Risiko oder Sicherheit?

Entscheidend für den Erfolg ist ein betriebswirtschaftlich ausgebildeter Risikomanager.

  • Dr. Björn Tönneßen, Facharzt für Allgemeinmedizin, Dipl.Wirt-med., Medizinischer Risikomanager am Universitätsklinikum MagdeburgDr. Björn Tönneßen, Facharzt für Allgemeinmedizin, Dipl.Wirt-med., Medizinischer Risikomanager am Universitätsklinikum Magdeburg

Medizinisches Risikomanagement ist eine der aktuellen Herausforderungen an die Führung medizinischer Einrichtungen. Zum einen sind in den vergangenen Jahren neue Instrumente und Empfehlungen für mehr Patientensicherheit entstanden, die berücksichtigt werden müssen. Zum anderen verknüpfen die finanziellen Gefahren von Schadensfällen die Patientensicherheit untrennbar mit der Unternehmenssicherheit.

Neben gesetzlichen Forderungen - beispielsweise der notwendigen Einbindung in das durch KonTraG zwingende betriebswirtschaftliche Risikomanagement - bedingt die Komplexität moderner Medizin die Einrichtung eines umfassenden medizinischen Risikomanagements. Moderne Großkliniken verbinden das Fachwissen hoch spezialisierter Experten in der Behandlung der Patienten. Zählt man nur Ärzte und Pflegekräfte zusammen, die direkt in die Behandlung eines Patienten involviert sind, ist man im zweistelligen Bereich. Wird dieser Kreis um indirekte Verwaltungs- und Unterstützungsfunktionen erweitert, überschreitet man leicht die Grenze von 100 Personen. Eine zusätzliche Menge an Schnittstellen zwischen Mensch und medizinischem Gerät kommt hinzu und führt zu weiterer Komplexitätssteigerung.
Gewonnene höhere Behandlungsqualität geht so mit einem erhöhten Risiko für den Patienten und ebenso steigenden Schadenfallzahlen und Haftpflichtpolicen auch für medizinisches Personal und Krankenhausbetreiber einher.

Die Reduktion dieses Risikos kann durch systematisches Risikomanagement auf Basis der internationalen Norm für Risikomanagement ISO 31000 erfolgen. Mit der Integration anerkannter Handlungsempfehlungen und Methoden zur Patientensicherheit bietet sie die Möglichkeit eines umfassenden medizinischen Risikomanagementsystems. Grundsätzlich beschreibt die Norm den Risikomanagementprozess, der aus verschiedenen Stufen besteht: Erstellung von Zusammenhängen, Risikoidentifikation, -analyse und -bewertung sowie die wichtige Entscheidung, ob Risiken getragen oder bewältigt werden.

In diesen Risikomanagementprozess müssen die o.g. Instrumente integriert werden. So lässt sich die Risikoidentifikation über ein CIRS (Critical Incident Reporting System) und Risikoaudits unterstützen.

Die Risikoanalyse und -bewertung verbindet sich mit dem betriebswirtschaftlich notwendigen Risikobericht. Dabei helfen die Empfehlungen des Aktionsbündnisses Patientensicherheit bei der Bewältigung von Risiken.

Zentraler Promotor und maßgeblich für den Erfolg dieses Prozesses ist der Risikomanager. Er analysiert identifizierte Risiken und bewertet das Risiko im Gesamtzusammenhang - sowohl der kaufmännischen als auch der ärztlichen Seite. Das legt die Besetzung dieser zentralen Funktion durch einen Facharzt oder mindestens eine langjährig erfahrene Pflegedienstleitung mit fundierter betriebswirtschaftlicher Qualifikation nahe.

In Zusammenarbeit mit dem Qualitäts- und Projektmanagement und den anderen zentralen Strukturen betreibt der Risikomanager zudem übergreifende Maßnahmen zur Patientensicherheit. Ein typisches Beispiel hierfür ist die zentrale Einführung von Patienten-Identifikationsarmbändern für das gesamte Klinikum. Empfohlen vom Aktionsbündnis Patientensicherheit helfen sie, die Verwechslung von Patienten an vielen Stellen im Klinikum zu verhindern. Die notwendige Integration verschiedener Arbeitsbereiche des Krankenhauses spricht hier für eine zentrale Einführung.

Zentrale Maßnahmen können jedoch nur einen Teil des Risikomanagements darstellen. Wesentlich ist eine Sicherheitskultur im Krankenhaus zur Verminderung von Risiken in den patientennahen Prozessen. Der qualifizierte Mitarbeiter - sensibilisiert für moderne Methoden der Patientensicherheit - ist damit Kern jedes Risikomanagementsystems.

Das Universitätsklinikum Magdeburg bietet daher als erstes Klinikum in Deutschland allen Ärzten und erfahrenen nichtärztlichen Mitarbeitern eine Ausbildung im Fortbildungskonzept Patientensicherheit der Bundesärztekammer an. Mitarbeiter werden so für die Thematik sensibilisiert und unterstützt, die Empfehlungen zur Patientensicherheit in ihre Arbeitsabläufe zu integrieren. Erfolge dieses Vorgehens zeigen sich an vielen lokalen Patientensicherheitsprojekten, die vor Ort die Sicherheit des Patienten weiter erhöhen.

Eine solche nachhaltig entwickelte und gelebte Sicherheitskultur mit der bewussten Integration aller Maßnahmen in ein umfassendes medizinisches Risikomanagementsystem bietet die Möglichkeit, auch langfristig Spitzenmedizin mit höchster Patientensicherheit zu verbinden.

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