Medizin & Technik

Endoskopie zum Anfassen

Trends auf dem 40. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Endoskopie und Bildgebende Verfahren

26.03.2010 -

Die Erkennung und Abtragung von Frühkarzinomen rückt immer mehr in den Fokus der Endoskopie. Bislang hat der behandelnde Arzt die befallene Schleimhaut mittels der endoskopischen Mukosaresektion (EMR) in mehreren kleinen Stücken abgetragen, zu der auch die Schlingenresektion oder die Kappenmukosektomie gehört. Zwar sind diese Verfahren erfolgreich, sie haben aber auch Schwächen. So bleibt die Größe der in einem Stück resezierbaren Läsionen begrenzt, größere Flächen müssen damit in mehreren Schritten in der sogenannten „Piecemeal"-Technik abgetragen werden. Dadurch können Pathologen häufig nicht einschätzen, ob ein Tumor tatsächlich „im Gesunden" entfernt ist, wenn die Einzelstücke nicht wie ein Puzzle zusammensetzbar sind.

Mittlerweile ist es möglich, durch die sog. Endoskopische Submukosadissektion (ESD) „en bloc" Resektionen durchzuführen, bei denen das Gewebe in einem Stück einschließlich einer Sicherheitszone am Rand entfernt wird. „Mit dieser Technik sammelt Japan bereits seit mehr als zehn Jahren Erfahrungen, in Deutschland ist sie seit maximal fünf Jahren an Zentren im Einsatz", berichtet Prof. Dr. Jürgen Hochberger, Chefarzt der Gastroenterologie am St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim. Hierzulande etablieren sich erste spezialisierte Endoskopie-Abteilungen, die „en bloc" Resektionen durchführen - zum Beispiel bei der Behandlung von Frühkarzinomen in Magen, Enddarm und Speiseröhre. Hochberger: „Die Karzinome werden endoskopisch abgetragen, sodass ein großer Eingriff nicht mehr nötig ist. Auch weiß man, dass die Lokalrezidivrate durch die „En bloc"-Resektionstechnik signifikant reduziert werden kann, in einzelnen Studien auf unter 1%."

Um auch deutschen Ärzten die ESD näherzubringen, werden beim 40. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Endoskopie und Bildgebende Verfahren (DGE-BV), der im März in Hannover stattfindet, internationale Spezialisten zum Thema referieren. Das Motto des diesjährigen Kongresses ist „Endoskopie zum Anfassen". Auf unterschiedliche Art und Weise wollen die Organisatoren dies im Programm verwirklichen - unter anderem mit Hands-on-Training, Live-Übertragungen zu klinischen Fällen und zu NOTES, Experten-Videos und vielem mehr. Bereichert wird der Kongress durch die Jahrestagung der Norddeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie (NDGG). Neben chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und gastroenterologischer Onkologie beleuchtet die NDGG gemeinsam mit dem Bund der niedergelassenen Gastroenterologen Deutschlands (BNG) auch berufspolitische Aspekte und die Vernetzung von Krankenhaus und Praxen. Die Deutsche Gesellschaft für Endoskopie-Assistenzpersonal und das Assistenzpersonal in der NDGG haben darüber hinaus gemeinsam ein Assistenzprogramm zusammengestellt.

Kongress-Neuheiten und -Schwerpunkte

Zu den Schwerpunkten des Kongresses gehören Live-Übertragungen in die Messe. „Trotz des hohen Aufwands ist der didaktische Wert von Live-Übertragungen unerreicht. Das endoskopische Forum gestaltet in diesem Jahr die Satelliten-Übertragung aus dem St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim und der Medizinischen Hochschule in Hannover. Auch aus Mariensee wird in einer zweiten Sitzung live übertragen. Gemeinsam mit der Deutschen NOTES-Arbeitsgruppe werden neben Vorträgen neue Techniken aus vier NOTES-Forschungs-OPs gezeigt und geben Einblick in Verfahren, die vielleicht zur Routine des Endoskopikers der Zukunft gehören werden", sagt Hochberger, der auch Mitgründer der D-NOTES-Arbeitsgruppe ist. Seiner Meinung nach steht NOTES - ein Verfahren, bei dem der Operateur seine Instrumente über natürliche Körperöffnungen wie Speiseröhre, Scheide oder Enddarm in das Körperinnere einführt - noch am Anfang der klinischen Entwicklung: „Es benötigt noch viele Jahre, bis man einschätzen kann, welche Methode besser ist - NOTES oder die minimal-invasive Chirurgie über starre Instrumente." Ein mögliches Feld, in dem sich das Verfahren durchsetzen könnte, ist laut Hochberger die Kinderchirurgie: „Hier ist eine sehr kleine Anatomie vorhanden, in der es insbesondere auf eine starke Vergrößerung und mikrochirurgisches Arbeiten ankommt." Auch Eingriffe im hinteren Bauchabschnitt, die mit einem Laparoskop nur schwer durchzuführen sind, könnten künftig durch NOTES und flexible OP-Endoskop-Plattformen erleichtert werden.

Ein weitere Neuheit, mit dem sich der Kongress im März beschäftigen wird, sind spezielle Macro-Clips für das Endoskop zum Verschließen eines Defekts - z.B. postoperativ oder postinterventionell. Für die endoskopische Diagnostik sind es hochauflösende Videochips in HDTV-Technik, die zusätzlich auf Knopfdruck bestimmte Lichtfrequenzen stärker darstellen. „Letztere können zum Beispiel die Struktur von Krebsgeschwülsten kontrastreicher darstellen und ‚atypische‘ Tumor-Blutgefäße als früher Indikator besser herausarbeiten. Das ist wichtig für die Früherkennung von Tumoren in den Schleimhäuten des gesamten Verdauungstraktes", berichtet Hochberger. Ein weiterer Kongress-Höhepunkt ist das interdisziplinäre Komplikationsmanagement, das in einem eigenen Symposium die sog. „Endoskopische Vakuum-Schwamm-Therapie" sowie die optimale Behandlung von Blutungen und Fremdkörperentfernungen im Verdauungstrakt erörtert.

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