IT & Kommunikation

CliNet-Forum zur Integrierten Versorgung: Ökonomischer und technisch-organisatorischer Rahmen intersektoraler Kommunikation

11.08.2014 -

CliNet-Forum zur Integrierten Versorgung: Ökonomischer und technisch-organisatorischer Rahmen intersektoraler Kommunikation. Werden Patienten integriert versorgt, dann nehmen Wirtschaftlichkeit der Behandlung und Patientenzufriedenheit zu – dieses Ergebnis präsentierte kürzlich die Barmer Ersatzkasse bei der ersten wissenschaftlichen Evaluation eines IV-Vertrags.
Das Institut für Strategieentwicklung hatte gemeinsam mit der Universität Witten/Herdecke die Versorgung von Patienten mit künstlichen Hüft- und Kniegelenken untersucht.
Partner des im Jahr 2003 geschlossenen Vertrags sind unter anderem die Barmer – mit inzwischen 50 IV-Verträgen allein im Bereich Endoprothetik – und Kliniken der St. Franziskus-Stiftung in Münster.
Im Vergleich zur Regelversorgung, so Sprecher des Versicherers, sind so Einsparungen von rund 10 % realisierbar.

Wie lassen sich solche Potentiale konkret heben, wie ist integrierte Versorgung zu organisieren? „Diese wichtigen Fragen haben wir in den Vordergrund unseres Forums zur Integrierten Versorgung gestellt.
Die IV hat heute aufgrund zum Teil ineffizient aufgesetzter Projekte leider keinen guten Namen. Jedoch ist die Idee richtig, künftig die Patientenversorgung zu verbessern, die Behandlungsprozesse durch eine bessere Integration zu optimieren und für den Patienten transparenter zu gestalten“, erläuterte der CliNet-Vorsitzende Dr. Kurt Becker Mitte Juni in Alsdorf bei Aachen.
In den dortigen historischen Wasserturm hatte der Verein Entscheider zum Informationsaustausch eingeladen.
Das Themenspektrum: Telemonitoring, Patientendialog, Patientenakte und Gesundheitskarte.

Kommunikation von Personen und Daten
Der Sanvartis-Geschäftsführer Helge Lewerenz betreibt eines der größten Medical Service Center in Deutschland.
Fachärzte, Apotheker sowie medizinische Fachkräfte aus dem Assistenz- und Pflegebereich beantworten dort rund um die Uhr im In- und Outbound- Betrieb medizinische und nicht-medizinische Anfragen aus dem Gesundheitswesen.
Hierbei handelt es sich neben aktuellen Themenhotlines u.a. auch um Demand- und Disease- Management-Programme und Fragen zur Integrierten Versorgung.
Lewerenz in Alsdorf: „Die Kommunikation am Telefon wird von vielen Patienten als Ärgernis wahrgenommen. Sanvartis analysiert und professionalisiert den Kommunikationsprozess und schafft dadurch eine höhere Patientenbindung.
– Durch die deutlich gestiegenen Lohnkosten der Ärzte sind die Kliniken gezwungen, diese Ressource effizienter auszulasten. Die Zeit, die ein Arzt am Telefon verbringt, wird durch die Verlagerung von medizinischen Anfragen auf ein Medical Service Center reduziert. Dies erhöht die Wertschöpfung des Arztes signifikant.
Professionell umgesetzte Kommunikationsprozesse sind im Übrigen eine Voraussetzung für telemedizinisches Home-Monitoring.“
Dieses Technologiepotential griff DGBMT-Geschäftsführer Dr. Thomas Becks im Vortrag auf: „Ärzte berichten, dass sich bei über 80 % ihrer mit Telemonitoring-Systemen ausgestatteten Herz-Kreislauf-Patienten der Gesundheitszustand verbessert hat.
Erste gesundheitsökonomische Studien belegen enorme Kostenvorteile z.B. für Herzinsuffizienz.
Der Gesetzgeber hat mit der Integrierten Versorgung ein sektorübergreifendes Finanzierungsmodell für Telemonitoring in der Prävention geschaffen.
Aufgrund der Zahl der Krankenkassen bedeutet der Abschluss von Individualverträgen jedoch einen enormen Aufwand. Deshalb gibt es oft nur wenige Verträge mit geringen Fallzahlen.“
Als Folge, so Dr. Becks zusammenfassend, „können von der Produkteinführung bis zu gesicherten gesundheitsökonomischen Bewertung vier bis fünf Jahre vergehen.
Das setzt für die zumeist mittelständisch organisierte deutsche Industrie eine hohe Innovationsbarriere.“

