Medizin & Technik

Prof. Christoph F. Dietrich im Interview über SonoElastographie

09.06.2012 -

Prof. Christoph F. Dietrich im Interview über SonoElastographie. Prof. Christoph F. Dietrich, Chefarzt der Inneren Medizin 2 im Caritas Krankenhaus Bad Mergentheim, gilt als einer der führenden Internisten in Deutschland. Während seiner Ausbildung in der Deutschen Klinik für Diagnostik, Wiesbaden, und am Institut für klinische Radiologie in Münster hat er sich weitreichende Kenntnisse in der internistischen interventionellen Radiologie sowie sonographischer Untersuchungstechniken angeeignet. Vertieft hat er diese während seiner weiteren internistischen Ausbildung am Johann Wolfgang Goethe- Universitätsklinikum Frankfurt. Der Schwerpunkt lag im Bereich der Lebersonographie, (Farb-)Duplexsonographie, der Darm-, Mediastinal- und Endosonographie sowie interventioneller Verfahren. Das besondere Interesse von Prof. Dietrich gilt mittlerweile der SonoElastographie, einer Methode zur Gewebedifferenzierung in der Tumordiagnostik. Ulrike Hoffrichter sprach mit Prof. Dietrich über das Verfahren.

Management & Krankenhaus: Bitte beschreiben Sie den technischen Ansatz der SonoElastographie?

Christoph F. Dietrich: Das Prinzip der Elastizitätsdarstellung beruht auf der unterschiedlichen Verformbarkeit und Verschieblichkeit eines Objektes in einem elastisch unterschiedlichen Medium. Unter gleicher Druckbelastung wird sich weicheres Gewebe stärker verformen als festere Gewebestrukturen. Analog zur manuellen und Sonopalpation nutzt die SonoElastographie die Tatsache, dass Tumorgewebe andere Eigenschaften aufweist und somit anders kompressibel ist als gesundes Gewebe. Entzündliche Veränderungen oder Tumoren führen somit zu einer Veränderung der normalen Gewebestruktur, die als unterschiedliche Gewebeeigenschaften aus den Ultraschalldaten abgeleitet und farbkodiert dargestellt werden können.

Management & Krankenhaus: Welche Geräte werden für die Untersuchung eingesetzt?

Christoph F. Dietrich: Die SonoElastographie wird mit Standardschallsonden ohne zusätzliche Apparaturen, also Systeme zur Messung der eingeleiteten Drucks oder Vibrationsquellen, ähnlich einer Farbdoppleruntersuchung durchgeführt. Die Berechnung der Elastizitätsverhältnisse erfolgt in Echtzeit, die Ergebnisse werden dem konventionellen B-Bild farbkodiert überlagert. Die farbliche Darstellung kann mit diversen Auswertealgorhytmen mittlerweile semiquantitativ analysiert werden. Bis vor kurzem konnten lediglich „Offline Verfahren“ durch Auswertung der gespeicherten digitalen Videosequenzen angewandt werden. Aktuell ist die Echtzeit-Quantifizierungen zur direkten und absoluten Vergleichsbestimmung der Elastizitätswerte möglich geworden.

Management & Krankenhaus: Welche diagnostischen Vorteile lassen sich im Vergleich zu bislang verfügbaren Verfahren erzielen?

Christoph F. Dietrich: Mit Hilfe der SonoElastographie lassen sich im Gegensatz zu herkömmlichen Autokorrelations-Verfahren Verschiebungen größeren Umfangs innerhalb kürzester Zeit, d.h. in nur einer Kompressionsphase, ohne Aliasingartefakte messen. Der Clou ist, dass mittels der SonoElastographie zusätzlich zur konventionellen Sonographie die visko-elastischen Eigenschaften von Gewebe abgebildet werden. Bei ultraschallelastographischen Untersuchungen übt der Untersucher während der Ultraschalluntersuchung mit dem Ultraschallkopf eine Druckänderung von außen auf das Organ aus. Die Elastographie-Software wertet die Unterschiede beziehungsweise Verschiebungen zwischen den einzelnen Bilder in aufeinander folgenden Ultraschallaufnahmen aus und zeigt die Dehnungsänderungen farbkodiert und ortsaufgelöst an. Harte Gewebebereiche verformen sich unter Kompression nicht so stark wie weiche. So können Tumoren von normalem Gewebe differenziert und gutartige von bösartigen Tumoren unterschieden werden.

Management & Krankenhaus: Das Ganze klingt nach einer hohen Spezialisierung?

Christoph F. Dietrich: Die Einarbeitung in die SonoElastographie ist mit der der üblichen Sonographie vergleichbar. Allerdings gilt: Eine schlechte Sonographietechnik kann nicht durch die SonoElastographie ausgeglichen werden.

Management & Krankenhaus: Für welche Indikationsgebiete lässt sich das Verfahren anwenden?

Christoph F. Dietrich: Die SonoElastographie wird bei der Untersuchung aller oberflächlicher Körperbereiche und Areale, die im Bereich der Sonode gelegen sind, d.h. entweder oberflächlich gelegen oder durch endoskopischen Ultraschall erreichbar, angewendet.

Management & Krankenhaus: Könnten Sie das an einem Beispiel erläutern?

Christoph F. Dietrich: Ein klassisches Anwendungsgebiet ist die Untersuchung der Prostata. Prostata-Tumoren sind härter als die gesunde Prostata, was bei der rektal-digitalen Untersuchung ausgenutzt wird. Die bisherigen Ergebnisse sind aber insgesamt enttäuschend. Die SonoElastographie kann die Trefferquote nach bisherigen Ergebnissen im Vergleich zur herkömmlichen Tumordiagnostik um bis zu 30 % erhöhen. Die Ultraschall-Elastographie könnte somit zur verbesserten Früherkennung bei Prostatakarzinom beitragen. Um zu klären, ob die Detektionsrate von Prostatakrebs mit der SonoElastographie erhöht werden kann, laufen derzeit prospektive, randomisierte Studien.

Management & Krankenhaus: Gibt es Einschränkungen beim Untersuchungsverfahren?

Christoph F. Dietrich: Hier sind eine eingeschränkte Tiefeneindringung von maximal 40 mm, eine ungleichmäßige, vor allem zu hohe Druckapplikation, unregelmäßige Körperoberflächen durch Knochenvorsprünge u.ä. sowie die unzureichende Darstellung direkt umgebender Gewebestrukturen mit unzureichenden Unterschieden der elastischen Gewebeeigenschaften zu nennen.

Management & Krankenhaus: Lässt sich das Verfahren abrechnen?

Christoph F. Dietrich: Bisher leider nicht ausreichend. Eine Brücke wäre die Abrechnung mittels sogenannter Analogziffern, denkbar wären die Ziffern der Farbdopplersonographie. Eine andere Methode wäre die Einstufung und Abrechnung als IGEL-Leistung.

Management & Krankenhaus: Prof. Dietrich, vielen Dank für diese interessanten Einblicke.

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