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Klinikum Klagenfurt: Eines der modernsten Abfallwirtschaftssysteme in Österreich

25.05.2011 -

Das Klinikum Klagenfurt am Wörthersee hat eines der modernsten Abfallwirtschaftssysteme in Österreich. Durch einen Shredder für Gebinde mit Körperflüssigkeiten oder Stromerzeugung aus Speiseresten werden jährlich rund 100.000 € gespart.

Im Kärntner Klinikum Klagenfurt am Wörthersee steht nicht nur der Mensch im Mittelpunkt. Auch auf den Schutz der Umwelt wird besonderen Wert gelegt. Damit wir unsere heutigen Bedürfnisse nicht auf Kosten nachkommender Generationen befriedigen, arbeitet ein professionelles Umweltmanagement an nachhaltigen Konzepten.

Dem Leiter des Competence Centers „Gefahrengut, Abfall & Umwelt", Albin Knauder, gelang 2007 ein Durchbruch auf diesem Gebiet. Im Zuge seiner Diplomarbeit entwickelte er einen Shredder für Gebinde mit Körperflüssigkeiten. Der Shredder öffnet maschinell Kunststoffeinweggebinde, die mit Körperflüssigkeiten gefüllt sind, und trennt den festen vom flüssigen Teil. Stoffe wie Harn oder Absaugsekrete werden abgeleitet, der gereinigte Kunststoff indessen weiterverarbeitet. Er landet in einem sogenannten „Schneckenverdichter", der den Müll in 30-m3-Container presst und in einer Müllverbrennungsanlage thermisch verwertet wird.

Ausgangslage

Vor dem Einsatz des Shredders wurden die verschiedenen Körperflüssigkeiten in unterschiedliche Kunststoffeinweggebinde gesaugt. Die befüllten Gebinde wurden dezentral in den Entsorgungsräumen auf den Stationen gesammelt. Von dort wurden die Abfälle ins zentrale Wertstoffsammelzentrum im Klinikum gebracht, wo man sie weiterverarbeitete.

Vor dem Einsatz des Shredders traten bei dem Verdichtungsprozess Reste von Körperflüssigkeiten unkontrolliert aus. Dies hatte ein Rechts- und Hygieneproblem zur Folge. Da durch das neue Konzept die Verpressung von Flüssigkeiten im Container mit vorgelagertem Schneckenverdichter nicht mehr vorgesehen ist, ist auch die Rechtskonformität sichergestellt.

Tatsächlich gab es bis zur Herstellung des Shredders im gesamten europäischen Raum keine optimale Lösung für dieses Problem. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind die internationalen Anfragen nach dem innovativen Gerät enorm. Das das Ziel, die Sammlung und Entsorgung von Körperflüssigkeiten zu optimieren, wurde auf sämtlichen Ebenen erfüllt. Negative Umweltauswirkungen wurden verringert, Energie eingespart und die Hygiene sowie Arbeitssicherheit verbessert. Alle mit Körperflüssigkeiten gefüllten Kunststoffeinweggebinde, auch gefüllte Harnbeutel, werden durch das Pflegepersonal einheitlich in ein neues, grünes 60-l-Mehrweg-Sammelgebinde abgeworfen.

Ökonomie und Ökologie

Die Kosten für den Körperflüssigkeitsshredder belaufen sich auf rund 65.000 €. Der Einsatz des Geräts bringt jährliche Einsparungen in der Höhe von 32.000 €. Dieser Gewinn wird zu 82% durch den Wegfall der Entsorgungskosten der Flüssigkeiten in diversen Gebinden erzielt.

Zu einer enormen Reduktion der Transportwege kommt es durch die maximale Abfallverdichtung bei Restmüll, Kartonagen, Metall- und Kunststoffverpackungen im Schneckenverdichter. Waren in der Vergangenheit für die Kunststoffverpackungsentsorgung 15 Lkw-Transporte pro Woche notwenig, so ist es jetzt nur noch eine Fahrt in zwei Wochen. Die CO2-Emmissionen verringern sich dadurch um rund 2.500 kg pro Jahr, auch der Ausstoß von Feinstaub konnte reduziert werden.

