Intensivmedizinische Fortbildung verbessert Versorgungsqualität und Patientensicherheit

  • Dr. med. Matina Heinrichs, ­Geschäftsführerin, AQAI Simulationszentrum, Mainz (Foto: AQAI).Dr. med. Matina Heinrichs, ­Geschäftsführerin, AQAI Simulationszentrum, Mainz (Foto: AQAI).
  • Dr. med. Matina Heinrichs, ­Geschäftsführerin, AQAI Simulationszentrum, Mainz (Foto: AQAI).
  • Prof. Dr. med. Wolfgang Heinrichs, wissenschaftlicher Leiter,  AQAI Simulationszentrum, Mainz(Foto: AQAI).

Die Intensivmedizinische Fortbildung mittels Simulation verbessert die Versorgungsqualität und Patientensicherheit in der Intensivmedizin. Eine der wenigen Einrichtungen in Europa, die eine umfassende, praxisorientierte Fortbildung in der Intensivmedizin anbieten, ist das AQAI Simulationszentrum in Mainz. Mit modernsten „Full-Scale"-Simulatoren spricht man dort alle Berufsgruppen in der Intensivmedizin an - von Ärzten in der Fachweiterbildung Intensivmedizin bis zum erfahrenen Facharzt.

Dr. Jutta Jessen sprach mit dem wissenschaftlichen Leiter der Einrichtung, Prof. Dr. med. Wolfgang Heinrichs, und der Geschäftsführerin der AQAI GmbH, Dr. med. Matina Heinrichs, über Simulation, Versorgungsqualität und Patientensicherheit.

M & K: Welchen Bedarf gibt es an Fortbildung in der Intensivmedizin?

Prof. Dr. Wolfgang Heinrichs: Die derzeitige Situation in der Intensivmedizin ist durch eine hohe Fluktuationsrate im Personalbereich gekennzeichnet. Hieraus ergeben sich zwangsläufig enorme Anforderungen an intensivmedizinische Basisschulungen neuer Mitarbeiter. Ferner muss das Stammpersonal fortgebildet werden - dies umso mehr, als neue Verfahren, Geräte und Leitlinien eine kontinuierliche Herausforderung darstellen.

Mit welchen Methoden deckt man bislang weitgehend diesen Bedarf?

Prof. Dr. Wolfgang Heinrichs: Man realisiert das mit Frontalunterricht auf Kongressen und in Seminaren; mit Artikeln in Fachzeitschriften, und mit dem Lernen „hands-on" am Patienten und am Tier. Ob man damit den tatsächlichen Bedarf auch nur annähernd decken kann, darf bezweifelt werden.

Wie funktioniert simulationsbasierte Fortbildung?

Prof. Dr. Wolfgang Heinrichs: Wir wollen dies anhand von drei Beispielen näher erläutern:
Beatmungs- und Notfalltage für die Fachweiterbildung Intensivpflege: Die Schülerinnen und Schüler kommen in Gruppen von etwa 15 Teilnehmern für einen ganzen Tag in das Simulationszentrum. In Kleingruppen erarbeiten sie anhand kurzer Präsentationen die Grundlagen der Beatmung und setzen die Inhalte unmittelbar im Anschluss am Patientensimulator in die Praxis um.

Der Patientensimulator wird dabei so programmiert, dass typische Krankheitsbilder vorgestellt werden, die die Teilnehmer mit den verschiedenen Beatmungsmethoden - von der nicht-invasiven Beatmung über unterstützende Beatmungsformen bis hin zur kontrollierten Beatmung - behandeln.

Der Erfolg der Behandlung ist unmittelbar anhand der Gasaustauschparameter messbar.

Differenzierte Beatmung für Ärzte und Intensivpflegepersonal im Team: An mehreren Tagen werden komplexe Beatmungsmethoden, automatische Beatmungsverfahren, die Hochfrequenzoszillation und extrakorporale Verfahren gleichermaßen erarbeitet. Die Entwöhnung von der Beatmung stellt einen eigenen Teil dieser Schulungspakete dar. Schließich werden typische Notfallszenarien durchgespielt und anhand von Videoaufnahmen besprochen - z.B. „wie reagiert man bei einem plötzlichen Abfall der Sauerstoff-Sättigung unter Beatmung" oder „was tun, wenn konventionelle Beatmung versagt".

Als besondere Innovation hat AQAI zusammen mit der Schweizer Firma Organis die „TestChest" entwickelt. Dies ist ein Lungensimulator, der die menschliche Lungenfunktion so präzise darstellen kann, dass auch schwierigste Situationen realistisch geübt werden können.

Hämodynamisches Monitoring in der Intensivmedizin: Ein häufiges Krankheitsbild in der Intensivmedizin ist das Herz-Kreislauf-Versagen, das unterschiedliche Ursachen haben kann. Die Basis der zielgerichteten Intensivtherapie ist dabei die exakte hämodynamische Beurteilung des Patienten. AQAI hat spezielle Modelle entwickelt, mit denen die Diagnostik und Therapie verschiedener Krankheiten - z.B. Sepsis, Herzversagen, Volumenmangel - physiologisch und pathophysiologisch korrekt am Simulator dargestellt werden können. Hierbei werden auch modernste Verfahren (z.B. PiCCO) in die Simulation integriert. AQAI führt diese Schulungen nicht nur selbst durch, sondern unterstützt weltweit Simulationszentren mit Software und den zugehörigen Lernmodulen.

