Vorteile durch Automation, Miniaturisierung und POCT - Immer mehr Laborwerte werden in immer kürzeren Zeiträumen angefordert

Nur mit perfektionierten Untersuchungsmethoden ist das machbar

Die Mehrzahl aller medizinischen Diagnosen stützt sich auf Laborbefunde, die damit eine wesentliche Grundlage für die richtige Therapieempfehlung darstellen. Wachsende Aufgaben der Labordiagnostik erfordern, dass Experten die Testmethoden stetig weiterentwickeln. Die Untersuchungsmethoden im Routinelabor sind immer weiter automatisiert und miniaturisiert worden. Die patientennahe Sofortdiagnostik, das Point-of-Care-Testing (POCT), ist eine moderne Form der Labormedizin, die sich als feste Größe in nahezu allen Kliniken etabliert hat. Der nachfolgende Beitrag beleuchtet aktuelle Vorteile von Automation, Miniaturisierung und POCT vor dem Hintergrund von IT-Lösungen.

Immer mehr Laborwerte werden in immer kürzeren Zeiträumen angefordert, weshalb die Untersuchungsmethoden zunehmend automatisiert, miniaturisiert und perfektioniert wurden. Dabei ist der Wirkungsgrad der Labordiagnostik sehr hoch, und die Kosten sind im Vergleich zur Therapie gering. Schon seit Jahren werden beispielsweise die Leukozyten beim „großen Blutbild" nicht mehr vom Laborpersonal differenziert, dies übernehmen moderne Geräte, die heute über spezielle Oberflächenantigene sogar präzise den Zelltyp bestimmen können. So lässt sich die Fehlerquote verringern. Ein anderes Beispiel ist das Troponin, mit dem ein Herzinfarkt dank automatisierter Abläufe innerhalb weniger Minuten diagnostiziert werden kann.

Vorteile der Laborautomation können eine eindeutig nachvollziehbare, einheitliche sowie transparente Arbeitsweise (hoher Standard), die Konsolidierung manueller Arbeitsschritte durch einen hohen Automationsgrad (hohe Effizienz), der Einsatz fortschrittlichster Messtechnologie (hohe Qualität), höchster Probendurchsatz (Quantität), Senkung der Personal- und Sachkosten (Einsparpotential) und die Einführung neuester Parameter sein (Innovation). Mithilfe von gängigen Automations- und Informationssystemen lassen sich die Prozesse insgesamt optimieren. Von der raschen Übermittlung zuverlässiger Patienten-Testergebnisse bis hin zur Beseitigung von Engpässen bieten moderne Automatisierungs- und Informationssystemlösungen die Möglichkeit, Laborprozesse effizienter und sparsamer zu gestalten.

Labordiagnostik und Forschung

Labortest sind nicht nur fürs Erstellen von Erstdiagnosen und Verlaufskontrollen essenziell, sie dienen dank moderner Genomanalysen und massenspektrometrischen Methoden zunehmend dazu, Marker für die großen Volkskrankheiten zu finden und Risikopersonen zu identifizieren.

Mithilfe von Labortest lassen sich somit beispielsweise populationsweite Studien realisieren. Auch aus Sicht der sogenannten translationalen onkologischen Forschung („aus dem Labor ans Krankenbett und zurück zum Labor") wurde das Potential der Hochdurchsatzpathologie für die Entwicklung neuer Krebstherapien im Rahmen der letzten Medica erörtert. Wie Krebs künftig patientenindividualisiert diagnostiziert und möglicherweise erfolgreicher behandelt werden kann, zeigt der interdisziplinäre Forschungsansatz der modernen molekularen Onkologie auf, bei dem in einem einzigen Testansatz Tausende von Gewebeschnitten untersucht werden können.

POCT als moderne Labordiagnostik

Auch die patientennahe Sofortdiagnostik wird heute durch die Miniaturisierung der Verfahren und Geräte bestimmt. Schnelle Ergebnisse zur direkten Therapieentscheidung und einfach zu bedienende Systeme ließen POCT zu einem wesentlichen Bestandteil der Patientenbetreuung werden. Die patientennahe Diagnostik wird inzwischen in verschiedenen Bereichen der Klinik eingesetzt: zum Beispiel in der Glukosebestimmung und der Diabetes- und Gerinnungs-Diagnostik, im Rahmen von Intensivmedizin, Neonatologie, Drogen- und Medikamenten-Screening sowie für mikrobiologische und Urin-Schnelltests. Dafür entwickelte man vielfach mobile Systeme, die sich mit der IT-Infrastruktur der Klinik vernetzen lassen.

Die entsprechenden IT-Lösungen sollen dann die zentrale Steuerung und Kontrolle der gesamten POCT-Diagnostik ermöglichen und ein kostengünstiges POCT-Management auf hohem Qualitätsniveau gewährleisten. Das Berliner Unternehmen Conworx bietet beispielsweise eine mit allen Geräteherstellern kompatible IT-Lösung für die Organisation des Point-of-Care-Testings. Mit der leistungsstarken Middleware können über 100 verschiedene POCT-Gerätetypen angeschlossen und über bidirektionale Schnittstellen konfiguriert und gesteuert werden. Ferner bietet Roche eine offene Software-Lösung für das zentrale Datenmanagement von Point-of-Care-Testing-Messgeräten an, mit der die Anwender die Möglichkeit erhalten, von zentraler Stelle aus eine effiziente POCT-Qualitätssicherung zu leisten.

Vorteile durch POCT

Wie in der Literatur beschrieben, bestehen die unbestreitbar klinisch und labormedizinisch relevanten Vorteile der POCT-Diagnostik darin, dass die Ergebnisse, aus denen eine rasche diagnostische oder therapeutische Konsequenz gezogen wird, schnell verfügbar sind. Ferner entfällt der Probentransport, und bei instabilen Analyten entstehen geringere päranalytische Probleme.

Da das Untersuchungsmaterial meist Vollblut, Speichel oder Urin ist, wird üblicherweise keine Probenvorbereitung, insbesondere keine Pipettierarbeit, benötigt. Auf dem IVD-Markt (IVD: In-vitro-Diagnostika) finden sich ganz unterschiedliche Geräte. Sie reichen von den kompakten Handgeräten bis zu den Tischgeräten, die komplizierte Analysensysteme für Küvettentests oder trägergebundene Verfahren darstellen. Am Markt vertretene Hersteller sind beispielsweise Abbott, Hemocue, Novabiomedical, Radiometer und Roche Diagnostics. Das Methodenspektrum reicht von einfachen Teststreifen bis hin zu komplexen immunchemischen Analysen.

Da die Geräte in der Regel weitgehend automatisiert sind, genügen einfache Handgriffe vom Benutzer, um aussagekräftige Testergebnisse zu ermitteln. Als Erfolgsfaktoren für die Implementierung von POCT im Krankenhaus gelten ein voll integriertes Krankenhausinformationssystem, die gründliche Planung des Umstellungsprozesses sowie eine intensive Kooperation mit der IT-Abteilung.

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