Durch die Behandlung der Körperflüssigkeitsabfälle im Shredder und die Einleitung der flüssigen Fraktion in den Kanal werden die Körperflüssigkeiten nicht mehr der thermischen Verwertung zugeführt. Somit fallen die Energieverluste durch Verdampfung weg.

Die Ausnahme davon ist Vollblut. Es landet auch weiterhin als gefährlicher Abfall in der schwarzen Tonne, da es laut Abwasseremissionsverordnung nicht in den Kanal eingeleitet werden darf. Allerdings steigt der jährliche Wasserverbrauch an, da für die Shreddervorgänge Wasser zugeführt werden muss. Im Falle des Klinikums Klagenfurt erhöhte sich der Jahresverbrauch um 149 m³ pro Jahr.

Soziales

Für das Pflegepersonal, aber auch im Wertstoffsammelzentrum konnten im Bereich Hygiene und Arbeitssicherheit starke Verbesserungen erzielt werden. Harn- und Absaugbeutel müssen nicht mehr auf den Stationen manuell aufgeschnitten und entleert werden. Im Wertstoffsammelzentrum treten keine Körperflüssigkeiten aus dem Restmüllcontainer mehr aus. Reinigungsarbeiten werden genauso wie Geruchsbelästigungen vermieden.

Da auf den Stationen das zeitaufwendige Entleeren der Harn- und Absaugbeutel entfällt, können jährlich mehr als 500 Stunden. Arbeitszeit eingespart werden.

Aber nicht nur bei der Entsorgung von Körperflüssigkeiten ist das Klinikum Klagenfurt zukunftsweisend. Auch bei der Weiterverarbeitung von Küchenabfällen und Speiseresten werden neue Maßstäbe gesetzt. Zählen doch Speisereste mit Abstand zu den wertvollsten biogenen Abfällen gemessen am Energiepotential. Sie sind mehr als zehnmal so energieintensiv wie Schweinegülle und doppelt so ertragreich wie Grünschnitt.

Dies macht man sich zunutze: Speisereste werden von der Produktion und Spüle über ein Vakuumsystem in einen 11.000-Liter-Tank gesaugt. Ein Mal pro Woche werden rund 8 t „Abfall" aus der Küche von einem Tankwagen abgeholt. Sie werden weiter in eine Biogasanlage am Klagenfurter Stadtrand gebracht. Dort werden die Speisereste hygienisiert, mit Bio-Abfall gemixt und landen im Faulturm des Werks. Nach rund zwei Wochen wird der Biobrei weiterverarbeitet, wobei das Faulgas Methan freigesetzt wird. Das Methan wird in einem Gasometer gesammelt, verfeuert, und die entstandene Energie wird zur Erzeugung von Strom und Wärme genutzt. Der gewonnene Strom wird schließlich direkt in das Klagenfurter Versorgungsnetz eingespeist und kommt so u.a. wieder dem Spital als grüner Strom zugute.

Bevor man diese zukunftsweisende Anlage im Klinikum umsetzte, wurden alle anfallenden Speisereste im Krankenhaus selbst behandelt. Sie wurden zerkleinert, entwässert und über einen Fettabscheider in den Kanal entsorgt. Der feste Anteil der Speisereste wurde in 110-l-Kunststoffgebinden gesammelt. Diese Gebinde mussten aufwendig gereinigt und in Kühlräumen bis zu zur Abholung zwischengelagert werden. Die enorme Belastung für das Abwasser des Klinikum Klagenfurt und der hohe Energieverbrauch bei der Kühlung waren Anlass, die Entsorgung neu zu organisieren.

Zusätzlich haben sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Entsorgung von Küchenabfällen und Speiseresten (soweit es sich dabei um „Sautrank" handelt) innerhalb der EU geändert. So ergeben sich in der Praxis hinsichtlich Transport, Verfütterung oder Verwertung von Sautrank aus Großküchen und Küchen im Gastronomiebereich Veränderungen. Die Änderungen in den Hygienevorschriften sind eine Reaktion auf im EU-Raum großflächig aufgetretene Tierseuchen wie Schweinepest oder Maul- und Klauenseuche, ausgelöst durch Sautrankfütterung.

 

Kontakt

Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft - KABEG

St . Veiter Straße 34
A-9020 Klagenfurt am Wörthersee
Österreich

+43 463 55212 0

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