Welche konkreten Vorteile bringt diese Methode?

Prof. Dr. Wolfgang Heinrichs: Nach wie vor sieht die Praxis so aus, dass junge Ärzte und Pflegende am Patienten lernen müssen, weil geeignete Patienten-unabhängige Schulungen nicht zur Verfügung stehen. Von einigen Zentren bzw. privaten Anbietern werden außerdem Seminare mit Durchführung von Tierversuchen angeboten.

Bis vor Kurzem gab es hierzu keine echte Alternative, wenn Lerninhalte in die Praxis umgesetzt werden sollten. Hier ist die Simulation von unschätzbarem Wert: Simulationsszenarien sind wesentlich reproduzierbarer und mit realistischen Modellen ausgestattet, sodass man künftig auf Tierversuche weitestgehend verzichten kann. Lernen am Patienten ist ferner aus ethischen und rechtlichen Gründen zunehmend problematisch. Jeder Intensivmediziner, jede Intensivpflegekraft sollte daher die Gelegenheit haben, sich an Simulatoren das nötige Rüstzeug für die tägliche Arbeit anzueignen. Die Vorteile für die Sicherheit unserer Patienten liegen dabei auf der Hand.

Welche Kurse bietet AQAI an?

Dr. Matina Heinrichs: Neben den genannten intensivmedizinischen Kursen bieten wir Weiterbildung für Anästhesie, Notfallmedizin, Innere Medizin, Kardiologie und verschiedene Teamtrainings an, z.B. Schockraummanagement. AQAI ist mit derzeit über 450 Schulungstagen und mehr als 5.000 Teilnehmern pro Jahr einer der größten privaten Anbieter in Europa.

Mit welchen Organisationen arbeiten Sie zusammen?

Dr. Matina Heinrichs: AQAI unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und den Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) bei der praktischen Werbung für das Fachgebiet Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie im Rahmen von Roadshows und Summer School für Medizinstudenten. Ferner arbeiten wir mit der Marburger Bund Stiftung und mehreren privaten Krankenhauskonzernen zusammen.

Wo liegen die Perspektiven?

Dr. Matina Heinrichs: Der Rückblick auf die Entwicklung der Simulation zeigt eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Modelle von der einfachen Reanimationsschulung bis hin zum komplexen Crisis-Resource-Management, also Zwischenfallmanagement, in der Anästhesie. Parallel dazu hat sich in anderen Fachgebieten die Simulation in Form von Skills-Trainern und virtueller Realität entwickelt.

In der Intensivmedizin sind die Anforderungen an Simulatoren, Lernmodule und Trainer besonders hoch, da komplexe Krankheitsbilder in der Gesamtheit der zeitlichen Entwicklung abgebildet werden müssen. Nur wenige Schulungszentren können das bislang leisten. AQAI verzeichnet ein zunehmendes Interesse an diesen Fortbildungen, denn es steht außer Frage, dass gerade in diesem komplexen Gebiet der Medizin eine hoch qualifizierte Simulation die Versorgungsqualität und damit die Patientensicherheit signifikant erhöht.


Zur Person

Dr. Matina Heinrichs, Geschäftsführerin des AQAI Simulationszentrums, Jahrgang 1959, studierte in Göttingen und Mainz. Im Jahr 1997 wurde sie Fachärztin für Anästhesiologie. Ihre klinische Tätigkeit absolvierte sie in der Zeit von 1989 bis 2007 am St. Josefs-Hospital Wiesbaden und an der ­Horst-Schmidt-Klinik Wiesbaden. Der Schwerpunkt lag von 2005 bis 2007 in der Tageschirurgie. Ab 2003 sammelte sie Erfahrungen mit Simulatoren und startete die Ausbildung zur Simulatorinstruktorin. Seit 2003 ist Matina Heinrichs Geschäftsführerin der AQAI GmbH, Simulationszentrum Mainz, und seit 2007 Vollzeit in der Simulation tätig.

Zur Person

Prof. Dr. Wolfgang Heinrichs, wissenschaftlicher Leiter des AQAI Simulationszentrums, Jahrgang 1950, absolvierte sein Studium in Münster und erwarb 1981 den Facharzt für Anästhesiologie. 1987 folgte die Habilitation und Venia legendi in Anästhesiologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Die Ernennung zum Universitätsprofessor (C3) kam 1993. Im Jahr 1997 gründete er das Simulationszentrum an der Klinik für Anästhesiologie Mainz. Seit 2003 ist er als Gründer und Gesellschafter des AQAI Simulationszentrums Mainz tätig. Seit 2010 ist Heinrich geschäftsführender Gesellschafter und Vollzeit-Mitarbeiter in der Simulation: „Berufssimulant".

 

 

 

 

 

 

 

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Wernher-von-Braun-Straße 9
55129 Mainz
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