Medizin & Technik

Adipositas: Übergrößen sind gefragt

30.11.2010 -

Adipositas wird in Deutschland zunehmend zu einem ernsthaften Problem. Die Zahl der stark übergewichtigen Menschen hat in den vergangenen Jahren immens zugenommen, sodass sich auch Krankenhäuser in ihrer Ausstattung zunehmend auf diese Patientengruppe einstellen müssen. Das beginnt bei der Wahl der passenden Betten, Liegen und OP-Tische und reicht bis zu chirurgischen Instrumenten. Diese sind für stark übergewichtige Patienten mit bis zu 40 cm extra lang, damit der Operateur das dickere Fettgewebe durchdringen kann, und werden insbesondere in der Gynäkologie sowie der Darm- und Rektalchirurgie benötigt. Durch die steigende Nachfrage hat in Deutschland auch die Bandbreite der XXL-Instrumente zugenommen. Sie reicht von Scheren, Skalpellen und Zangen bis hin zu Klemmen und Pinzetten.

Das Krankenhaus Sachsenhausen in Frankfurt hat sich als zertifiziertes Kompetenz- und Referenzzentrum für Adipositas und metabolische Chirurgie auf Patienten mit krankhaftem Übergewicht spezialisiert. Um sie problemlos medizinisch versorgen zu können, umfasst die Ausstattung des Krankenhauses u.a. spezielle Betten, OP-Tische, Patienten-Lifter, Waagen und chirurgisches Instrumentarium. „Ob OP-Tisch oder Bett - beide müssen die hohe Belastung des Körpergewichts der Patienten aushalten", berichtet Martin Blaha, Medizintechniker am Krankenhaus Sachsenhausen.

Während normale Krankenhausbetten bis 170 kg lastbar sind, halten die speziellen Adipositas-Betten sogar extreme Belastungen von bis zu 500 kg aus. Da viele stark adipöse Patienten bettlägerig sind, ist das Risiko eines Dekubitus enorm erhöht. Hier werden spezielle Dekubitus-Matratzen eingesetzt, die den Patienten über Luftdruck anheben, den Auflagedruck der gefährdeten Körperzonen reduzieren und so das Wundliegen verhindern.

Die eingeschränkte Mobilität eines Adipositas-Patienten erfordert häufig auch den Einsatz von speziellen Liftern, mit denen er aus dem Bett gehoben wird. So hat das Klinikpersonal die Möglichkeit, das Bett zu wechseln und den Patienten zu reinigen.

Außerdem ist es möglich, die Betten mit einer Waage ausstatten zu lassen, um bettlägerige Patienten darin wiegen zu können. Blaha: „Bevor der Patient hineingelegt wird, wird zunächst das Taragewicht des Bettes bestimmt." Für stark übergewichtige, aber durchaus mobile Menschen stehen hingegen Waagen mit extra großen Plattformen zur Verfügung. Das Display ist dabei nicht an der Waage installiert, sondern wird abseits der Plattform aufgestellt, um dem Patienten ausreichend Platz zu geben.

Um schwergewichtige Menschen von einem Ort zum anderen bringen zu können, sind am Krankenhaus Sachsenhausen zudem Schwerlast-Rollstühle im Einsatz, die ein Gewicht bis zu 350 kg aushalten und eine extra breite Sitzfläche bieten. Für den Transport adipöser Patienten werden außerdem verstärkte Liegen eingesetzt.

Auch ein OP-Tisch muss das erhöhte Körpergewicht des Patienten pro¬blemlos tragen können. In seiner Bauform unterscheidet sich ein normaler Tisch nicht wesentlich von einem Adipositas-Modell - sie sind alle aus Edelstahl gefertigt. „Es ist lediglich eine Belastungsfrage, die sich u.a. in der Dimension der konstruktiven Elemente widerspiegelt", berichtet Medizintechniker Blaha.

Die speziellen Modelle sind deutlich robuster ausgelegt. „Das ist Maschinenbau vom Feinsten", sagt Blaha. Die robusten Spezial-Tische können zudem auch für Operationen bei normalgewichtigen Patienten eingesetzt werden. Ein Nachteil der speziellen Edelstahl-Tische ist jedoch die nicht vollständig vorhandene Röntgendurchlässigkeit, die bei chirurgischen Eingriffen in der Herz-, Gefäß- und Neurochirurgie von Bedeutung ist.

Bei Eingriffen im Bereich des Bauchraums benötigt der Arzt oft zusätzliche Hilfe, um die Bauchdecke anzuheben. Hierfür gibt es ein Haltesystem in Form eines Hilfsarms mit drei Gelenken. „Dieser Arm wird über Druckluft an seinen Gelenken flexibel und erstarrt in der gewünschten Stellung, sobald die Druckluft abgeschaltet wird", sagt Blaha.

Neben der Behandlung ist auch die Diagnose von Krankheiten bei fettleibigen Menschen häufig erschwert - u.a. weil sie nicht mehr in einen Computertomografen (CT) oder Magnetresonanztomografen (MRT) passen und die dickeren Fettschichten unter der Haut eine Diagnose extrem erschweren. Um jedoch auch für diese Patientengruppe die diagnostischen Möglichkeiten zu verbessern, hat Philips vor einigen Jahren einen offenen Hochfeld-Kernspintomografen auf den Markt gebracht. „Während ein normales MRT mit einer Tunnelöffnung von 60-70 cm sehr limitiert ist, hat der Panorama-MRT einen Durchmesser von 160 cm und bietet damit auch dicken Patienten ausreichend Platz", berichtet Annette Halstrick, Pressereferentin des Unternehmens. Das Magnetfeld ist bis zu vier Mal so groß wie bei herkömmlichen offenen MRTs, sodass die Bilder qualitativ hochwertig sind. Während der Patient ausreichend Bewegungsfreiheit hat, ermöglicht das größere Gerät dem Arzt ein erweitertes Diagnosespektrum. Da der Patient bewegt werden kann, erfasst das MRT auch wichtige orthopädische Funktionen.

Auch auf eine CT-Untersuchung muss bei übergewichtigen Menschen nicht mehr verzichtet werden. Möglich macht das ein ebenfalls von ¬Philips entwickeltes Gerät, das über eine besonders große Öffnung verfügt. Anstatt nur 75 cm haben die Patienten während der Untersuchung im Scanner 85 cm Platz. Aber selbst die breiteste CT-Röhre und der offenste MRT nutzen dem Patienten nichts, wenn die Tische, auf dem er in das Gerät geschoben wird, sein Gewicht nicht tragen können. Hierfür werden mittlerweile spezielle Modelle eingesetzt, die einerseits mit 85 statt 75 cm deutlich breiter sind, andererseits teilweise bis zu 375 kg tragen können.

Neben CT und MRT entwickelte Philips auch einen Ultraschallkopf für adipöse Patienten, der die Bildqualität deutlich verbessern soll. Halstrick: „Eine neue Technologie korrigiert anhand eines speziellen Algorithmus die Verzerrungen, die im Bild entstehen, wenn ein Patient eine dicke Fettschicht unter der Haut oder um die inneren Organe hat. Außerdem nutzt der Schallkopf eine sehr niedrige Frequenz und hat daher eine hohe Eindringtiefe in das Gewebe. Eine Fett- oder dicke Bindegewebsschicht kann dadurch problemlos während der Untersuchung überwunden werden."

Kontakt

Krankenhaus Sachsenhausen

Schulstr. 31
60594 Frankfurt

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