Schritt für Schritt

Heidelberg: Myelompatienten profitieren von verbesserter Therapie

  • Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt, Sektion Multiples Myelom, Universitätsklinikum Heidelberg und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT)Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt, Sektion Multiples Myelom, Universitätsklinikum Heidelberg und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT)
  • Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt, Sektion Multiples Myelom, Universitätsklinikum Heidelberg und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT)
  • Dr. Annemarie Angerer, Sektion Multiples Myelom, Universitätsklinikum Heidelberg

Die Lebenserwartung und die Lebensqualität von Myelompatienten werden sich künftig weiter verbessern. Dies ist das Fazit des „2nd Heidelberg Myeloma Workshops", der am 15. und 16. Mai in der Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg stattfand. Die Sektion Multiples Myelom als Gastgeber hatte hochkarätige Experten aus Europa und den USA eingeladen, aus erster Hand über den neuesten Stand in der Diagnostik und Therapie des Multiplen Myeloms, einer bösartigen Erkrankung des Knochenmarks, zu berichten. Die 200 Workshopteilnehmer aus Klinik, niedergelassenen Arztpraxen und der Industrie erwartete ein vielfältiges Programm, das auch die wichtigsten Forschungsergebnisse vom „XII International Myeloma Workshop" in Washington umfasste.

Mit Einführung der autologen Transplantation in den 90er Jahren ließ sich erstmals eine Verbesserung der Prognose von Patienten mit Multiplem Myelom erreichen. Ziel ist die „komplette Remission", da offensichtlich die Qualität des Ansprechens einen Einfluss auf das Überleben hat. Es wurde betont, dass die Behandlungsergebnisse seit Einführung neuer Substanzen wie Thalidomid, Lenalidomid und Bortezomib nochmals verbessert wurden. Kontrovers diskutiert wurde, inwiefern die autologe Transplantation zumindest für bestimmte Patientengruppen abgelöst werden kann und welchen Einfluss die verschiedenen Therapiestrategien auf die Lebensqualität der Patienten haben. Aus Sicht der Lebensqualität ist eine primäre autologe Stammzelltransplantation einer Transplantation in der Rezidivsituation vorzuziehen. In prospektiven Studien wird unter Einbeziehung der neuen Substanzen erneut eine frühe autologe Transplantation versus einer Rezidivtransplantation geprüft.

Im Mittelpunkt des zweiten Workshoptages standen die Vorträge zu den neuen Substanzen Lenalidomid, Bortezomib und Thalidomid. In der Erstlinientherapie für Patienten, die nicht für eine Hochdosistherapie geeignet sind, konnten für die Kombinationen von Thalidomid bzw. Bortezomib mit dem über 40 Jahre geltenden Standard Melphalan/Prednison nicht nur bessere Ansprechraten, sondern auch ein signifikanter Überlebensvorteil nachgewiesen werden.

Auch die Kombination Lenalidomid und niedrig-dosiertes Dexamethason in der Erstlinientherapie von Patienten mit Multiplen Myelom ist sehr effektiv.

In der Rezidivsituation sind die beiden Substanzen Lenalidomid und Bortezomib zugelassen. In den Studien MM-009 und MM-010 konnte für die Kombination von Lenalidomid/Dexamethason eine Verlängerung der Zeit bis zur Progression von 4,7 Monaten im Kontrollarm (alleinige Dexamethasonherapie) auf über 11 Monate und des Gesamtüberlebens sogar auf 35 Monate erzielt werden. Eine kürzlich publizierte Auswertung dieser Studien zeigt darüber hinaus, dass die Ergebnisse durch einen Einsatz im ersten Rezidiv im Vergleich zu späteren Therapielinien verbessert werden können. In der APEX-Studie, die Bortezomib im Vergleich zu Dexamethason in der Rezidivsituation prüfte, wird ein signfikanter Vorteil mit einer medianen Überlebenszeit von 30 Monaten beschrieben.
Nicht nur ältere Patienten, sondern auch Patienten mit einer „Hochrisiko-Erkrankung" profitieren von einer Behandlung mit diesen Substanzen. So gibt es beispielsweise erste Hinweise darauf, dass bestimmte zytogenetische Risikofaktoren durch die Therapie mit den neuen Substanzen Bortezomib und Lenalidomid überwunden werden können. Die Analyse zytogenetischer Veränderungen beim Multiplen Myelom und die Entwicklung neuer diagnostischer Methoden werden in Zukunft eine präzisere Risikoklassifizierung und eine bessere Vorhersage des Krankheitsverlaufs ermöglichen. Dies ebnet letztlich auch den Weg für eine risikoangepasste, patientenspezifische Therapie. Derzeit orientiert sich die Wahl der neuen Substanzen vorwiegend an klinischen Faktoren und an dem Nebenwirkungsprofil der neuen Substanzen.

Diverse Kombinationen der neuen Substanzen, auch mit Chemotherapeutika, bzw. Neu- und Weiterentwicklungen dieser Wirkstoffe werden sukzessive das Therapiespektrum erweitern. Auch wenn viele der Neuentwicklungen nur in Kombination mit den bekannten Substanzen Bortezomib, Lenalidomid oder Dexamethason eine Wirkung zeigen, so sind sie zum Teil in der Lage, die gefürchtete Resistenzentwicklung aufzuheben oder zu reduzieren.

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