Gesundheitsakte und -karte
Rund fünf Milliarden Dokumente werden jedes Jahr im Gesundheitswesen erstellt; auf 2,5 Mrd. € belaufen sich die Kosten konventioneller Archivierung.
Dieser immense Kostenberg und die Nutzungsnachteile film- und papierbasierter Unterlagen – lange Wege, zeitliche Verzögerungen, Fehleranfälligkeit – stehen einer reibungslosen Zusammenarbeit u.a. zwischen dem niedergelassenen und stationären Bereich entgegen.
„Die Verwirklichung eines lückenlosen digitalen Informationsflusses – rechtlich, wo immer nötig, abgesichert durch elektronische Signatur – ist ein notwendiger Wegbereiter für integrierte Versorgungsmodelle“, so Dr. Carl Dujat von der Beratungsgesellschaft promedtheus und stellv. CliNet-
Vorsitzender einführend zu einem Überblicksbeitrag der FH Dortmund über verteilte Dokumente und Datenschutz in der Integrierten Versorgung.
Ein wichtiges Werkzeug für die sektorübergreifende Kommunikation stellt die elektronische Gesundheitskarte dar.
Christian De Win von der ZTG und stellv. Projektleiter Testregion Bochum-Essen: „Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) stellt alle Beteiligten im deutschen Gesundheitswesen, insbesondere die Leistungserbringer vor neue Herausforderungen.“
Hierbei sind, so De Win, „neben technologischen Voraussetzungen, in erster Linie die prozessualen Veränderungen in Kliniken und Praxen zu betrachten, die die Einführung des zugehörigen Heilberufsausweises (HBA) mit sich bringt.“
Vorgestellt wurden der aktuelle Stand des Gesamtprojektes seitens der gematik, abgeleitete Fragestellungen für Kliniken und Praxen, ein Ausblick auf die nächsten Projektschritte sowie der Stand der Arbeiten in Nordrhein-Westfalen in der Testregion Bochum-Essen.
Diese Testregion bindet 22 Organisationen der Selbstverwaltung in der rechtsfähigen Form einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE eGK/ HBA-NRW), die ohne Beteiligung von Industrie als Vertrags- und Ansprechpartner der gematik fungiert.
Damit dient sie zur Umsetzung notwendiger, gemeinsamer Arbeiten der Kostenträger und Leistungserbringer für die Tests im Rahmen der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Die Projektleitung obliegt dabei der ZTG, die für diese Zwecke ein Projektbüro an der Universität Bochum eingerichtet hat.
CliNet wird diese Themen gemeinsam mit seinen Mitgliedern im Rahmen von Modellprojekten weiter verfolgen.
Die nächste Veranstaltung ist für Anfang nächsten Jahres geplant.

Michael Reiter

CliNet
Der gemeinnützige Verein zur Förderung der Kommunikation zwischen medizinischen Einrichtungen, Ärzten und Organisationen des Gesundheitswesens wurde 1995 als Initiative niedergelassener Leistungserbringer und Institutionen im Gesundheitswesen gegründet.
Das – seither konsequent verfolgte – Ziel ist die Schaffung einer sicheren und einheitlichen Informations- und Kommunikationsinfrastruktur für Gesundheitsinformationen.
Fortschritte in den Bereichen der Telemedizin und der Telekommunikation bilden, so das Verständnis, die Grundlage einer neuen Form der Zusammenarbeit für eine verbesserte und effizientere Patientenversorgung.
CliNet hat diesen Anspruch aufgenommen und versteht sich seither als Interessenvertretung aller am Gesundheitswesen und am Behandlungsprozess direkt oder indirekt Beteiligten.
Mit der Infrastruktur wurden im Rahmen von Modellprojekten bereits mehr als 20 % der deutschen Krankenhäuser und eine Vielzahl niedergelassener Leistungserbringer vernetzt.
Modellprojekte wie z.B. ein Krankenhausinformationsportal oder Zusammenarbeiten mit der KV Nordrhein über Möglichkeiten der Breitbandübertragung und rechtlich strukturellen Rahmenbedingungen und auch sichere Kommunikation der L1/L3-Statistiken unterstreichen die wichtige Moderatorenrolle des CliNet.
CliNet koordiniert als Netzwerk das Praxis-Wissen und die Erfahrung von Fachleuten, damit neue Aktivitäten und Innovationen auf einer soliden Grundlage aufbauen können.

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