Krankenhaushaftpflicht – Perspektiven 2019/2020

  • Die Branchenexperten sind sich einig: Es braucht ein größeres Miteinander und einen transparenten Austausch zwischen den Akteuren. Foto: Sham Die Branchenexperten sind sich einig: Es braucht ein größeres Miteinander und einen transparenten Austausch zwischen den Akteuren. Foto: Sham

Die Krankenhaushaftpflicht befindet sich in Deutschland seit Jahren in einer sehr angespannten Situation.

Ein vom Deutschen Anwaltsspiegel und der Kanzlei Clyde & Co. veranstalteter Roundtable nahm dies zum Anlass, um am 1. Oktober in der Pagode der F.A.Z. mit Branchenexperten Perspektiven und Herausforderungen zu diskutieren: Wie nachhaltig ist die Krankenhaushaftpflichtversicherung in Deutschland aufgestellt? Wie lässt sich der Trend stetig steigender Prämien unterbinden? Wie kann die finanzielle Belastung durch Großschäden reduziert werden? 
Zur Beantwortung dieser Fragen kam das Who’s who des Gesundheits- und Versicherungswesens zusammen. Auch der französische Haftpflichtversicherer Sham war als neuer Anbieter auf dem deutschen Markt vertreten. Michael Garbes, COO der deutschen Niederlassung, referierte über die Chancen in einem schwierigen Marktumfeld.

Sicherheit als gemeinsames Ziel

Im Fokus aller Referenten stand die gemeinsame Zielsetzung: Krankenhäuser noch sicherer zu machen und Risiken effektiver zu minimieren. Um dies zu erreichen sind kollektives Handeln und Offenheit für alternative Blickwinkel notwendig.          
Ein Beispiel für effektive Möglichkeiten des Risikomanagements für Krankenhäuser gab Dr. Heidemarie Haeske-Seeberg, Bereichsleiterin Qualitätsmanagement und klinisches Risikomanagement bei der Sana Kliniken AG. Durch die Etablierung von Scoring- und Benchmarking-Prozessen habe man es in ihrem Unternehmen geschafft, die Anspruchsstellungen deutlich zu reduzieren. Dabei wurden Risiken konsequent in Präventionsmaßnahmen umgesetzt. Parallel könne durch eine Kopplung der Zielvorgaben an den Prämiensatz der Haftpflichtversicherung der Prämienanstieg begrenzt werden. Ziel sei es, Rechtssicherheit für alle Beteiligten zu schaffen: Vom Patienten über die Mitarbeiter bis zum Unternehmen selbst. Die Verbesserung des Haftpflichtschutzes ist dabei ein wichtiger Aspekt. Durch proaktives Handeln und den Einsatz effizienter Instrumente des Qualitätsmanagements können Krankenhäuser einen wichtigen Beitrag hierzu leisten.

Neue Anbieter beleben den Markt

Das effiziente Management von Risiken ist von zentraler Bedeutung, um die Versicherbarkeit von Haftpflichtrisiken langfristig zu garantieren.

Aus der Perspektive der Haftpflichtversicherung ist das Risiko vor allem durch seltene, aber sehr teure Schadenfälle geprägt, bei denen hohe Rechtsverfolgungskosten anfallen. Entschädigungen müssen oft jahrzehntelang gezahlt werden. Dieses „Longtail-Risiko“ erschwert die Kostenkalkulation der Anbieter enorm. Die mit der Absicherung des „Longtail-Risikos“ verbundenen notwendigen Rückstellungen belasten die Versicherer wegen Solvency II stärker als früher. Als es u. a. deshalb 2012 infolge des Marktaustritts mehrerer großer Anbieter zur Änderung der Annahmepolitik und des Zeichnungsverhaltens der Versicherungsbranche kam, folgte diesem Markverhalten ein rasanter Prämienanstieg. Das blieb in Krankenhäusern nicht ohne Folgen: Weniger Ressourcen für Personal und dadurch steigende Fehlerrisiken aufgrund von Personalmangel führten zu einem gefährlichen Teufelskreis.

