Bilddatenmanagement am Universitätsklinikum Erlangen

  • Das komplette Antragswesen und sämtliche Abläufe in der Erlanger Radiologie erfolgen digital (Foto: iSoft/Universitätsklinikum Erlangen).Das komplette Antragswesen und sämtliche Abläufe in der Erlanger Radiologie erfolgen digital (Foto: iSoft/Universitätsklinikum Erlangen).

Vor 10 Jahren führte das Radiologische Institut des Universitätsklinikums Erlangen erstmals ein Radiologie-Informationssystem (RIS) ein - heute bildet es das Herzstück einer klinikweiten Bilddateninfrastruktur.

Wenn Prof. Dr. Alexander Cavallaro Gästen die IT-Systeme seiner Abteilung zeigt, beginnt der Oberarzt des Radiologischen Instituts und Leiter des Imaging Science Center am Universitätsklinikum Erlangen nicht an einem Monitor, sondern im Wartezimmer. Er zeigt auf eine kurze Reihe von Stühlen, auf denen kaum jemand sitzt: „Das ist der Wartebereich für sechs Großgeräte. Wenn die IT funktioniert, sind unsere Wartezimmer leer." Vor 10 Jahren war das ganz anders: „Bis dahin lief der radiologische Workflow komplett konventionell ohne IT-Unterstützung ab", so Cavallaro. Mit der Implementierung des iSOFT RIS und der zeitgleichen Einführung eines Picture Archiving and Communication Systems (PACS) änderte sich das praktisch von heute auf morgen.

Klinikweites RIS als Strategieentscheidung

Für den Radiologen Prof. Cavallaro und den Projektleiter Bilddatenmanagement Dr. Thomas Kauer war die RIS-Einführung der Startschuss für den Aufbau einer klinikweiten Bilddaten-Infrastruktur - mit dem iSOFT RIS als zentraler, fachbereichsübergreifender Informationsplattform.

Das RIS sollte in die vorhandene technische und organisatorische Infra­struktur sowie den Workflow eingebunden werden und wurde daher von vornherein über HL7 an die Kliniksysteme für die Patientendatenverwaltung, die Leistungsdatenerfassung, die Leistungsabrechnung und die Befundkommunikation angebunden - damals alles andere als selbstverständlich.

Mehr als nur diagnostische ­Radiologie

Mittlerweile arbeitet längst nicht nur die diagnostische Radiologie mit ihren vier Standorten in der Inneren Medizin, der Chirurgie, der Gynäkologie und der Pädiatrie mit dem RIS. Auch die Neuroradiologie, die Nuklearmedizin, die Zahn-Mund-Kiefer-Klinik und die Gefäßchirurgie sind an das RIS angeschlossen. In Kürze kommt die Strahlentherapie als weitere Disziplin hinzu.

Alles in allem werden pro Jahr etwa 250.000 Befunde im RIS erzeugt, 600 bis 700 pro Tag.

Über alle Abteilungen hinweg nutzen 80 Ärzte und 120 Medizinisch-Technische Assistenten die Software. Dazu kommen etwa 1.800 Ärzte und Pflegekräfte, die mit der Web-Lösung arbeiten, die das RIS mit den peripheren Stationen verbindet. Das Gesamtnetzwerk umfasst 60 Befundarbeitsplätze mit insgesamt 70 bildgebenden Modalitäten, 250 RIS-Arbeitsplätze und 2.100 Web-Arbeitsplätze auf Station.

Web-Lösung als Erfolgsfaktor

Die Web-Lösung ist für Prof. Cavallaro und Dr. Kauer einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren der Erlanger Installation. Es ermöglicht integrierte radiologische Workflows, die von der peripheren Station in die Fachabteilungen und wieder zurück auf die Station laufen. „Wir waren mit die Ersten in Deutschland, die das komplette Antragswesen und sämtliche Abläufe in der Radiologie komplett ohne Papier umgesetzt haben", betont Cavallaro.

Der Stationsarzt beauftragt über die Weblösung beispielsweise eine radiologische oder nuklearmedizinische Untersuchung aus dem klinischen Arbeitsplatzsystem heraus. Der Auftrag wird an das RIS gemeldet und von einem Mitarbeiter in der Radiologie der entsprechenden Modalität zugeordnet. Dadurch wird die angeforderte Untersuchung Teil der Worklist der Modalität und kann abgearbeitet werden. Den fertigen Befund ruft der Stationsarzt über die Web-Lösung ab.

Integration von Spracherkennung und PACS beschleunigt Workflow

Aufseiten der Radiologen wurden die für die Befunderstellung nötigen Funktionen digitales Diktat und Spracherkennung tief integriert. Diese hat den Befund-Workflow noch einmal deutlich beschleunigt, wie Prof. Cavallaro betont: „Früher haben die Assistenten sich die Bilder erst zusammen mit dem Oberarzt angesehen und dann diktiert. Dank integrierter Spracherkennung diktieren die Assistenten heute sofort." Das bedeutet, dass die Befunde an normalen Tagen innerhalb von maximal anderthalb Stunden bei den anfordernden Ärzten sind.

Fast von selbst versteht sich die PACS-Integration. „Das Wichtige dabei ist, dass die Integration bidirektional ist", so Prof. Cavallaro. In der Standardein­stellung ist der Workflow RIS-getrieben, das heißt, das PACS wird über das RIS angetriggert. „Wir können das aber von jetzt auf gleich umdrehen, wenn es nötig sein sollte." Das RIS über das PACS anzusteuern, kann unter anderem bei mobilen Einheiten Sinn machen, wenn Ärzte sich die Bilder schon einmal ansehen wollen, der Patient aber beispielsweise im System noch nicht fertig angelegt ist.

Blick in die Zukunft: Mobiler Zugriff und Betreibermodell?

„Insgesamt muss man klar sagen, dass das keine Standard-RIS-Einführung war. Ein so großes und integriertes Projekt hat nur dann Erfolg, wenn der Hersteller viel Erfahrung mitbringt und seine geballte Fachkompetenz einbringt", betont Kauer. Als abgeschlossenes Projekt betrachten die Erlanger ihre RIS-Installation keineswegs. Nach der Einbeziehung der Strahlentherapie könnten irgendwann die Kardiologen, vielleicht sogar die Pathologen von dem integrierten Ansatz überzeugt werden.

Dr. Kauer hat aber noch weitere Aktionsfelder: „Wie viele Kliniken interessieren wir uns für mobile Lösungen und haben bereits erste Erfahrungen mit Tablet-PCs für den mobilen Zugriff auf Radiologiedaten gesammelt." Auch der Umstieg auf Cloud-Technologie bzw.der Bezug des iSoft RIS im Betreibermodell könnte in Zukunft interessant werden. „Wir schauen uns das sehr genau an, wissen aber auch, dass die Datenschutzanforderungen an solche Konzepte gerade in Bayern sehr hoch sind", erörtert Dr. Kauer.

 

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