungskliniken der Akademieinstitute gegeben. Diese beiden Kliniken, die Robert-Rössle-Klinik für Krebserkrankungen und die jetzige Franz- Volhard-Klinik für Herz-Kreislauf- Krankheiten gehören inzwischen zur Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Buch und zum privaten Klinik-Konzern Helios in Berlin- Buch.

Seit sieben Jahren ist auch das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) Teil des Campus. Es war im Oktober 2000 von Berlin- Friedrichsfelde nach Berlin-Buch in einen Neubau gezogen, um enger mit dem MDC zusammenarbeiten zu können. Inzwischen hat sich diese Kooperation auch auf den Bau eines gemeinsamen Forschungslabors für die medizinische Genomforschung, eines Tierhauses und auf eine gemeinsame Berufung ausgedehnt.

Prof. Walter Birchmeier: „Vom Gen zum Netzwerk“

Der Campus Berlin-Buch zeichnet sich nach den Worten von MDC-Stiftungsvorstand Prof. Walter Birchmeier durch seine Exzellenz in der biomedizinischen Forschung aus und dadurch, dass die Forscher über ihre einzelnen Disziplinen hinweg miteinander zusammenarbeiten. Dazu gehöre die Kooperation mit den Kliniken. Als Beispiel für die interdisziplinäre Forschung in Berlin- Buch nannte Prof. Birchmeier die Entdeckung eines Gens, das nach Mutation das Risiko erhöht, bereits in jungen Jahren an plötzlichem Herztod zu sterben. „Dieses Entdeckung war nur möglich, weil Krebsund Herz-Kreislauf-Forscher sowie Kliniker in Berlin-Buch eng zusammen arbeiten“, betonte er. Zwar können die genetischen Ursachen nicht behoben werden, doch kann ein Gentest in einigen Fällen zu einer vorbeugenden Behandlung führen. Betroffene, die ein besonders hohes Risiko für einen plötzlichen Herztod haben, erhalten einen Defibrillator, wenn ihr Herz droht, aus dem Takt zu geraten. Er bringt im Notfall das Herz durch einen Stromstoß wieder in den normalen Rhythmus.

Weiter waren Forscher des MDC an der Entdeckung eines Gens beteiligt, das das Risiko an Alzheimer zu erkranken, erhöht. „Das eröffnet die Möglichkeit, gezielt nach Medikamenten zu forschen, die die Ablagerung der gefährlichen und für Alzheimer charakteristischen Eiweißablagerungen verhindert.“ In Zukunft wird die Forschung jedoch laut Prof. Birchmeier nicht mehr nur die Funktion einzelner Gene erforschen, sondern wie alle Gene miteinander interagieren und wie die Genprodukte, die Proteine, miteinander wechselwirken. „Wir betrachten nicht mehr nur die einzelne Blume, sondern die ganze Wiese“, sagte er. Zu Beginn seiner Rede hatte er die Aufbauarbeit von MDC-Gründungsdirektor Prof. Detlev Ganten, dem jetzigen Vorstand der Charité gewürdigt, dessen Nachfolge er 2004 angetreten hatte.

In Deutschland einmalige Verbindung

Prof. Ganten sagte: „Wir haben auf Empfehlung des Wissenschaftsrats das MDC vor 15 Jahren als Modell für die klinische Forschung gegründet. Damit begann die dritte Generation der biomedizinischen Forschung in Berlin-Buch. Begonnen hatte die erste Generation 1930 mit dem Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung und die zweite nach 1945 mit den medizinisch-biologischen Instituten der Akademie der Wissenschaften der DDR bis 1991.“ Er betonte: „Heute verfügt der Campus unter dem Dach der molekularen Medizin über eine in Deutschland einmalige Verbindung von Grundlagenforschung, klinischer Forschung und Biotechnologie“.

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