Als Ausweg aus dieser negativen Spirale diskutierten die Experten zahlreiche Lösungsansätze: Von der Sicherstellung einer hinreichenden Refinanzierung über Selbstversicherungsmodelle bis hin zur Schaffung von mehr Markt durch neue Anbieter. Sham und andere neue Marktteilnehmer unterstützen durch die Bereitstellung zusätzlicher Zeichnungskapazitäten eine Entspannung des Krankenhaushaftpflichtsektors.
Mit dem in Europa vorherrschenden Claims-Made-Prinzip bietet der französische Versicherer zudem eine Alternative zum in Deutschland gängigen Occurrence-Prinzip an: Nicht zuletzt durch das hier nicht einbezogene „Longtail-Risiko“ sind bei Versicherungsanbietern, die auf dieser Grundlage arbeiten, mehr Kapazitäten vorhanden, die helfen können, vorhandene Angebotsengpässe zu überwinden.

Offenheit für neue Lösungsansätze

Dass sich in Folge neuer Markteintritte die Prämien auf höherem Niveau stabilisiert haben, bestätigte auch Mathias Lenschow, Mitglied der Geschäftsführung der Funk Hospital-Versicherungsmakler GmbH. In seinem Vortrag betonte er aber auch, dass die durch Solvency II gestellten Forderungen nach risikobegrenzenden Maßnahmen wohl zu weiteren Prämiensteigerungen führen werden.
Ein Weg, darauf zu reagieren, liege in der Übernahme von mehr Eigenverantwortung durch die Krankenhäuser. Durch das niedrige Zinsniveau habe sich auch die Bereitschaft der Versicherer erhöht, Selbstbehalte stärker zu honorieren. „Das System der flächendeckenden Vollversicherung hat ausgedient“, fasste Lenschow diese Entwicklung zusammen.

Die Debatte zeigte an diesem Punkt erneut die zentrale Bedeutung, die alle Anwesenden einem effizienten Risikomanagement beimessen. Zwar werden Versicherer stets bereitstehen, um die volatilen Restrisikobereiche abzufedern, jedoch müssen sie darüber hinaus mit den Kliniken an der Risikominimierung und Kostenstabilisierung arbeiten. Auch dies spiegelt einen generellen Trend wider. Um Risiken gemeinsam zu minimieren, benötigen Versicherer aber einen Einblick in die internen Vorgänge in Krankenhäusern, der früher häufig nicht gewährt wurde. Dabei scheuten die Versicherer ebenfalls meist den dafür notwendigen Aufwand. Heute haben alle Akteure verstanden, dass ein offener Austausch und eine enge Zusammenarbeit notwendig sind, um die gemeinsamen Probleme zu lösen.

„Diese partnerschaftliche Debatte hätte es vor 15 Jahren so nicht gegeben“, betonte Michael Garbes daher zu Beginn seines Vortrages. In diesem hob er zudem hervor, dass nun die richtigen Schlussfolgerungen aus der Vergangenheit gezogen werden müssen, um die Kostenentwicklung in den Griff zu bekommen. Dafür müssten alle Akteure ihren Beitrag leisten: „Auch der Staat muss hier aktiv werden und seine ordnungspolitische Funktion stärker wahrnehmen“, betonte Garbes daher und unterstrich die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Risikoabsicherung von Kliniken. Sham verbinde daher als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit sein Versicherungsangebot mit Dienstleistungen für das Risikomanagement, wovon beide Seiten profitieren. Dieses nachhaltige Verständnis vertritt der Versicherer in Frankreich seit über 90 Jahren. Als neuer Marktteilnehmer in Deutschland sieht Sham daher trotz aller Widrigkeiten vor allem Chancen wie der Experte abschließend feststellte: „Der Markt lebt, der Markt ist spannend.“

 

 

Kontaktieren

SHAM-Société Hospitalière d'Assurances Mutuelles (Niederlassung Deutschland)
Königswall 22
44137 Dortmund

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