Der Blick über den Tellerrand

Crossborder Healthcare im Fokus der Baltic Conference on E-Health

  • Douglas Cusick (IBM) und Prof. Dr. Jörg Debatin (UKE) diskutierten über die Voraussetzungen für IT-Lösungen im Gesundheitswesen.Douglas Cusick (IBM) und Prof. Dr. Jörg Debatin (UKE) diskutierten über die Voraussetzungen für IT-Lösungen im Gesundheitswesen.
  • Douglas Cusick (IBM) und Prof. Dr. Jörg Debatin (UKE) diskutierten über die Voraussetzungen für IT-Lösungen im Gesundheitswesen.
  • Ljubisav Matejevic, Gründer der Baltic Conference on E-Health

Krankenhäuser, Krankenkassen und die Gesundheitsindustrie profitieren gleichermaßen, wenn sie sich über Landesgrenzen hinaus miteinander austauschen. Deshalb fanden sich Mitte September 130 Vertreter dieser Bereiche aus Russland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Belgien, Österreich, Serbien, UK, USA, Neuseeland, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Deutschland zur Baltic Conference on E-Health in Hamburg ein. Ziel der Veranstaltung, die von dem Baltic Sea Forum, der Baltic Sea States Subregional Co-operation, der Hamburger Handelskammer und IBM organisiert wurde, war es, voneinander zu lernen, Kontakte zu knüpfen und Möglichkeiten aufzuzeigen, die Gesundheitsversorgung in der EU mit IT-Lösungen zu unterstützen.

Ljubisav Matejevic, Alliance & Business Development Executive for Global Healthcare & Life Sciences Industry von IBM und Gründer der Konferenz, betonte, dass die Veranstaltung Politik und Anwender zusammenbringen wolle. Der Auftakt im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) bot - neben einleitenden Vorträgen - Führungen, die verdeutlichten, in welchen Bereichen die IT den Krankenhausalltag bereits erleichtert.

Das Krankenhaus im IT-Zeitalter


Viele Krankenhäuser sind heute bereits multimedial vernetzt. Die Produkte für E-Health, so Prof. Dr. Jörg Debatin, CEO des UKE, seien allerdings noch nicht so weit entwickelt, wie man annehmen könnte. Das stellte auch Douglas Cusick, Industry Executive for Europe & Growth Markets in Healthcare & Life Sciences bei IBM, fest. Ihm zufolge erreichen knapp 90% aller IT-Projekte die klinischen und technischen Ziele nicht innerhalb des gesteckten Zeit- und Kostenrahmens. Grund dafür ist oft, dass die Nutzer nicht wissen, welche Prozesse durch elektronische Lösungen verbessert werden können. Deshalb ist es wichtig, vor dem Einsatz von IT eine Prozessanalyse durchzuführen. Dabei sind vor allem die Anwender gefragt, welche Arbeiten besonders zeitintensiv und durch den Einsatz von Technik erleichterbar sind. Im UKE finden Stationsrunden bereits mit mobilen PCs statt, auf denen die jeweilige Patientenakte abgerufen werden kann. Auch Patienten nutzen die technischen Möglichkeiten: Sie können über eine spezielle Karte telefonieren und im Internet surfen.

„Learning By Watching"


Auch in vielen OP-Sälen gehören elektronische Lösungen schon zur Grundausstattung.

Michael Mankopf, Managing Director des Bereiches Telemedizin bei Maquet, stellte die Vorteile eines integrierten Operationssaales vor: Auf Bildschirmen können dort Operationen nachvollzogen und via Touchscreen Informationen aus dem KIS abgerufen werden. Zudem ist es möglich, die OP-Bilder in Echtzeit in Hörsäle zu übermitteln - die Studenten können dadurch die Arbeitsschritte verfolgen, ohne im OP-Saal anwesend zu sein.

