OP der Zukunft – Herzstück des Klinikums Ludwigsburg

  • Dr. Andrea Grebe, medizinische Geschäftsführerin der Regionalen Kliniken Holding RKH GmbH (Foto: RKH).Dr. Andrea Grebe, medizinische Geschäftsführerin der Regionalen Kliniken Holding RKH GmbH (Foto: RKH).

Im Rahmen einer Kernsanierung wurde die zentrale OP-Abteilung des Klinikums Ludwigsburg umgebaut, medizintechnisch auf den neusten Stand gebracht und erweitert. Zu den realisierten Besonderheiten des neuen Zentral-OPs, der federführend von einem multidisziplinären Team der HWP Planungsgesellschaft mbH (HWP) in Stuttgart geplant und realisiert wurde, zählen das digitale OP-System, der Hybrid-OP, eine innovative Betriebskonzeption sowie ein ergonomisches Licht- und Farbkonzept. Management & Krankenhaus sprach mit Dr. Andrea Grebe, medizinische Geschäftsführerin der Regionalen Kliniken Holding RKH GmbH.

M&K: Welchen Stellenwert für die medizinische und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit messen Sie der neuen OP-Abteilung im Klinikum Ludwigsburg zu?

Dr. Andrea Grebe: Das Klinikum Ludwigsburg ist unser größtes Haus im Klinikenverbund. Außer Herzchirurgie und Transplantationsmedizin bieten wir hier alles an. Als Haus der Maximalversorgung nimmt das Klinikum Ludwigsburg eine wichtige Stellung im Verbund unserer insgesamt zehn Kliniken ein. Die neue zentrale OP-Abteilung ist das Herzstück des Klinikums Ludwigsburg. Dort operieren Chirurgen sechs operativer Kliniken in neun neuen Operationssälen: Die Allgemein-, die Unfall-, die Gefäß-, die Neurochirurgie, die Urologie und die Gynäkologie sind hier aktiv. Aber wie ein Herz nicht losgelöst von anderen Organen funktionieren kann, darf auch die neue zentrale OP-Abteilung nicht separat von anderen Funktionsbereichen und unseren bestehenden OPs gesehen werden.

Seit mehreren Jahren planen Sie gemeinsam mit HWP den neuen Zentral-OP. Was waren aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen dieses Projektes und wie wurden Sie gelöst?

Dr. Andrea Grebe: Die größten Herausforderungen ergaben sich dadurch, dass wir im Bestand gebaut haben. Wir haben ja den neuen Zentral-OP nicht auf der grünen Wiese oder innerhalb eines Neubaus verwirklicht. Es musste innerhalb einer bestehenden Kubatur geplant werden. Die einzige Ausnahme bildete der Hybrid-OP, der angebaut wurde. Restriktionen für die Planung waren z.B.

die bestehenden, durchgängigen Stützen, die technische und betriebsplanerische Herausforderungen waren. Auch die Erarbeitung des Betriebskonzepts mit den einzelnen Nutzergruppen und dem gesamten Planungsteam gestaltete sich unter der Voraussetzung eines Bestandsbaus aufwendiger. Hilfreich hierfür war u.a. die Simulationsstudie der Firma GBU, weil die Prozesse visualisiert werden konnten. Einige Fragen wurden so erst aufgeworfen und Ideen entwickelt, die in einem iterativen Prozess auf Machbarkeit geprüft werden mussten. Die enge, kooperative Abstimmung hat sich gelohnt: Unsere Betriebskonzeption und insbesondere das Ver- und Entsorgungskonzept sowie die Konzeption für die Einleitung halten wir für gelungen. Mit je einem Einleitraum für zwei OPs sehe ich vor allem für die Anästhesie Vorteile, weil bestimmte Prozesse parallel verrichtet werden können. Trotzdem befindet sich der Patient dadurch nicht in einem riesigen Wartebereich - ein weiterer Pluspunkt.

Eine technische Neuerung Ihrer neuen zentralen OP-Abteilung ist das digitale OP-System? Welche Vorteile sehen Sie hierin?

Dr. Andrea Grebe: Vor allem die Dokumentation, auf die man jederzeit digital in allen Räumen perfekt zugreifen kann, ist ein enormer Fortschritt. So können die Operationssäle aufgrund ihrer identischen Ausstattung flexibler eingesetzt und ausgewählt werden. Das ist natürlich ein riesiger Vorteil für das OP-Management, z.B. wenn Operationen länger dauern als geplant. Übrigens sprachen sich auch unsere Chefärzte unserer Kliniken ausdrücklich für das digitale OP-System aus. Es bietet bei minimal-invasiven Eingriffen Vorteile für die Dokumentation und für die Bildarchivierung. Gleichzeitig ist die Speicherung und Nutzung dieser Daten für Fort- und Ausbildung, für Kongresse bis hin zur Live-Übertragung möglich. Auch für die Qualitätssicherung ist das System hilfreich. Nicht zu vergessen die Flexibilität für den Operateur, der selbst Licht, Helligkeit und viele andere Funktionalitäten steuern kann. Außerdem sehen wir als medizinisches Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg große Vorteile für den medizinischen Nachwuchs und für unsere Ärzteweiterbildung. Angehende und bereits erfahrene Ärzte können bei uns lernen, mit der neusten Technik zu arbeiten.

Das zweite medizintechnische Highlight Ihres neuen Zentral-OPs ist sicherlich der Hybrid-OP. Was ist für Sie die Besonderheit dieses OPs?

Dr. Andrea Grebe: Der Hybrid-OP ist für uns eine Besonderheit, weil er die Verschmelzung von zwei medizinischen Verfahren ermöglicht. Wir haben uns für den Hybrid-OP entschieden, weil wir eine aktive Gefäßchirurgie betreiben. Sie ist sicherlich der Hauptnutzer unseres Hybrid-OPs, obwohl er auch von anderen chirurgischen Disziplinen genutzt werden kann. Durch unseren Hybrid-OP haben wir die Möglichkeit, interventionelle Technik, die sonst in der Radiologie im Röntgenbereich betrieben wird, mit klassisch offenen Verfahren zu kombinieren. Dies hat natürlich Vorteile für die Patienten: Der chirurgische Eingriff geht schneller. Es entsteht weniger Strahlenbelastung. Außerdem kann der Chirurg teilweise die Qualität der medizinischen Behandlung erhöhen, indem er die Möglichkeit hat, intraoperativ die Angiografie einzusetzen. Bei der Entfernung eines Tumors wird durch die Kombination der Verfahren eine höhere medizinische Sicherheit erzielt. Ganz besonders zugute kommt dies Patienten, die früher gar nicht operiert werden konnten oder die sich mehreren Eingriffen unterziehen hätten müssen. Durch diese Möglichkeiten ist unser Hybrid-OP sicherlich ein Leuchtturm für unseren Klinikverbund, der auch bundesweit Strahlkraft hat.

 

 

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