Es geht nicht nur um Software - Zur Digitalisierung in der Pflege

Der Beruf der professionellen Pflege befindet sich in einer Krise, deren Auswirkungen kaum absehbar sind. Der demografische Wandel und unattraktive Rahmenbedingungen verursachen einen zunehmenden Pflegefachkräftemangel. Ein innovativer und moderner Neubeginn zur Gestaltung eines ansprechenden Arbeitsumfeldes ist unvermeidbar, wenn der Beruf künftig wieder an Attraktivität ­gewinnen soll. Ein Beitrag von Heiko Mania.

Eines ist klar: Wie bisher kann es nicht weitergehen. Daher wird gerade der Digitalisierung in der Pflege eine hohe Bedeutung in der Entlastung der Fachkräfte, der Optimierung der Pflegeprozesse und der Steigerung der Attraktivität beigemessen. Es ist kaum zu glauben, dass dennoch über 70 Prozent der deutschen Gesundheitseinrichtungen die pflegerischen Fachkräfte noch mit Papier und Stift dokumentieren lassen. Und diese Dokumentation ist nicht nur sehr zeitaufwendig (bis zu 60 Prozent der täglichen Arbeitszeit), sie ist sehr häufig auch lückenhaft und abrechnungsorientiert durchgeführt.

Die aus einer unvollständig geführten Dokumentation resultierenden Gefährdungen sind nicht unerheblich – dazu gehören Informationsverluste und Missverständnisse, schlechte Nachvollziehbarkeit für Dritte, Auslassungs-, Urteils- und Erkennungsfehler sowie Überversorgung durch ungewollte Mehrfachmaßnahmen, Verschlechterung im pflegerischen Risikomanagement und außerdem, dass die Qualität der Pflegeleistungen nicht dem individuellen Bedarf entspricht.

Vorgehens- und Rahmenmodell erforderlich
Digitalisierung in der Pflege besteht aber auch nicht nur aus der Einführung von Pflegesoftware. Häufig wird damit einfach nur eine „PDF-isierung“ betrieben und aus vorhandenen Papierdokumenten lediglich digitale Formulare gemacht. Ohne Plausibilisierung und Logik werden daraus schnell, ungenutzte Datensilos und kosten letztlich mehr Zeit ohne konkreten Nutzen. Daher ist ein Vorgehens- und Rahmenmodell für die Digitalisierung der beruflichen Pflege notwendig.

Bei dem vom NursIT Institute entwickelten Konzept „Lean Nursing“, werden die Prinzipien der schlanken Prozesse des Lean Management und des Lean Hospitals auf die Entwicklung und Einführung von Pflegetechnologien und die Berufsgruppe der Pflegefachkräfte abgebildet.

Die Basis dieses Konzepts bildet eine Strukturierung der wertschöpfenden Pflegeprozesse und die Festlegung einer Pflege-Digitalisierung-Strategie.

So muss beispielsweise mit dem Pflegemanagement festgelegt werden, in welchem Detailgrad der Pflegeprozess, insbesondere auch die Pflegediagnostik, künftig dokumentiert werden soll. Wichtig ist hierbei, die schlankeste Lösung mit dem besten Pflegeergebnis zu finden.

Automatisierung mit KI und Sensoren
Nach einer Prozessstrukturierung kommt dann die eigentliche Technologie zur nachhaltigen Implementation der optimierten Prozesse zum Einsatz. In fünf Transformationsstufen können die Pflegefachkräfte damit signifikant entlastet werden und zudem die Art und Weise der fachlichen Pflege verändern. Dabei wird die erste Stufe „Digitalisierung“ häufig von den Pflegefachkräften gar nicht als spürbare Entlastung wahrgenommen. Denn eine reine Digitalisierung allein führte häufig nur zu einer 1:1-Umsetzung von Papierformulare in digitale Formulare. Deshalb sollte die Digitalisierung stets mit der zweiten Stufe – der „Automatisierung“ – umgesetzt werden.

So verschlankt moderne Pflege-Expertensoftware nicht nur die Pflegedokumentation, sie wird diese auch zunehmend mittels künstlicher Intelligenz, Sensoren und smarten Pflegehilfsmitteln automatisieren. Dadurch schaffen diese Systeme eine strukturierte Datenbasis, um in den folgenden Stufen pflegerelevante Risiken und Pflegephänomene vorherzusagen (Prädiktion) und darauf automatisierte Prozesse zur Prävention anzustoßen. In der Stufe „Präskription“ wird dann aus den vorhandenen Pflegedaten für einen individuellen Patienten in seinem individuellen Setting der beste Pflegepfad vorgeschlagen.

IT-Kompetenz erlernen
Um den zukünftigen Anforderungen im digitalen Pflegealltag begegnen zu können, müssen die Pflegefachkräfte lernen, die neuen Werkzeuge und die sich ändernde Arbeitswelt grundsätzlich zu verstehen. Daher fokussiert die dritte Ebene von Lean Nursing die heute noch sehr heterogene IT-Kompetenz in der Pflege. Heute wird in diesem Zusammenhang von einem „Upskilling“ gesprochen.  

In allen Ebenen und Stufen des Lean Nursing – Konzepts finden verschiedenste, spezialisierte Methoden und Werkzeuge ihren Einsatz, die eine prozess-orientierte und wertschöpfende Digitalisierung der Pflegefachkräfte unterstützen.

Im Ergebnis führt eine solche Digitalisierung der größten Berufsgruppe des Gesundheitswesens eine spürbare Entlastung der Fachkräfte, da Routinedokumentation immer stärker durch Algorithmen und smarten Pflegehilfsmittel automatisch und deutlich schneller erstellt werden. Zudem werden moderne Pflegetechnologien immer besser Pflegephänomene vorhersagen und so eine präventive, pflegerische Versorgung ermöglichen. Dies stärkt nicht nur die Ressourcen des Patienten, sondern auch seine Versorgungssicherheit und Qualität.

Smartes Ambiente
Künftig wird sich die Digitalisierung der Pflege nicht nur auf PCs oder mobile Geräte beschränken. Auch das dem Patienten umgebende Ambiente wird zunehmend smart und kann so nicht nur pflegerelevante Informationen über den Patienten erfassen, sondern auch bei Alltagsaufgaben und bei der Genesung unterstützen. Intelligente Patientenbetten, sprechende Patientenzimmer oder smarte Beleuchtungskonzepte finden sich heute schon auf dem Markt.

Wichtig ist bei allem Potential dieser Technologien, die Anwender einzubeziehen und nicht von der Entwicklung abzuhängen. Das bedeutet auch, die Digitalisierung genauso als Werkzeug der Pflege zu verstehen, wie ein Waschlappen oder Blutdruckgerät.

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