Aufbau einer eigenen ZSVA

Die Rahmenbedingungen für die Aufbereitung von Sterilgut sind komplex und unterliegen einem steten Wandel. Daher sind Versorgungszentren, die im Lohnverfahren arbeiten, durchaus eine Alternative.

Mit der Pionierarbeit, auf der grünen Wiese eine Zentralsterilisationsabteilung aufzubauen, führten Risikobereitschaft und Fachkompetenz zu einer heute etablierten Zentralen Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) in Ludwigsburg. Im Interview mit M&K führt Dr. Jacky Reydelet, Geschäftsführer der GZM - Gesellschaft für Zentralsterilisation von Medizinprodukten aus, wie aus einer Notsituation eine neue Geschäftsidee geboren wurde: die GZM.

M & K: Wie kommt der Leiter einer chirurgischen Tagesklinik dazu, eine eigene Zentralsterilisationsabteilung aufzubauen?

Dr. Jacky Reydelet: Unsere Klinik in Kornwestheim besteht seit 22 Jahren. Vor 13 Jahren kamen wir plötzlich in eine Notsituation, weil unsere Sterilisationsgeräte kaputtgegangen sind. Fünf Jahre zuvor wurde ich aufgrund großen Interesses an der Hygiene vom Berufsverband Deutscher Chirurgen (BDC) in den „Arbeitskreis Hygiene" der AMWF delegiert. Dort konnte ich meine Kenntnisse über Hygiene und Sterilisation verfeinern. Der wirtschaftliche Reiz, Geräte für uns zusammen mit einem Dienstleistungsangebot für andere Praxen anzuschaffen, war gleich eine Selbstverständlichkeit.

Und damit war die Idee geboren?

Dr. Jacky Reydelet: Ja, wir haben „auf der grünen Wiese" außerhalb der Klinik eine ZSVA bzw. AMP (Aufbereitungsabteilung für Medizinprodukte) aufgebaut. Das war zunächst eine reine Sterilisationsabteilung. Die Kunden haben nach den damaligen Rahmenbedingungen das Material manuell gereinigt, verpackt und zur Sterilisation abgegeben.

Ich war mein erster Kunde. Peu à peu sind weitere Kollegen hinzugekommen. Das war eine sehr harte Zeit für mich, denn ich war Pionier auf dem Gebiet und habe alles selbst finanziert: große Sterilisationsgeräte, Räumlichkeiten mit raumlufttechnischen Anlagen - also ganz billig war der Spaß nicht.

Was ist die Grundlage Ihres Erfolgs?

Dr. Jacky Reydelet: Wichtig war die Risikobereitschaft meiner Mannschaft, aber auch unsere Fachkompetenz. Denn ein solcher Betrieb muss nach MPG zertifiziert sein, d. h. validierter Gerätepark, di­plomiertes Fachpersonal, Registrierung beim DIMDI. Die Registrierung wird nach Brüssel gesandt und kommt zurück zum Regierungspräsidium, welches vor Ort den AMP überprüft.

Sich auf dieses Gebiet zu begeben ohne Fachkenntnisse und ohne sich anzumelden, ist ein Verstoß gegen §§ 10 und 25 MPG. Der betriebswirtschaftliche Durchbruch kam dann vor vier Jahren, nachdem sich unser Angebot langsam rumgesprochen hatte und viele Kollegen die Wirtschaftlichkeit des Systems gesehen haben. Ich habe viele Vorträge in ganz Deutschland gehalten und bin Autor und Co-Autor zahlreicher auch internationaler Publikationen und Bücher.

Inzwischen haben wir erneut viel investiert und erweitert, neue Sterilisationsgeräte, RDG für die maschinelle Reinigung und neue Verpackungseinheiten angeschafft. Jetzt haben wir etwa 400 Praxen und Kliniken als Kunden im ganzen Bundesgebiet, und auch die Industrie ist dazugekommen, sogar aus dem Ausland. Anfragen kommen aus Luxemburg, dort ist man an einer Zentrale für das ganze Land interessiert, auch mit Frankreich und Teneriffa sind wir im Kontakt. Die Rahmenbedingungen sind im Ausland zwar anders als bei uns, aber die technischen Vorschriften, die Normen und die EU-Vorgaben bleiben gleich. Das Modell kann also gut exportiert werden.

Welche Probleme sehen Sie derzeit in der deutschen Hygiene-Landschaft?

Dr. Jacky Reydelet: Da gibt es viele Baustellen. Die Komplexität der Herstellung des Instrumentariums steigt mit dem Fortschritt der Technik und mit den Belangen der chirurgischen Entwicklung. Nicht nur neue Materialien, sondern auch neue Konstruktionen (z. B. Motoren, Griffe, Schalter, Wellen, Lager- und Getriebeteile) - teils aus Mehrkomponenten hergestellt - verlangen eine sorgfältige Aufbereitung. Wenn man sich nicht auskennt, muss man die Aufgabe eben jemand anderem übertragen. Den Ölwechsel am Auto macht man ja auch nicht mehr selbst, sondern geht selbstverständlich in die Werkstatt.

Aus finanziellen Gründen wird aber an der falschen Stelle gespart. Lehrstühle für Hygiene werden in Deutschland gestrichen, weil es offensichtlich nicht ins Budget passt. Aber Hygienefachkräfte und Fachärzte für Hygiene müssen ausgebildet und geschult werden (IfSG 2011). Daher wird zu oft ohne ausreichende Kenntnisse der Rahmenbedingungen, technisch nicht optimal und unter erhöhtem Zeitdruck gearbeitet.

Aber Pfusch auf diesem Gebiet ist nicht erlaubt! Hygienefachkräfte sind aus unterschiedlichen Gründen Mangelware, und Krankenhäuser wie Praxen haben ihre finanziellen Probleme. Man muss ja auch nicht eine Hygienefachkraft ständig im Haus haben, sondern kann sie zeitweise bestellen. Das erfordert jedoch, auch mal auf neue Gedanken zu kommen.

Zur Person

Dr. Univ. Paris VI Jacky Reydelet, geboren in Frankreich, lebt seit 33 Jahren in Deutschland. Er ist Arzt für Chirurgie, Unfallchirurgie und Gefäßchirurgie. 1987 gründete er eine chirurgische Tagesklinik in Kornwestheim, welche er bis heute leitet. 1995-1999 war er Vizepräsident und später Schatzmeister der International Association for Ambulatory Surgery (IAAS). Seit 1994 ist er Mitglied der Krankenhaushygienekommission der AWMF-Düsseldorf und vertritt dort den Berufsverband der Deutschen Chirurgen. Zudem ist Reydelet Geschäftsführer der GZM - Gesellschaft für Zentralsterilisation von Medizinprodukten in Ludwigsburg.

 

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