Doch Zusehen macht einen Studenten noch nicht zum Arzt. Er muss selbst behandeln. An echten Patienten ist das jedoch zu risikoreich. Deshalb entwickelte die Firma Inmedea einen virtuellen Patienten, dessen Funktionsweise Felix Frick, Vizepräsident des Produktmanagements bei der CompuGroup, erklärte. Anhand realer Patientenfälle erstellt das Programm virtuelle Patienten. Angehende Ärzte können diese befragen, untersuchen, ihre Befundungsbilder sowie die Krankengeschichte ansehen. So lernen sie, eine möglichst sichere Diagnose zu stellen und die richtige Behandlungsmethode zu wählen. Da das System zudem die jeweiligen Schritte dokumentiert, kann am Ende auch eine Zeit- und Kostenanalyse erstellt werden.

Eine Akte für alles

Viele Patienten wissen nicht, dass sie durch die elektronische Gesundheitsakte ihre Gesundheitsinformationen selbst verwalten und anderen Personen darauf Zugriff erteilen können, stellte Dr. Stephan Schug von der European Health Tematics Association (EHTEL) fest. Testergebnisse, Diagnosen und Medikationen liegen so in ihrer Hand.

George Philp, Portfolio Manager der Pathologie-Produkte von iSoft, maß besonders den Laboren einen hohen Stellenwert bei: „Knapp 70% aller Diagnosen und Behandlungen beruhen auf dem Beitrag von Laborwerten zur elektronischen Gesundheitsakte", bestätigte er. Dazu gehören mittlerweile auch Point-of-Care-Tests und eigenständige Tests zu Hause. Deshalb wäre es wichtig, Informationen zur jeweiligen Erkrankung in Echtzeit in die Akte einzupflegen. „Die Herausforderung liegt darin, alle Informationen zu einem aktuellen Fall des Patienten an die am Behandlungsprozess beteiligten Ärzte über Institutsgrenzen hinweg zur Verfügung zu stellen", erklärte Maria Nadj-Kittler, zuständig für Business Development im gleichen Unternehmen. Allein an der Siberian State Medical University (SSMU) entstanden zwischen 1994 und 2008 mehr als 160.000 elektronische Akten, berichtete Prof. Dr. Ludmila Ogorodova. Nun wird das telemedizinische Zentrum der Universität in das landesweite integriert.

Schweden ist da bereits einen Schritt weiter. Hans Forsslund, Senior Adviser des Center for TakeCare, stellte die Vorteile eines landesweiten Gesundheitsinformationsnetzes für Patienten und Versorger vor. An dieses sind alle privaten und öffentlichen Gesundheitseinrichtungen angebunden. Damit existiert für jeden Patienten nur eine einzige Akte, und Ärzte können sicher sein, auf alle notwendigen Informationen schnell zugreifen zu können. Nina Lundberg und Lars Palmberg vom Stockholm Health Guide präsentierten dazu die Serviceleistung „My Healthcare Contacts".

Was bringt die Zukunft?

Neben dem Austausch von Erfahrungen beinhaltet Crossborder Healthcare abePatienten werden immer mobiler. Das stellte auch das wissenschaftliche Institut für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG) fest und führte zu diesem Thema zusammen mit der Techniker Krankenkasse (TK) eine Studie durch, die zeigen sollte, welche TK-Versicherten aus welchem Grund im Ausland behandelt wurden. Dr. Caroline Wagner zeigte, dass es sich dabei vor allem um über 60-Jährige handelt, die gesetzlich versichert sind und in Grenzregionen leben. Mit der Behandlung verbinden sie oftmals einen Urlaubsaufenthalt, wollen Geld sparen und neue Methoden ausprobieren. Durch die elektronische Gesundheitsakte könnten diese Patienten ihre Ärzte im Ausland über ihre Krankengeschichte und die heimischen Ärzte über die Behandlung im Ausland informieren.

Die gesammelten Informationen der elektronischen Gesundheitsakten können künftig bestimmten Bürgern nutzen. Ed Percy, Chief Technologist von Orion Health, zeigte, dass durch sie Patienten in Behandlungsgruppen eingeteilt werden könnten. Die Informationen über Personen mit gleichen Erkrankungen lassen sich durch das elektronische Format leichter vergleichen. So finden Ärzte mehr über die Ursachen und den Verlauf heraus und können dieses Wissen in die Behandlung einfließen lassen.

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